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Das jüdische Blatt · 1913-11-14 · 46 (14.11.1913) · p. Seite 9

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
46 (14.11.1913)
Date
1913-11-14
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 46. Das jüdische Matt. y .i ocbrc. fcs fe * (\:üO:rti. k [ ■'• :r ic:'* i:y! r:?::int Hl. v r ü: :ante .ciüt W is dazu noch ohne Grund und Veranlassung an den Haaren herbeigezogen waren. War doch Herr Rabbiner Levy als Gastgeber so liebenswürdig, obwohl er die Anschauungen des Referenten nicht teilte, zur Beisteuer des Schecke! aufzufordern. Es entspann sich eine lebhafte Diskussion, wobei Herr Dr. Debr6-Saarunion unter großem Beifall die Angriffe des Herrn Professors auf das religiöse Judentum sachlich aber scharf zurückwies. w Scherweiler. Unsere Synagoge hat von Herrn L. Marx aus Straßburg, der von hier gebürtig ist, eine schöne Schulchandecke zum Geschenk erhalten. Wir sprechen dem edlen Geber auch an dieser Stelle unseren besten Dank aus. Sulz u. W. Am Donnerstag voriger Woche wurde Frau Gerson Weil beerdigt. Bon ihrer Beliebtheit zeugte das große Trauergefolge, in dem sich auch Bürgermeister Loew befand. Ein Sohn der Verstorbenen ist Kantor in Falkenberg. * Sulz (Oberelsaß). Letzte Woche wurde in Paris der hier geborene Paul Wehl zu Grabe getragen. Als 13 jähriger Knabe verließ er seinen Heimatsort, um in Frankreich seine Studien zu machen. Schon frühzeitig erhielt er für seinen Fleiß vom Minister de l’insiruction publique die goldene Medaille. Er besuchte die Schule von Fontaineblau und die 6cole polytechnique und trat dann in den Militärdienst als Artillerie-Offizier. Während der Affäre Dreyfus gab er seine Demission als Hauptmann und nahm die Stelle eines Ingenieurs. Einige Zeit später erhielt er bei einer Bewerbung zum Kontrolleur des Ministeriums der Arbeit die Nr. 1 auf 150 Konkurrenten. Er hatte auch eine Gesellschaft zur Ausbildung zum Militär für die Jugend gebildet, und wurde als Instrukteur von seinen Schülern hoch geschätzt und sehr geliebt. Der Verstorbene war erst 45 Jahre alt. Märchen-Erzählungen im Kaufhaus Louvre. Straßburg i. Elf., hoher Steg. Auf vielseitiges Verlangen unserer verehrten Kunden, sowie auf das Drängen und der vielen Zuschriften der kleinen Jugend sieht sich die Direktion veranlaßt, die Märchen-Erzählungen in diesem Jahre zu wiederholen, und zwar finden dieselben ab Donnerstag, den 13. November, jeden Tag von % 4 Uhr bis 7 Uhr, in unserem Erfrischungsraume, 2. Etage, statt. Sie werden vorg-etragen von Frau Luzi Mayer, ehemaliges beliebtes Mitglied des Elfässischen Theaters. Erfahrungsgemäß ist der Andrang so groß, daß wir gezwungen sind, nur den Kindern in Begleitung Erwachsener Zutritt zu gewähren. Unsere Künstler- Kapelle sowie der vorzüglich eingerichtete Erfrischungsraum wird für weitere Unterhaltung der Kleinen sorgen. Bayern. Fürth. Die Vereinigung ehemaliger Schüler der Israelitischen Realschule Fürth veranstaltete am Abend des 5. November im Weißengartensaale einen „bunten Abend". Nach einem schwungvollen Eröffnungsgedicht, das den Zweck der Vereinigung, die Ziele der Israelitischen Realschule in treuer Anhänglichkeit zu fördern, in beredten Worten zum Ausdruck brachte, und mehreren ansprechenden Gesangsvorträgen, folgte die Aufführung des Lessingschen Lustspiels „Die Juden". Mit der Darbietung dieses wenig wenig bekannten Jugendwerks des 20 jährigen Lessing hat sich die Vereinigung ein literarhistorisches Verdienst erworben. Bevor sich der Vorhang hob, führte ein ebenso meisterhaft verfaßter wie vorgetragener Prolog die Bedeutung des Stückes, in dem das Ideal der allgemeinen Menschenliebe und Toleranz, das in Lessings „Nathan" seine ewiggültige Verkörperung finden sollte, schon klar und deutlich