Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 41 (10.10.1913)
- Date
- 1913-10-10
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 41. Das jüdische Matt 9 lief) während der Rosch-Haschonoh-Tage zwei Personen in unserer Gemeinde starben, Frau Bernheim und Herr Ginsburger. Der Tod des fetztern war doppelt unerwartet, da er frisch und munter noch am Eres Jomtef seinen Geschäften nachging. Da unsere Gemeinde von jeher einig und friedlich ist, und alle Familien auf bestem Fuß miteinander stehen, so war die Trauer eiue allgemeine. Bayern. Der Altmühl-Bote (Gunzenhausener Anzeigeblatt) bringt folgenden Bericht, der den antisemitischen Tierschützlern vielleicht zu denken gibt: TNeinheim. Beim Schlachten der üblichen drei großen, fetten Ochsen für die Kirchweih erging es einem sonst so schneidigen und kaltblütigen Metzgerlein, der täglich zwar im Wirtshause seine großen Sprüche machte, daß er auf einen Schlag einen Riesenochsen zu Fall bringe, recht schlecht. Am Donnerstag, 25. Sept., früh um 4 Uhr, sollte bereits für den ersten Ochsen das Todesurteil vollzogen werden und er wurde an die Richtstätte geführt, wo sich bereits der Metzger mit seinem Stab versammelt hatte. Der Meister holte zu eiuem wuchtigen Schlag aus; auf den ersten Schlag — flog ein Horn davon, der zweite machte den Ochsen so nervös, daß er durchbrannte. Bald darauf wurde das Tier, nachdem es sich in dem glücklicherweise geschlossenen Hose eine Zeitlang herumgetummelt hatte, wieder eiugefangen und in seine alte Stellung zurückgebracht. Es waren nun 15 wuchtige Hiebe notwendig, bis der Ochse zusammenbrach. Solche große Tiere sind eben zu widerstaudsfähig für solch kleine Metzger. Prentzen. Bingen a. Rh. Infolge der Reformbewegungen (nur alle drei Jahre die Sefer Thora auszuleienen usw.) in der hiesigen Synagogengemeinde hat eines der angesehensten Mitglieder seinen Austritt erklärt und ist der orthodoxen Religionsgesellschaft bei^ getreten. Weitere Austritte stehen bevor. — c — Ems. Israelitisches Zentral-Waisen- und Mädchenheim. Das 16. Berichtsjahr, das Jahr 1912/13, hat bei dem israelitischen Zentral-Waisen- und Mädchenheim in Bad Ems einen ruhigen ungestörten Verlauf genommen. Die Zahl der Zöglinge während des Berichtjahres war durchschnittlich 30. Die durch Entlassung sreigewordenen Plätze wurden jedesmal baldigst wieder besetzt. In das neue, mit dem 1. April 1913 beginnende Jahr kamen 26 Zöglinge hinüber, inzwischen ist jedoch die Zahl wieder auf 31 ergänzt. Von diesen 26 Zöglingen waren aus der Provinz Brandenburg 2, Pommern 3, Rheinprovinz 1, Hessen-Nassau 7, Hannover 1, Königreich Bayern 4, Baden 1, Großherzogtum Hessen 2, Hamburg 1, Rußland 2, Oesterreich 2. 1 Zögling hat noch seine Eltern, 1 nur den Vater, 17 haben nur die Mutter, und 7 sind Vollwaisen. Den Volksschulunterricht erhalten die Zöglinge in der städtischen Volksschule, uur 1 Mädchen besucht die hiesige höhere Mädchenschule. Der Religionsunterricht wird im Hause erteilt, ebenso Handarbeits¬ und Nähunterricht. Die Bestrebungen der Anstalt gehen dahin, den ihr anvertrauten Mädchen eine gründliche Volksfchulbildung sowie Ausbildung in Haus-, Küchen- und Handarbeit zu gewähren, ihnen die elterliche Fürsorge zu ersetzen, sie zu religiösen Jüdinnen und sittlichen Menschen heranzubilden und für das praktische Leben zu ertüchtigen. Die