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Das jüdische Blatt · 1913-10-15 · 42/43 (15.10.1913) · p. Seite 6

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
42/43 (15.10.1913)
Date
1913-10-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Sei barmherzig und schone den Rest deines Volkes Israel, der wegen deiner Lehre, deines heiligen Wortes dulden muß, entferne von ihnen jeden Haß und jeden Neid, alle Anklagen und Verleumdungen. Wer weiß besser als du, Gott der Wahrheit, der du in das Herz schaust, blickst und dringest bis ans Ende der Zeiten, du weißt es, du kannst es bezeugen, daß unsere Hände das Blut nicht vergossen haben, dessen sie uns wie schon oft fälschlich bezichtigen und daß unsere Augen nie in allen Büchern deiner heiligen Lehre die geringste Spur von der Verwendbarkeit von Menschenblut zu irgend einem Zweck gesehen haben. In deiner großen Barmherzigkeit entferne doch von uns diese Plage des Blutmärchens und diese lügnerische Verleumdung der niederträchtigen Ritualmordanklage, die sie gegen uns erfunden haben und erfinden und gegen deine heilige Lehre, deren Wege Wege der Lieblichkeit sind und auf deren Pfaden allen der Friede ist. Und da in Kiew der Prozeß deines Volkes Israel verhandelt wird in dem Verfahren gegen Mendel Beilis, der inmitten dieser lügnerischen Anklage rein ist von Verbrechen, Schuld und Bosheit, laß doch unser Gebet zu dir dringen in deinen Himmelshöhen und erfülle an uns was geschrieben steht: Gott steht in der Gemeinde Gottes, mitten unter den Richtern richtet er. Sei doch mit dem Munde der Verteidiger deines Volkes und deiner Lehre, lehre sie, was sie sprechen, unterweise sie, was sie reden sollen, um die reine Wahrheit an das Licht zu bringen. Wirf deine Schrecken auf alle Frechen und Falschen, damit der Mund aller Verleumder verschlossen wird, und spende dein Licht und deine Wahrheit allen, die in diesem Prozeß auf den Stühlen des Gerichts sitzen, daß sie geradeaus sehen, die Wahrheit von der Lüge unterscheiden und erkennen, und das wahre und gerechte Urteil sprechen, wie es dein Wille ist, du großer, erhabener Gott, König des Rechts. Wenn auch nicht um unseretwillen, so tue es um deinetwillen und um deiner heiligen Lehre willen, damit alle Bewohner der Welt und alle Bürger der Erde wissen, daß du der Gott der Wahrheit bist, und daß deine Lehre wahr, gerecht und gerade ist, ein ewiges Leben, das du in unsere Mitte gepflanzt hast, damit wir die Welt erleuchten, und tue es um deines heiligen Namens willen, wie du es unseren Vätern geschworen hast. D eile zu unserer Hilfe, Gott, du unsere Rettung! Die Erklärung der französischen Rabbiner. 1'aris, 10 octobre. Au momont oü s’ouvre en Russio un piocös (1g piotGiidu meurtre rituGl, qui reprodnit 1 accusation poitoe d6jä par Igs paTens conti'G Igs premiers chretiens et dont des milliers de juifs ont etc victimes au moyen äge nous avons le devoir. de protester de la fayon la plus bnergique contre une logende jugee sans aucun fondement par les sonnnites des diflerentes Eglises, par les savants et les hommes les plus considerables de tous les pays. Nous n’estimons pas de la dignite du judaisme de le defendre contre une accusation que dementent les prescriptions les plus formelles de notre religion, nos traditions, nos Sentiments et tonte FHistoire; mais nous devons denoncer devant le monde civilise et stigmatiser cetle tentative de ressusciter une calomnie mille fois confondue, qui est une insulte grossicre a la vdritc et contrairo a une religion ([ui, la premicre, a proclamc 1 inviolabilite de la personne lnimaine et dote le monde du precepte saint de l’amour du prochain. Pour le rabbinat franyais: Le grand-rabbin de France. A. Levy. In dem Augenblicke, wo in Rußland ein Prozeß über angeblichen Ritualmord eröffnet wird, der die alte, schon von den Heiden gegen die ersten Christen erhobene Anklage wieder aufbringt, der Tausende von Juden während des Mittelalters zum Opfer gefallen sind, haben wir die Pflicht, mit der größten Energie gegen eine Mär zu protestieren, die von den geistlichen Fürsten der verschiedenen Kirchen, von den Gelehrten, von bedeutendsten Männern aller Länder für grundlos befunden worden ist. Wir halten es für unter der Würde des Judentums, dieses gegen eine Anklage zu verteidigen, deren Haltlosigkeit bewiesen wird durch die bündigen Vorschriften unserer Religion, unsere Überlieferungen, unsere Gefühle und unsere ganze Geschichte. Aber wir haben die Pflicht, vor der gesitteten Welt diesen Versuch zu denunzieren und zu brandmarken, eine schon tausendmal zuschanden gewordene Verleumdung wieder aufleben zu lassen, die eine ungeheuerliche Verhöhnung der Wahrheit und einer Religion zuwider ist, die zuerst die Unverletzlichkeit der menschlichen Persönlichkeit verkündet und der Welt das heilige Gebot der Nächstenliebe geschenkt hat. Für das französische Rabbinat Der Oberrabbiner von Frankreich: A. L 6 v y. Rachworl. Ein Wort über die Anklageschrift. Man brauchte 2 Stunden, um sie vorzulesen. Aber neun Zehntel davon handeln von ganz anderen Dingen als von Beilis. Neun Zehntel davon werden ausgefüllt von dem Bericht über die Untersuchung des Journalisten Brasul, über die Untersuchung des Untersuchungsrichters Mutfchuk, der abgesetzt wurde, weil er auf Grund seiner Nachforschungen den Ritualmord glatt ablehnte, die Untersuchung des Polizei-Detektivs Krassowski, dem der Prozeß gemacht wurde, weil er nachwies, daß Iustinsky von einer Verbrecherbande ermordet wurde, in deren Mitte die Tschebriakowa sich befand. Und die Resultate dieser Untersuchungen werden mit einigen stammelnden Worten abgetan. Dann wird die Meinung des'famosen Professors Sikorski und des Mönchs Pranaitis breit geschildert, daß die „Rache der Söhne Jakobs" Blut zu rituellen Zwecken verlangt. Dann heißt es wörtlich weiter: Auf Grund des Obenge-

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