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Das jüdische Blatt · 1913-10-31 · 44 (31.10.1913) · p. Seite 5

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
44 (31.10.1913)
Date
1913-10-31
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 44 Das jüdische Statt. 5 4t, > *vc->c£- ■-■. -».. - > ' - •*-: v~. ■ * IbU*^ **!* - ■ V-'-^Wär.. ■ \ —— iitat sü ri:-ir -»> werden aber Autonoms Dokumente abgewiesen, da sie nicht zu der Sache gehören. Schneersohn wird vorgerufen. Schmakow hält ihn für einen „Z a d d i k". Es stellt sich heraus, er ist kein „Zaddik", sondern ein gedienter Soldat, ein Heuhändler. Der „Zaddik" kann nicht einmal hebräisch, der Zaddik hat noch nie einen Schulchan Aruch gesehen. Schmakow wird bös und nervös. Die Zaddikim-Legende wird auch zerstört. Interessant ist die Gegenüberstellung von Dobuschanski mit Golubew. In einer Gesellschaft von Studenten, sagt Dobuschanski, beschuldigte Golubew die Juden des Mordes; mein Freund aber rief aus: Was? Juden? Ich weih, die Leiche Justinskys lag drei Tage bei Tschebriakowa unter dem Sopha. Mein Freund heißt Autonom. Dann werden Beilis Brief und der Brief seiner Frau vorgelesen. Beilis hat durch den Verbrecher Kasatfchenko, seinem Zellengenossen, einen Brief an seine Frau mitgegeben. Kasatschenko handelte natürlich im Auftrag der Gesangencnoerwaltung. Achter Verhandlungskag. Ein großer Tag — sollte es sein. Die Familie Tschebriak erscheint. Der Saal ist voll. Auf dem Podium hinter dem Gericht stehen dichtgedrängt eine große Anzahl Richter. Alles ist gespannt. Aber der Tag bringt trotzdem nichts Besonderes. Zunächst wird der Polizeispitzel P o l i st s ch u k vernommen. Er ist die rechte Hand des Staatsanwalts. Die dürftige Anklage ist sein Werk. Er meint, Beilis und Schneersohn sind gemeinsam die Mörder. Tatsachen zum Beweise hat er nicht. Er stützt sich auf Angaben von Personen, die längst abgeleugnet haben, was sie früher sagten. Mitschuk und Krassowski, die abgesetzten Chefs der Kiewer Geheimpolizei, sagt er, sind von den Juden gekauft. Krassowski hat auch Tschebriakowas Kinder vergiftet, sagt er. Die Verteidiger nehmen ihn ins Kreuzverhör. Dabei muß er seine Meinung ändern und sagen, es ist möglich, daß Beilis und die Tschebriakowa die Mörder sind, weil Beilis mit ihr intime Beziehungen gehabt habe. Er muß auch erklären, daß Chenia Tschebriak vor seinem Tode bekennen wollte, aber die Mutter Wera hat ihm den Mund zugehalten. Danach sagt sie zu ihm: Sage, Kind, daß die Mama nicht schuldig ist. Chenia aber antwortete: Laß mich in Ruh. Auch muß Polistschuk eingestehen, daß zu Wera Tschebriakowa verdächtige Personen zu kommen pflegten. Durch verschiedene Fragen bringt Maklakow ihn zu dem Eingeständnis, daß er eine „konspirative Stellung" (Polizeispitzel) einnimmt. Ludmila Tschebriakowa, die einzige Zeugin gegen Beilis, die dem Staatsanwalt noch geblieben ist. Sie ist gut abgerichtet, sie sagt ihre Aussage her wie eine auswendig gelernte Lektion. Dunia Nakonetschni wird ihr gegenübergestellt. Sie hat nämlich erklärt, beim letzten Spiel mit Justinsky ist Dunia dabei gewesen. „Besinne dich z u e r st, sagt Dunia zu ihr, dann lüg e." Sie antwortet nicht, sie weint, sie hat Furcht. Ich bitte das zu beachten, sagt der Staatsanwalt. Sie erzählt weiter. Polistschuk hat zu ihr gesagt: sage nicht gegen Beilis aus. Das ist unverständlich, denn Polistschuk ist natürlich gegen Beilis. Der Vorsitzende ersucht sie, sie solle unter den Versammelten Polistschuk zeigen. Sie zeigt ihn richtig und weint und sagt, sie fürchtet sich vor Polistschuk. Jetzt richtet sich Sarudni zu den Geschworenen und sagt: Jetzt bitte ich Sie, dies zu beachten. Die Abendsitzung bringt die be r ü h m t e Wera Tschebriak. Sie ist in Schwarz gekleidet, trägt eine knallgelbe Feder auf dem Hut. Wieviele Männer hat diese Verbrecherin beherrscht! Der Schuster und „Advokat" Nakonetschni hatte für sie ein faibk*, selbst Beilis soll Beziehungen zu ihr gehabt haben, mehr als einem Polizeiagenten hat sie den Kopf verdreht. Sie erzählt ruhig, was sie sagt, als ob sie nur Zeugin und nicht die Hauptperson der Tat wäre. Sie bestreitet die Angaben der Malitzka, die unter ihr wohnt, sie bestreitet, daß sie mit gestohlenen Sachen handelt. „Das sind alles Lügen", sagt sie. Mit Beilis ist sie nicht bekannt, nur pflegte sie ihre Kinder zu Beilis zu schicken, um Milch zu holen. (Das ist sehr wichtig, denn es wird sich Herausstellen, daß in der Zeit des Mordes Beilis keine Kühe mehr hatte.) Chenia hat ihr erzählt, bei Beilis sind zwei schwarz gekleidete Juden gewesen, er hat gesehen, wie Schneersohn die Kinder geschleppt hat; sie erzählt weiter, wie sie auf Brasuls Rechnung nach Charkow fuhr, Brasul habe ihr gesagt, mit Geld kann man alles machen usw. usw. Aber sie verliert ihre Verfassung, wenn die Verteidiger sie mit Fragen überschütten. Grusenberg stellt fest, daß man sie dreimal einer Untersuchung unterworfen hat und sie hat nicht ein einziges Mal etwas davon gesagt, daß man die Kinder verfolgte. Damit hat sie erst begonnen, als Brasul es aussprach, daß sie Anteil an dem Morde habe. — Außer ihr wird noch ihr Mann Wassili Tschebriak befragt. Seine auswendig gelernte Lektion war von den Verteidigern leicht zu zerstören. Die Rabbiner, die Justinsky geschleppt haben, verwandelten sich bald in einfache Juden. Seine mühsam hergesagten Aussagen werden zerpflückt. Er ist außer Fassung, furchtsam, weiß nicht, was sagen, er widerspricht dem, was Wera kurz vorher gesagt hat. Wera hat schlecht mit ihm einstudiert. Neunter Verhandlungstag. Im Anfang der Sitzung beschäftigt man sich mit der Untersuchung des Mistschuks, des früheren Chefs der Geheimpolizei. Er wurde wegen Amtsverletzung von dem Gericht in Kiew freigesprochen, von dem in Charkow zu VA Jahren Gefängnis verurteilt. Diese Sache hat keine Beziehung zu Beilis, die Ankläger bemühen sich vergeblich, eine solche nachzuweisen. Das Charkower Urteil wird auf Antrag des Staatsanwalts verlesen, der Antrag der Verteidiger, auch das freifprechende Urteil von Kiew zu verlesen, wird abgelehnt. Wassili Tschebriak, der Mann der famosen Wera, wird nochmals vernommen. Er verwickelt sich in lauter Widersprüche. Es wird von den Verteidigern bewiesen, daß er an dem Tage, an dem angeblich Chenia zu ihm zu laufen gekommen sei, um ihm zu berichten, Justinsky sei von dem „M a n n mit dem schwarzen Bart" ergriffen worden, als Telegraphenbeamte den ganzen Tag amtlich beschäftigt gewesen sei. Er weiß sich nicht zu helfen und antwortet zögernd und unsicher. Samislowski will ihm durch geschickte Fragen die Antwort auf die Zunge legen, doch er versteht nichts und der Präsident sagt schließlich zu Samislowski: Ich bitte Sie, dem Zeugen nichts vorzusagen. Der G e i st l i ch e S e n k e w i t s ch, früher Redakteur des antisemitischen „Doppeladlers", hat die Beichte und Oelung Chenias vorgenommen. Danach rief Chenia: Vater! Der Geistliche Senkewitsch fragt, was er will, erhält aber keine Antwort. Er hat den Eindruck, der sterbende Knabe hat etwas zu sagen gehabt und hat den Mut dazu nicht gesunden. (Der Knabe hat das Geheimnis des Mordes mit sich in die Gruft genommen. Hätte er gesprochen, gäbe cs keinen angeklagten Beilis und keine Ritnalmordanklage.) Endlich bekommen die Verteidiger aus dem Geistlichen heraus, daß in der Sterbestunde Chenias Wera Tschebriakowa hinter Senkewitsch stand, die das Wort im sterbenden Kindesmunde erstickte. Ihm habe die Tschebriakowa an jenem Tage gesagt, man beschuldige die Juden umsonst. - Die Arbeiter in Saizews Ziegelei bestätigen, daß Beilis keine Kuh mehr hatte, damit fallen die Angaben der Tschebriakowa, sie habe die Kinder dorthin nach Milch geschickt.

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