zum Ausdruck kommt, den Zuhörern vor Augen. Die Darstellung selbst, die besonders den Humor des Lustspiels wirksam zur Geltung brachte, fand den stürmischen Beifall des zahlreichen Publikums. In der der Aufführung folgenden Pause hielt der Vorsitzende des Kuratoriums der Israelitischen Realschule eine launige Ansprache, die in ein Hoch auf die Vereinigung der ehemaligen Schüler der Anstalt ausklang. Es folgten sodann eine recht anmutig vorgctrogene Lokalsatire und mehrere Gesangsvorträge. München. Wie bei allen andern Religionsgemeinschaften, so fanden auch in allen Synagogen Bayerns auf Anordnung der jeweiligen Rabbjnate feierliche Gottesdienste gelegentlich der Landeshuldigungsfeier für König Ludwig III. statt. Kaden. Bodersweier. Herr Julius B e n s i n g e r, der erst kürzlich an die Handelsschule nach Rastatt versetzt wurde, hat dieser Tage ein Ministerialdekret als Handelslehrer an die Oberrealschule nach Heidelberg erhalten. -ckarlsruhe i. 23. Ein Leben, reich an Mühen, aber auch an Erfolgen, hat seinen Abschluß gefunden. Herr David Ettl i n g e r, Seniorchef der bekannten Eisenfirma I. Ettlinger & Wormser, ist nicht mehr. Noch vor drei Wochen konnten wir berichten, daß er seinen 80. Geburtstag feierte. Mit ihm ist ein Stück Geschichte der Karlsruher Religionsgesellschaft dahingegangen. -c- Mannheim. Vergangene Woche hat sich hier ein Verein zur Erlernung der hebräischen Sprache gegründet, dem gleich viele aktive Mitglieder beigetreten und der in zwei Kursen, für Anfänger und Fortgeschrittene, seine Tätigkeit schon ausgenommen hat? Zwei tüchtige Lehrkräfte wurden dazu gewonnen. — Ein junger jüdischer Dichter, ein Mannheimer Kind, Stefan Wassermann, trat diese Woche erstmals vor die größere Oeffentlichkeit. Dem jüdischen Jugendverein gebührt das Verdienst, ihm dazu Gelegenheit gegeben zu haben. Die Rezitation seines Werkes „Die Gracchen" — der Dichter rezitierte einige Kapitel selber in ganz vorzüglicher Weise — bewies der zahlreichen Zuhörerschaft, daß man es mit einer emporstrebenden Persönlichkeit zu tun hat. Die einleitenden Worte und den verbindenden Text sprach Herr Dr. phil. Billigheimer. Der eben erwähnte jüdische Iugendbund hat jetzt auch eine Damenabteilung angegliedert, der bereits 160 Mädchen beigetreten sind, sowie neben Unterrichtskursen auch eine Turnriege ins Leben gerufen, der von seiten der Stadt ein städtisches Turnlokal bewilligt wurde. — Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit, im besonders dazu eingeladenen Kreise, hielt die Allgemeine Jüdische Kolonisations-Organisation auch hier eine Versammlung ab, in der Herr Dr. Isidor Ginsberg, der Vorsitzende der deutschen Alliance Israelit^, und Herr Dr. Alfred Nossig, der Vorsitzende des geschäftsführenden Ausschusses, sprachen und für die Allgemeine Israelitische Kolonisations- Organisation Mitglieder warben.. Prenhen. In der Volksschulfrage versendet der Vorstand des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche (Rektor Feiner, Vorsitzender) ein anschaulich zusammengestelltes Flugblatt, an dessen Schluß es' heißt: Die Forderung nach jüdischen Volksschulen wird ferner aus folgenden religiösen und pädagogischen Gründen gerechtfertigt: a) Die Feier der Sabbate und Festtage kann nur durch die jüd. Volksschule erzielt werden. b) Nur in der jüd. Volksschule ist eine Beziehung des Unterrichts auf das Leben — Stärkung des Selbstgefühls, Ausrüstung mit Wissen zum Zweck der Verteidigung des Judentums — möglich und durchführbar. <■) Die jüd. Volksschule ist in erster Linie geeignet, Charaktere zu bilden, die alle Angriffe auf das Vätererbe und auf die eigene Persönlichkeit abwehren und allen Versuchungen zum Abfall und zur Untreue Widerstand entgegensetzen.

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