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Das jüdische Blatt · 1913-11-14 · 46 (14.11.1913) · p. Seite 7

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
46 (14.11.1913)
Date
1913-11-14
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 46. Das jüdische Klatt 7 würden es gerne sehen, wenn wir das neue eroberte Gebiet mit Juden in größerer Zahl besiedeln könnten. Wir nehmen einen diesbezüglichen Antrag und nähere Vorschläge mit Freuden entgegen. Türkei. Wie wir vor einiger Zeit berichteten, hat der Direktor an der Polizeipräfektur in Konstantinopel Samuel Effendi Israel durch sein heldenmütiges Eingreifen die Festnahme der Mörder des Großweziers Mahmud ScheM ermöglicht. Er wurde dabei verwundet und lag fünf Monate lang krank. Nachdem er jetzt genesen ist, wurde er zum politischen Direktor des Departements der öffentlichen Sicherheit im ottomanischen Reiche ernannt. Samuel Effendi ist erst 35 Jahre alt. Palästina. Die Zöglinge der Talmudhochschulen in Palästina hätten als Theologiestudierende das gleiche Recht der Befreiung vom Militärdienste wie ihre muselmanischen Genossen genießen sollen. Jedoch infolge von häßlichen Treibereien konnte es geschehen, daß diese Schüler der Talmudhochschulen (Jeschiwaus) zum Militär eingezogen wurden. Nun ist es, wie wir erfahren, den Bemühungen des Oberrabbinats von Konstantinopel gelungen, die türkische, Regierung zu veranlassen, durch telegraphische Ordre die Militärbehörden in Palästina anzuweisen, daß die jüdischen Theologiestudenten vom Militärdienst zu befreien und daß die etwa bereits eingezogenen zu entlassen sind. Diese Nachricht ist sehr zu begrüßen, denn es war in Jerusalem kein geringer Schrecken, als am vergangenen Sukkaus 90 junge Männer, zumeist verheiratete Schüler der hiesigen Jeschiwaus, plötzlich eingezogen wurden. Ein Teil davon war geflüchtet. Wer von ihnen erwischt, wurde ergriffen und wie ein gemeiner Verbrecher eingekerkert; auch Väter der Flüchtlinge wurden verhaftet. Herzzerreißende Szenen spielten sich deshalb am Sukkaus in den Synagogen ab. Mutter, Frauen, Kinder rissen die Türen des Araun Hakaudefch auf und jammerten um Hilfe. Einen Teil der Schuld an diesem Unglück trugen die laue Vertretung dieser wichtigen Angelegenheit durch den Oberrabbiner der Türkei N a h u m und das selbstsüchtige Verhalten jüdischer Kreise in Jerusalem selbst, die den Behörden erklärten, nur das Rabbinerseminar des Deutschen Hilfsvereins und zwei sephardische Jeschiwaus, die aus Mangel an Hörern nur dem Namen nach existierten, seien theologische Hochschulen, die aschkenasischen Jeschiwaus jedoch hätten diesen Charakter nicht. Infolgedessen seien die zahlreichen Schüler der letzteren im Sinne des Gesetzes vom Militärdienste nicht frei. Daß diesem Unrecht nun durch die türkische Militärbehörde ein Ende gesetzt wird, ist für alle Beteiligten eine verständliche Genugtuung. Argentinien. Buenos-Aires. Ueber den plötzlichen Tod des Herrn R a b - b i n e r s Dr. H. A s ch k e n a s y s. A. in Buenos-Aires (Argentinien) werden jetzt einige genauere Angaben bekannt. Herr Dr. Afchkenasy befand sich auf einer Inspektionsreise durch die argentinischen Kolonien und beabsichtigte, die Festtage in Moiseville zuzubringen. In der Nacht vom 10. zum 11. Oktober (also der Colnidrenacht) wurde er im Schlafe vom Tode überrascht. Vormittags wurde er in der Synagoge erwartet und als er mittags dort noch nicht eingetroffen war, ging man in seine Wohnung. Da trotz mehrfachen Klopfens nicht geöffnet wurde, öffnete man die Türe gewaltsam und fand ihn scheinbar schlafend, aber in Wirklichkeit entseelt vor. Der schleunigst herbeigerufene Arzt der Kolonie konnte nur noch den Tod feststellen, der