Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Blatt · 1913-11-21 · 47 (21.11.1913) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
47 (21.11.1913)
Date
1913-11-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9052070-9096771-9052844--0784-9052851
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

9 entity mentions

Nr. 47. 7 Das jüdische Klatt. düng, es handle sich hierbei um eine politische Demonstration gegen eine befreundete auswärtige Macht. Unter solchen Umständen ist es nicht zu verwundern, wenn die Juden Salonikis auch den bestimmtesten offiziellen Erklärungen äußerstes Mißtrauen entgegensetzen und auf die künftige Gestaltung ihrer Lage in der Stadt, wo sie seit Jahrhunderten die Majorität der Bevölkerung bilden, mit großer Besorgnis blicken. Syrien. Erdölvorkommen in Syrien. , Nachdem schon im Jahre 1909 ein deutsch-syrisches Syndikat von der türkischen Regierung die Konzession für Erdölbohrungen an sechs verschiedenen Punkten des Jarmuk- und des Jordantales erlangt hatte, bildete sich im November 1912, unter hauptsächlicher Beteiligung englischer Finanzkreise, die Syrian Exploration Company, Limited, mit dem Sitz in London und Haifa. Die Gesellschaft nahm im April d. I. mit Hilfe englischer und amerikanischer Fachleute Bohrungen bei der Bahnstation El Makürin der Hedschasbahn (125 Kilometer von Haifa) vor. Nach Ansicht der Bohrmeister dürfte Erdöl erst in 350 bis 400 Meter Tiefe erreicht werden. Die Syrian Exploration Co. hat zunächst 20 000 Pfund Sterling für die Bohrversuche bereit gestellt, ist aber entschlossen, das Kapital bei günstigen Ergebnissen nach Bedarf zu erhöhen. Auch am Westufer des Toten Meeres sind von dem deutschen Geologen Dr. M. Blankenhorn Erdölquellen und bituminöse Lagerungen entdeckt worden. Dieses Vorkommen dürfte in der nächsten Zeit ebenfalls durch Bohrversuche geprüft werden. Neben der genannten englischen Gesellschaft ist neuerdings eine amerikanische Gesellschaft ins Leben gerufen worden, die gleichfalls in Syrien Bohrungen nach Erdöl unternehmen will. Auch in der Nähe von Beirut hat man vor kurzem eine Petroleummine entdeckt, für deren Ausbeutung sich der ägyptische Prinz Jussuf Pascha Kamel interessiert, der in dieser Angelegenheit Verhandlungen mit dem türkischen Ministerium der öffentlichen Arbeiten angeknüpft hat. Sir Harry Johnston über die Zukunft Syriens. Im Verlage von Smith, Elder and Co. in London ist soeben unter dem Titel „Common Sense in Foreign Policy" ein aufsehenerregendes Buch von dem bekannten englischen Sozialreformer und völkerrechtlichen Schriftsteller Sir Harry Johnston erschienen. Der Verfasser läßt die wichtigsten Probleme der internationalen Politik unserer Tage Revue passieren, erörtert im einzelnen die vielfach ineinandergreifenden Interessen- und Einflußsphären der verschiedenen europäischen Mächte in den der Kultur erschlossenen Gebieten Asiens und Afrikas und kommt im Verlaufe seiner Ausführungen auch auf die zukünftige Gestaltung der politischen Verhältnisse in Syrien und Palästina zu sprechen. Sir Harry Johnston ist der Ansicht, daß die vernünftigste Lösung des „syrischen Problems" ein wirtschaftliches Protektorat Frankreichs über Nordsyrien wäre, das sich über Damaskus, die Libanonprovinz, Palmyra usw. erstrecken würde, während im Süden, in Judäa und Midian, im Sinne der zionistischen Bewegung ein jüdisches Gemeinwesen geschaffen werden sollte, in dem namentlich die unter unerträglichen Bedingungen lebenden osteuropäischen Juden eine gesicherte Heimstätte finden könnten. Die hochbegabte jüdische Rasse würde