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Das jüdische Blatt · 1913-10-10 · 41 (10.10.1913) · p. Seite 5

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
41 (10.10.1913)
Date
1913-10-10
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 41. Das jüdische Matt 5 Männer die Menschlichkeit das gewichtige Wort reden lassen, daß ein Ende damit gemacht werden muß, Millionen einzusetzen, um eine Regierung zu unterstützen, die den Gipfel der Unmenschlichkeit erklommen hat. Die Feinde des Beilis bezeichnen sich selbst als „echte Russen"". Unglücklich das Land, dessen Söhne in einer derartigen Schule sich bewahren müssen, um ihre rechtmäßige Abstammung zu erweisen. Aber warum schweigt die Ebristenheit? Sollen wir die Worte Burkes bestätigen: „Das Reich der Menschlichkeit ist vorbei. Das der Heuchler, der Rechner, der Handelsleute ist gekommen und der Ruhm der wahren Religion ist ausgelöscht für immer." Ihr usw. B. S a l o m o n. * * * Auf 6. Oktober ist eine Protestversammlung anberaumt, die in einem bei der „Oesterreichischen Wochenschrift" von Rabbiner Dr. Ziegler veröffentlichten Artikel „Wir Materialisten" mit folgenden Schlußworten angekündigt wird: Am 6. Oktober wird in Wien die große Protestversammlung stattfinden gegen die.Verlogenheit und Ungerechtigkeit des Ritualmordprozesses in Kiew. Wir wollen an diesem Tage unserer Entrüstung Ausdruck geben über dies Verbrechen an der Menschheitskultur. Aber auch die Hoffnung wollen wir aussprechen, daß die europäischen Völker doch einmal aushören werden, dem Volke, das ihnen die Religion gegeben hat, das begeistert teilnimmt an allen Kulturbestrebungen, das hingebungsvoll und opferwillig der Menschheit dient, den Dank dafür in Haß und Verleumdung abzustatten. So hoffen wir, daß der 6. Oktober nicht nur ein Tag des Protestes der österreichischen Judenheil sein wird zugunsten ihrer Glaubensbrüder in Rußland, sondern auch ein Tag erneuter Sammlung im Dienste des Idealismus. Wir wollen an diesem Tage unsere Solidarität dokumentieren, für die Ehre unserer Religion eintreten; es gilt, an diesem Tage Europa zu sagen - - was nicht oft genug gesagt werden kann —, daß sechs Millionen Menschen dem niedrigsten Demagogentum zum Opfer hingeworfen werden. Am 6. Oktober wollen wir Materialisten die Fahne des Idealismus entrollen. -- Jrief vom Lande. Lxxrx. „Wenn Sie etwa meinen, Sie könnten in Ihrer süßsäuerlichen Miene als biederer Landmann uns Moral predigen, so sind Sie auf dem Holzwege. Lassen Sie das gefälligst bleiben usw. usw." So wörtlich zu lesen in einem Roschhaschonohbrief, den ich zu bekommen die Ehre hatte. Na, was sagen Sie jetzt? Nebbich, nicht wahr? Aber Sie sind doch so verflixt schlau, also bitte sagen Sie mir doch, was ich nun eigentlich schreiben soll. Drängeln und drängeln in einem fort, wissen Sie, das kann jeder, das ist wirklich keine Kunst. Schreibe ich den Emes, dann heißt das gleich Moral gepredigt. Also bitte, ich werde Ihnen nächstens auseinandersetzen, daß ein Schriftsteller etwa in fünfhundert Jahren unsere Zeit, ausgerechnet unsere Zeit, als die Blütezeit des deutschen Judentums betrachten muß. Kunststück, wo wir alle so bedeutende Zeitgenossen sind, wo alle Unterschiede verschwunden sind, höchstens, daß der eine ein klein bißel mehr chochom als der andere — zu sein sich einbildet. Ueberhaupt das-Wiederkommen, wissen Sie, das müßte ein Heidenspaß sein, wenn