infolge eines Herzschlages gegen Mitternacht eingetreten war. Die tiefergriffenen Kolonisten und sonstigen Bewohner der Kolonie veranstalteten zu Ehren des Heimgegangenen eine ergreifende Trauerkundgebung. An seiner Bahre sprachen Herr M. Mellibovsky, der dortige Vertreter der Jca für diese Association, Herr M. Cociovich namens der Gesamtvertretung der Kolonie „La Mulua Agricola“, Herr M. Rinsky für die Lehrer der verschiedenen dortigen Schulen und schließlich Herr M. Fleischer im Aufträge der Vereinigung „Dorsche Zion". Der Sarg wurde unter Begleitung sämtlicher Einwohner zur Bahn gebracht, um nach Berlin befördert zu werden. Vermutlich am 20. November wird das Schiff mit dem Sarge in Hamburg eintreffen und wird dann die Beisetzung in Berlin am 23. November stattsinden. §p Korrespondenzen. |P - Glsaß-Lolkrinaen. - Straßburg. Am 4. d. M. hielt Herr Berthold F e i w e l in der hiesigen zionistischen Ortsgruppe einen öffentlichen Vortrag über den 11. K o n g r e ß. Es war ein zahlreiches Publikum erschienen, das den fesselnden Ausführungen des Referenten mit sichtlicher Spannung folgte. In plastischer Weise schilderte Herr Feiwel die Stimmung in und um den Kongreß und legte im Anschluß an die Darstellung über den bisherigen Entwicklungsgang der zionistischen Bewegung die Bedeutung des 11. Kongresses dar, den er als Schlußpunkt der Kämpfe um die Anerkennung der praktischen Palästinaarbeit und als den Anfangspunkt einer neuen Epoche der zionistischen Bewegung pries. Praktische Arbeit müßte in Zukunft geleistet werden. Die Kolonisatsow sei unter Dr. Ruppins Leitung in bestem Gange und die Kulturarbeit mit dem Hauptziel der Gründung einer jüdischen Universität in Jerusalem, sei eine Aufgabe, an der auch die abseitsstehenden Juden mitzuarbeiten hätten, zumal dies auch der einzige Weg fei, um den aus den europäischen Universitäten abgewiesenen russisch-jüdischen Studenten die Möglichkeit einer Weiterbildung zu geben. Colmar. Ich habe Ihnen kürzlich von dem Beschluß des Konsistoriums berichtet, den Rabbiner von Thann für das Rabbinat Mülhausen II zu ernennen. Es ist wohl seit langer Zeit im Konsistorium kein Beschluß gefaßt worden, der in der Oeffentlichkeit so viel besprochen und kritisiert wurde, wie dieser. An dieser Kritik ist mir bis jetzt aufgefallen, daß das Publikum, man kann sagen einstimmig Stellung nimmt gegen diese Entscheidung des Konsistoriums und daß dies fast überall in einer für das Konsistorium wenig schmeichelhaften Weise geschieht. Man fühlt nämlich allgemein heraus und spricht es offen aus, daß dieser Beschluß des Konsistoriums bloß den Rabbiner Bloch von Dörnach treffen soll, und daß ein sachlicher Grund zu diesem Beschluß überhaupt nicht vorliegt. Die Erregung gegen diesen Beschluß des Konsistoriums wird allerdings etwas gemäßigt durch die allgemein geteilte Ueberzeugung, daß die Regierung einen solchen unsachlichen Beschluß nie bestätigen wird. Dieser Beschluß des Konsistoriums hat alte Erinnerungen wieder wach gerufen, für die es schade gewesen wäre, wenn sie der Vergessenheit anheimgefallen wären. So erinnerte sich die ältere Generation eines Präzedenzfalles aus vergangenen Tagen, wo auch einmal ein gespanntes Verhältnis geherrscht hat zwischen einem Rabbiner des Oberelsaß, nämlich dem heute noch rühmlichst bekannten seligen Oberrabbiner Salomon Klein von Colmar und dem dortigen Konsistorium. Eines Tages machten die damaligen Herren im Konsistorium zu Colmar kurzen Prozeß und beschlossen, den Oberrabbiner Klein abzusetzen oder zu versetzen. Dieser Beschluß rief aber eine harte Opposition der Bevölkerung hervor. In Mülhausen beschloß man,

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