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Das jüdische Blatt · 1913-11-07 · 45 (7.11.1913) · p. Seite 8

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
45 (7.11.1913)
Date
1913-11-07
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Das jüdische Klatt Nr. 45. meindemitgliedern die geschichtliche Entwicklung der hiesigen israelitischen Gemeinde vorzuführen. Es geschah dies während der Pause des „Hauschanoh-Rabbo-Lernens". An der Hand der aus den städtischen und Kehilloh-Archiven zusammengestellten Dokumente zeigte der Vortragende, wie aus den kleinen Ansängen innerhalb dieses halben Jahrhunderts ein blühendes Gemeinwesen entstanden ist: der ersten jüdischen Familie folgten bald andere, so daß schon im Jahre 1866 sich eine jüdische Gemeinde konstituieren konnte, die auf Wunsch ihrer Mitglieder und des lietr. Rabbiners (Seligmann Weil) dem Rabbinat D a m - b a ch angeschlossen wurde. Im Jahre 1868 wurde als erster Kantor Herr M o i s e Wolfs angestellt. Der Gottesdienst wurde zumeist in einem von einem Mitglied zur Verfügung gestellten Saale abgehalten. Im Jahre 1878 wurden Synagoge und Mikweh errichtet; zum Bau hatte die Stadtgemeinde 8000 di (in 10 Jahresraten zahlbar) bewilligt. Da aber Bauplatz und Bau auf ca. 40 600 dt sich beliefen und zudem anfangs der 80 er Jahre mehrere zahlungskräftige Gemeindeglieder wegzogen, hatte man in der Tilgung der eingegangenen Schuld eine schwierige Ausgabe zu lösen. Durch weise Sparsamkeit und geordnete Finanzverwaltung des Vorstandes einerseits, sowie durch den guten Willen und das friedliche Uebereinkommen der Gemeinde andererseits wurde dieselbe in etwa 25 Jahren gelöscht, so daß man sich dem weiteren Ausbau der Gemeinde-Institutionen zuwenden konnte. So wurde im Jahre 1908 die Synagoge einer vollständigen Restaurierung unterzogen und 1912 der Gemeindesaal für Versammlungs- und Unterrichtszwecke auf dem Synagogenhof errichtet. Inzwischen war Barr (wo schon früher der Rabbiner vorübergehend gewohnt hatte), bei der Neueinteilung der Rabbinate im Jahre 1910 dank den Bemühungen seines Gemeindevorstands als Rabbinatssitz gegründet worden. Die Gemeinde zählt heute über 40 jüdische Familien. — Für diese interessanten Ausführungen wurde dem Herrn Präsidenten allgemeiner Beifall gezollt. Colmar. Die Wahlen der Verwaltungskommission der israelitischen Gemeinden des Ober-Elsaß wurden vom Konsistorium des Ober-Elsaß auf den 7. Dezember festgesetzt; die Nachwahl findet Sonntag, 14. Dezember, statt. Dieuze. Obschon die hiesige Kantorstelle nicht ausgeschrieben wurde, haben sich doch etwa acht Kandidaten gemeldet. Es wurden bereits gehört Weil-Barr, Dreifus-Barleduc; am nächsten Samstag soll Levy-Chnteau-Salins und am Sonntag noch einige Probevorträge gehalten werden, worauf zur Abstimmung geschritten wird. Man will die Sache zu Ende bringen, da die Gemeinde sehr notwendig einen Chasen braucht. Finstingen. Unser Kantor hat uns verlassen, um die Kantorstelle in Erstein zu übernehmen. Hoffentlich wird sein Nachfolger, der aus Norddeutschland kommt, uns unseren allgemein beliebten Beamten gut ersetzen. Iorbach. Rekrutenvereidigung. Unser diesjähriger Simchas-Thora-Gottesdienst wurde durch die religiöse Rekrutenvereidigung verherrlicht. Zwar sollte letztere erst Mittwoch, den 29. Oktober stattfinden, aber auf Wunsch unseres Herrn Kauffmann hat das Garnison-Kommando die Zeremonie am Tage der Gesetzesfreude anberaumt. Die Mannschaften erschienen in Begleitung eines Oberleutnants. Die kernige, sinnreiche Predigt unseres Kultusbeamten ging jedem Zuhörer, insbesondere den Soldaten, tief zu Herzen. Er wies darauf hin, daß die irdische Regierung ein Abglanz der himmlischen sei, und man daher als Soldat verpflichtet ist, dem Vaterland und Landessürsten, ebenso wie Gott, Gut und Blut zu opfern. Ein