sicherlich aus Palästina ein „Belgien des Ostens" machen, und — führt Harry Johnston weiter aus — keine europäische Macht ist an der Bildung eines solchen „morgenländischen Belgiens" mehr interessiert, als Großbritannien, namentlich im Hinblick auf das benachbarte Aegypten einerseits und die im Nordosten bis nach Indien hin sich erstreckende britische Einfluhzone andererseits. Palästina. Eröffnung einer neuen Eisenbahnlinie in Palästina. Die neue Eisenbahnlinie Haifa—Akka, die sich seit Ende 1911 im Bau befindet, ist soeben dem Verkehr übergeben worden. Die Bahn ist 20 Kilometer lang und steht unter rein türkischer Verwaltung. Sie bildet eine Zweiglinie der großen Hedschasbahn. Durch die Eröffnung der neuen Strecke ist die wirtschaftliche Bedeutung Haifas wieder erheblich gestiegen. Bekanntlich ist Haifa auch Ausgangspunkt der über 160 Kilometer langen, ebenfalls rein türkischen Eisenbahnlinie Haifa—Beisan—Samach—Der'at, die seit 1904, bzw. 1906 in Betrieb ist. Die erste Flugmaschine in Palästina. In diesen Tagen — wenn alles gut geht — bekommen die Einwohner mehrerer palästinensischer Städte zum ersten Male Gelegenheit, eine Flugmaschine zu sehen und noch dazu auf einem Teil der längsten Luftreise, die bisher im Aeroplan unternommen wurde. Der Flieger Daucourt hat es unternommen, mit einem Herrn Henri Roux als Passagier, von Paris nach Kairo zu fliegen. Er verfolgt dabei eine Landroute, die einen großen Teil der türkischen Küstengebiete berührt. Die Reise geht wie folgt: Paris, Schaffhausen, Wien, Budapest, Belgrad, Bukarest, Varna, Konstantinopel, Eski, Schehir, Konia, Eregli, Adana, Alexandrette, Aleppo, Homs, Beirut, Jaffa, Jerusalem, Gaza, El-Arisch, Port- Said, Heliopolis, Kairo und Alexandrien. Einem Gerücht zufolge hatte die ungarische Regierung den Flug zwischen Budapest und Belgrad untersagt, so daß auf der europäischen Strecke vielleicht Aenderungen notwendig werden, andererseits aber zeigt die französische Regierung großes Interesse an der Sache, und auf der Strecke Beirut—Port-Said soll sogar ein französischer Kreuzer den Flieger begleiten. Außerdem wohnten Vertreter des französischen auswärtigen Amtes dem Start bei, und die französischen Konsulate der berührten Levanteplätze haben für Benzinvorräte usw. Vorsorge getroffen. Zweifellos ist die Veranstaltung hiernach sehr dazu angetan, das französische Prestige zu steigern, besonders auch, weil die Reise ja Punkte berührt, wo die Franzosen soeben erst bedeutende wirtschaftliche Erfolge eingeheimst haben. m Korrespondenzen. 11 M ® - GlsaK-LnHirinaen. - Slraßburg. Wiederholt ist in der letzten Zeit in der antisemitischen Presse in Artikeln, welche der Erinnerung an die vor 100 Jahren geführten Kriege gewidmet waren, namentlich aber auch im Anschluß an die letzten Reichstagsdebatten über die neue Wehrvorlage höhnend hervorgehoben worden, daß die deutschen Juden bestrebt seien, sich vom Heeresdienst zu drücken, und daß sie kriegsuntüchtig seien. Insbesondere ist auch darauf hingewiesen worden, daß die Juden jedenfalls niemals freiwillig sich in den letzten Kriegen, insbesondere in den Kolonialkriegen, gemeldet hätten. Um nun insbesondere die Unwahrheit der letzteren Behauptungen dazutun, beabsichtigt der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens eine Zus a m m e n st e l l u n g aller derjenigen jüdischen Soldaten herbeizuführen, die sich freiwillig zu den Kolonialkriegen und ebenso zu dem C h i n a - F e l d z u g e gemeldet haben, mögen sie nun tatsächlich zur Verwendung im

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.