ich mir denke, ich werde so in fünfhundert Jahren die Briefe vom Lande lesen. Ei, was würde ich da lachen und sagen, war das ein einfältiges Mannsbild! Denn haben Sie nicht gemerkt, der Dümmste in der Gegenwart dünkt sich etlichemal bedeutender als der Bedeutendste der Vergangenheit. Na, und darin sind wir auf dem Lande riesige Gegenwartsmenschen. Davon können Sie überzeugt sein. Aber richtig, ich wollte ja eigentlich von Roschhaschonoh Ihnen erzählen; na, schön war's und eine Freude hatte ich an ein paar Prachtjungen, die sind zwar in der Stadt, aber die haben sich nicht geschämt, am Roschhaschonohnachmittag, wie vor guten alten Zeiten, Tillim zu sagen, und ich gestehe Ihnen, wir paar alten Leute haben geweint vor Erregung. Wer weiß, wenn unsere Dorfjugend so verwildert ist, daß sie selbst am Roschhaschonohnachmittag ihre dummen Späße nicht lassen kann, vielleicht wird aus der Jugend der Stadt Ernst unÄ Treue werden. Und damit tröstet sich Ihr Rosch Hakohol. Aus aller Wett Deutschland. III. Schleswig-Holsteinischer Gemeindelag. Unter Vorsitz des Herrn Dr. Victor- Wandsbeck fand am Sonntag, 21. September, im Saale des jüdischen Erholungsheims in Legeberg der UI. Gemeindetag der jüdischen Gemeinden Schleswig-Holsteins statt. Etwa 50 Vertreter von Gemeinden und Gäste waren erschienen. Oberrabbiner Dr. L e r n e r - Altona begrüßte die Versammlung und forderte die.Gemeinden auf, ihrer gesetzlich verbrieften Unabhängigkeit und Selbständigkeit ohne Rücksicht auf alle Versuche, diese zu bedrohen oder einzuschränken, festzuhalten. Am Vormittag ist aus den Verhandlungen hervorzuheben der Beschluß, einen Fonds zur Unter st ützung hilfsbedürftiger Gemeindebeamten des Bezirkes zu gründen, außerdem wurden das Austrittsgesetz und die Wanderarmenfürsorge besprochen. Dann hielt Rektor Feiner- Hamburg seinen Vortrag über Die Volksschulfrage. Nachdem sich der Redner gegen das Neue Komitee der Freunde des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes gewandt und den Beschluß des letzten Verbandstags der Gemeindeverbände in Berlin, der mit 7 gegen 5 Stimmen sich gegen die jüdische Volksschule ausgesprochen hatte, dargelegt hatte, ging er zur Kritik dieses Beschlusses gegen die jüdische Volksschule über. Die Simultanschule herrsche nirgends in Deutschland. Denn sonst müßten Kinder aller Konfessionen von Lehrern aller Konfessionen, also auch von jüdischen, unterrichtet werden. Dies sei aber nicht der Fall. Ueberall werden die jüdischen Lehrer zurückgesetzt. Sogar die Freisinnigen, die die Simultanschule auf ihrem Programm haben, stellen in ihren städtischen Simultanschulen nur selten jüdische Lehrer an. Ueberall würden auf diesem Gebiete Kompromisse geschlossen. Nur die liberalen Juden wollen sich bei ihren Fraktionsgenossen in den Ruf der Gesinnungstüchtigkeit bringen und auf Kosten der jüdischen Lehrerschaft die jüdische Volksschule ablehnen. Der Unterschied, den diese Herren zwischen großen und kleinen oder mittleren Gemeinden machten, indem sie für die großen die Volksschule verwerfen, für die kleinen und mittleren aber zulassen, sei gar nicht richtig zu begründen, und könne nur von ihrem persönlichen Parteistandpunkt aus ihnen gerechtfertigt erscheinen. Gerade die Großgemeinden als die Leistungsfähigen mit ihrer großen Schülerzahl könnten und sollten jüdische Volksschulen gründen.

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