feierlicher Segen bildete den Schluß. Der Herr Oberleutnant fand so viel Interesse an dem herrlichen Gottesdienste, daß er volle drei Stunden bis zum Schluffe im Gotteshause verweilte. Frelsdorf. Reiche Saat hält der Todesengel in unserer Gemeinde. An den Sukkosfeiertagen verstarb im jugendlichen Alter von 18 Jahren der Sohn der Familie Hannaux nach kurzer Krankheit; ein großes Trauergefolge gab dem hoffnungsvollen Jüngling, der bei allen Freunden und Bekannten beliebt war, das letzte Geleite. — Einige Tage später wurde ein Verwandter des Verstorbenen, Herr Hannaux, zur letzten Ruhe gebracht. Eine Witwe mit drei Töchtern und unsere Gemeinde beklagen den Verlust eines treuen, frommen Gemeindemitgliedes und liebevollen Vaters. Hoffentlich bleibt unsere Gemeinde, die noch vor mehreren Monaten das so schön verlaufene Fest des Sefermahls feierte, von weiteren Schicksalsschlägen verschont. Gebweiler. Der Vorsteher unserer Gemeinde, Herr Raphael Dreyfus, und das Mitglied unserer Verwaltung, Herr Moise Kaufmann, sind die einzigen Ueberlebenden unserer Gemeinde, die den siebziger Krieg mitgemacht haben. Beide Herren sind unlängst mit der Kriegsmedaille von der französischen Regierung ausgezeichnet worden. Hagenau. Die Firma Arthur M o ch ist schwer heimgesucht worden durch den unerwarteten Tod ihres Hauptleiters in Belgien, Herr Adolphe Bloch, Schwager des seligen Herrn A. M o ch. Nach einem kurzen Krankenlager starb er gestern in Brüssel, wo er wohnte, im Alter von 62 Jahren. Seit dem Jahre 1871 war der Verstorbene ein tätiger Mitarbeiter der Firma und ihm hat sie einen großen Teil ihrer Erfolge in den belgischen Brauereien zu verdanken. In den großindustriellen Kreisen, besonders aber in den Großbrauer-Kreisen nahm er eine hervorragende Stellung ein. X. W. Saarburg. Der Sohn unseres Gemeindemitgliedes Herr Oskar W o l f f hat vom 1. Oktober das Notariat in Saarburg erhalten: nachdem er bereits ein Jahr als Notar in Westhofen tätig gewesen. Saarburg. Der am Anfang des Jahres gegründete Verein Bar Kochba hat mit seiner ersten Simchas-Thorafeier sehr gut abgeschnitten. Ein schönes Fest vereinigte die Mitglieder und Familien, und wird hoffentlich neue Freunde dem Verein gewinnen. Herr Wolarski hielt eine de.r Bedeutung des Tages entsprechende Rede und unser Vorsitzender K. Jakob begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste. Hoffentlich wird der Winter dazu benutzt werden, um unter den Mitgliedern interessante jüdische Fragen zu diskutieren und durch auswärtige Redner Vorträge über jüdische Geschichte, Literatur und aktuelle Fragen halten zu lassen. Saargemünd. Am Dienstag den 28. Oktober fand hier im Caf6 Niklaus eine Plenarversammlung des Saargemünder Viehhändlervereins statt. Der erste und wichtigste Punkt der Tagesordnung war die Wahl eines neuen Präsidenten, da der frühere Präsident, Herr Georg Levy, sich in den Ruhestand begeben und nach Metz verzogen ist. Es wurde mit großer Mehrheit Herr Julien Oppenheimer- Frauenberg zum 1. Vorsitzenden gewählt. Nachdem noch verschiedene, den Viehhandel betreffende Punkte, wie Beseitigung der Ursprungscheine u. a. besprochen waren, versprach der neue Präsident, dem Verein seine ganze Kraft zu widmen zum Wähle des Ganzen. Saarunion. Unsere Kantorstelle war mehrere Wochen verwaist, bis der neue Kantor am 1. November seine Stelle antrat. In anerkennenswerter Weise versah inzwischen unser vor ca. 20 Jahren ausgetretener Kantor, Herr Bankverwalter L ö b, den Dienst und zwar mit einer Frische und Präzision, um die ihn mancher Kantor beneidet hätte. Nebst unserem innigsten Danke, den wir Herrn Löb an dieser Stelle aussprechen, drücken wir auch gleichzeitig den Wunsch aus, daß sein Interesse sowie seine Rüstigkeit auch fernerhin standhalten möge.

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