Anstalt nimmt arme, verlassene Mädchen aus allen Teilen der Diaspora auf, vom Lande und aus der Stadt. Sie öffnet ihre Pforten auch denen, die von anderen Waisenhäusern satzungsgemäh zurückgewiesen werden; denn sie will überall da rettend eingreifen, wo Not und Gefahr sich zeigen. Worms a. Rh. Der Vorstand der hiesigen Frachtbörse hat auf Anregung des Herrn Moses Jsaac, i. Fa. M. & K. Jsaae in Wallertheim, beschlossen, mit Rücksicht auf die israelitischen Feiertage den Fruchtmarkt statt Freitags jeweils Mittwochs während des Monats Oktober abzuhalten. — c — Belgien. Antwerpen. Am 'jy fanden an der hiesigen isr. Realschule die öffentlichen Prüfungen statt. Eine große Anzahl von Gästen hatten sich eingefunden und war von den glänzenden Resultaten der Prüfung sehr überrascht. Die Schüler beherrschten den Stoff vollkommen, und beantworteten mit Sicherheit und Geistesschärfe alle ihnen von den zahlreich anwesenden vorgelegten Fragen. Hatte die Schule durch diese Prüfung gezeigt, daß sie auf talmudischem Gebiete Hervorragendes leistet, so bewiesen die Aufnahmeprüfungen, die die Schüler der letzten Klasse am königl. belgischen Staatsgymnasium und an der deutschen Oberrealschule ablegten, daß auch der Unterricht in den profanen Schulfächern mit dem der staatlichen Schule gleichen Schritt hält. Sämtliche Schüler bestanden an den staatlichen Gymnasien die Aufnahmeprüfung glänzend, an der deutschen Oberrealschule konnten sie sogar eine Klasse überspringen, ein Resultat das in den Kreisen, die an der Schule Interesse haben, eine freudige Ueberraschung hervorrief und in den jüdischen Kreisen, die der Schule bis jetzt fern gestanden haben, die Ueberzeugung beibringen wird, daß die isr. Realschule zu Antwerpen auf der Höhe ihrer Aufgabe steht und das Problem -p-] ny glärtjenb zu lösen im Stande ist. Diese Resultate konnte die Schule nur dadurch erreichen, weil sie auf die Auswahl ihrer Lehrkräfte ganz besondere Sorgfalt verwendet. Trotz ansehnlichen Leistungen hat jedoch die Verwaltungskommission, an deren Spitze Herr S a l y Wolfs steht, mit großen finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Kleine Nachrichten. Der Oberrrabbiner von Jerusalem, Rabbi Mose Franco, hat seine Demission gegeben. In den letzten Jahren hat kein Oberrabbiner von Jerusalem viel länger als ein Jahr ausgehalten. Auf dem Spanischen Kongreß der Handelsgeographie sollen Beratungen darüber gepflogen werden, wie die spanisch redenden Juden in der Türkei für die Interessen des spanischen Handels gewonnen werden können. Der russische Premier, Kokowzeff, wird in kurzem eine Reise nach Frankreich und England antreten. Der bekannte französische Philosoph B e r g s o n, Vizepräsident der Akademie der Wissenschaften, der Moral und der Politik, hat seine Kandidatur für den vakanten Sitz Emile Oliviers in der Academie Fran^-aise gestellt. Er soll große Aussichten haben, ohne Gegenkandidatur gewählt zu werden. In Elberfeld ist unter großer Beteiligung der Behörden und der christlichen Geistlichkeit ein neues Altersheim eingeweiht worden. 11 Iamiliennachrichten. §| tm (Mitteilungen für diese Rubrik werden kostenlos ausgenommen.) Geborene: Denise, T v. Henri Ebstein u. Leonce, geb. Bloch, Barr. — Toni, T. v. Albert Hammel u. Elisabeth Cohen, Straßburg. — Tochter, Dr. M. Ascher-Erlanger, Luzern. — Sohn, S. Levin-Moos, St.