Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 48 (28.11.1913)
- Date
- 1913-11-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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■Reich und Ausland: Leltungsprelslttte. Bayern: Leitungsnummer 546. - - — — Geschäftsstelle: ——— M. DuMont Schauberg, Stratzburg i. Elf. Vertretung für Bayern und Württemberg: Max Gichtiger, König!. Hofbuchbändler. AnSbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle: außerdem in Stratzburg durch die Glsässische Aktiengesellschaft vorm. A. Ammel. In Basel durch I. Nordmann, Socinilraße 36. In Zürich durch A. Schneider, Badenerstraße 123. Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Pfg. (exkl. Zustellungsgebühren), vcr Streifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. 6a* Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schwei, per Post 4 Ir. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. da* Jahr. I» Oesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. das Jahr. Jtl England 2 Schilling, Amerika 50 Cents per Vierteljahr. -Inserate nach Tarif.- Abonnements nimmt jede ipottanttalt entgegen. IV. Zabrgang. Ansbach-Stratzburg, 28. ißovember 1913, 26. Cbefcbwan 5674. ißi*. 48 Inhalt. Leitartikel: 8'cbus Ovaus. — Dr. D. Hoffmann. — Aus aller Welt. — Korrespondenzen. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Familiennachrichten. — Rätsel-Ecke. — Vermischtes. — Jakob oder Esau. — Der Lordoberrichter. — Gedalja. — Inserate. . Zu n“6in 'd. S’chus Ovaus. Es ist unseren Weisen s. A. schon ausgefallen, daß die heilige Schrift so stark die Abhängigkeit Jizchaks von seinem größeren Vater betont, und sie haben diese auffällige Erscheinung im einzelnen aufgezeigt: Nicht nur, daß in seinen Gesichtszügen die seines Vaters sich wiederfinden; nicht nur, daß er bei dem gewiß bedeutungsvollsten Ereignis seines Lebens, der widerspruchslosen Hingabe auf Morija, Abraham gegenüber so sehr in den Hintergrund tritt, daß sein „blinder Gehorsam" zu allen Zeiten Bewunderung und Verwunderung fand; nicht nur, daß er bei der Wahl der Gattin sich ganz auf die Anordnungen seines Vaters verläßt und sich ihnen fügt; — sein ganzes Leben, seine Freuden und Leiden, scheint nur ein Spiegelbild, eine Wiederholung der Geschicke Abrahams. Wie dieser hat Jizchak lange, bange Jahre aüf Kindersegen geharrt. Wie in Jismael im Hause des ersten Urvaters, ersteht in Esau beim zweiten Patriarchenpaar ein Sproß, dessen Leben und Weben aus dem Rahmen dieser frommen Familie herausfällt, ihr ruhiges, idyllisches Dasein stört und trübt. Wie der Vater wurde auch er in die Notlage versetzt, wegen Hungersnot die Heimat zu verlassen. Wie seiner schönen Mutter, so hat seiner schönen Gattin sittliche Gefahr gedroht vom lüsternen Sinn des fremden Königs. Trotz dieser Aehnlichkeiten in den Lebensschicksalen der zwei ersten Patriarchen, auf die wir allmählich gestimmt werden, bleiben wir überrascht vor einer Tatsache und ihrer Begründung stehen: Auch Jizchak ward göttlicher Offenbarung gewürdigt, auch ihm ward göttlicher Segen zuteil: „Ich werde deine Nachkommen vermehren wie die Sterne des Himmels, ich werde ihnen diese Landstriche geben, und alle Völker der Erde werden durch sie gesegnet, — weil Abraham auf meine Stimme gehorcht, meine Hut behütet, meine Gebote, meine Gesetze und meine Lehren." Nur Abrahams, des Vaters, Verdienst wird es demnach zugeschrieben, wenn dieser Segen dem Sohne wiederholt und seinen Nachfahren gewahrt wird. Welch tiefe Befriedigung, welch seliges Bewußtsein für Eltern, sich sagen zu können, daß es in ihrer Hand liegt, ihren Kindern ein herrliches Erbe zu hinterlassen, daß sie ein Mittel besitzen, ihrer Kinder Zukunft zu sichern, sie zu beglücken, sie zu bereichern: den himmlischen Segen nämlich, den sie selber verdient durch Reinheit und Heiligkeit des eigenen Lebens. Auch der Aermste an Habe ist imstande, eine Quelle des Glücks denen zu erschließen, in deren Leben dem seinigen Dauer und Fortbestand erblüht. Und die Kinder? Sollen und dürfen sie dieses Erbteil gedanken- und tatenlos hinnehmen? „Was du ererbt von deinen Vätern hast, Erwirb es, um es zu besitzen!" Hat Jizchak anders gedacht und gehandelt? Ist er nicht wie auf jenem schweren Gang zur Opferhöhe Zeit seines Lebens mit seinem Vater einträchtig und „gemeinsam" gewandelt in Gesinnung und Tat? Hat er nicht auch nach seinem Tode noch seine Spuren verfolgt? Noch in den von den Philistern verschütteten Brunnen seines Vaters, die er wieder aufgräbt, segnet er dessen Andenken. Mag sein: Jizchak erreichte nicht die strahlende Höhe eines Abraham, war ihm nicht gleich an Größe und Kraft — aber er war ihm nicht unähnlich, war seiner nicht unwert. Er hat in kindlicher Liebe und Aufrichtigkeit heilig und hoch gehalten, was jenem als solches gegolten. Er hat ererbt und erworben: SV.lnis ovaus! Dr. Bloch, Barr. Dr. D. Koffmann. Zu seinem 70. Geburtstag. Unser Meister und väterlicher Freund, Herr Dr. David Hoffmann, Rektor des Rabbiner-Seminars in Berlin, begeht am ann seinen 70. Geburtstag. An der Schwelle des Greisenalters dieses ehrwürdigen und hochgeschätzten Thorafürsten und Geisteshelden möchten wir hier kurz seinen interessanten Lebenslauf schildern. Herr Dr. Hoffmann wurde am 25. November 1843 in Verbo, Ungarn, geboren. Nachdem er einige Jeschiwos, darunter die des berühmten R. Moses Schick s. A. in Huszt, besucht hatte, absolvierte er im Jahre 1865 das