Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 41 (10.10.1913)
- Date
- 1913-10-10
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Z Das jüdische Matt. Nr. 41. wiesen. Der weit wohnende Freund, der nur einmal im Jahre kam, wurde wohl noch mit Pietät, aber nicht mehr mit der ehemaligen Seelenergriffenheit ausgenommen. Die beiden Freunde begegneten einander und klagten gemeinsam nicht nur über den schnöden Undank der Emporkömmlinge, sondern vielmehr über deren Verblendung, über deren Kurzsichtigkeit und Selbsttäuschung. Wieder erhoben sich gewaltige Stürme gegen die vielgeprüfte Familie. Gespensterartig stieg der alte Haß aus dem Grabe. Mit erneuter Furchtbarkeit wütet der Neid, entfesselt er die wildesten Leidenschaften. Unter neuem Deckmantel erscheint der alte Groll, er gibt sich einen hochtönenden Namen, ward modern, zieht weite Kreise, verleumdet, verlästert, verdammt, macht für alles Verderbliche, das die Zeit aus ihrem Schoße erzeugt, für alles Uriheilvolle, das eine verkehrte Zeitrichtung herbeiführt, für alle Mißerfolge und für alles Ungemach allein die Mitglieder der von jeher gehaßten Familie verantwortlich. Die beiden alten Freunde treffen wieder einmal zusammen und treten Hand in Hand mit gedankenschwerem Ernst ein in den Kreis der wieder hart bedrängten Familie. Mich ergriff ein Schauer, mein Herz erbebte, meine Seele erzitterte, die Beiden legten mir die Hände aufs Haupt und riefen zu mir: du kennst diese arme Familie, du wurzelst in derselben mit allen Fasern deiner Seele, mit allen Fühlfäden deines Herzens, es ist das Haus Israel, seine beiden Freunde sind wir. Mein Name ist Sabbat, sagte der eine; und ich heiße, sagte der andere ppI2 P22, auch DT genannt. Ihr habt soeben verlesen gehört den Mahnruf des heiligen Propheten der Haphtorah j£rjp/ PKPpl “iDIDD '1, den die Weisen so auslegen: jjjy p32fS PKPpl jnp’o) omcDH d*p n? “uns t snp? nsr u (TT 'H '2 1*01 „2)en,j"Q2' nenne eine Seelenwonne, er bringt die allwöchentliche Erhebung aus dem Staube, den Versöhnungstag nenne den hochgeehrten, Gott geheiligten, er bringt Balsam für die Herzenswunden, Linderung jeglicher Seelenpein und Besserung von Gewissensqualen." Wohlan denn in unserem Namen, die wir heute wieder einmal beide zugleich euere Gäste sind, rufe zu der versammelten Gemeinde Gottes: *V”incDPl, ihr sollt rein werden. Rein sollt Ihr werden durch die Lehren, die Euch die beiden treuen Freunde eindringlichst ans Herz legen. als dem älteren, gebührt das Vorrecht, möge er seine Lehre, die so alt ist wie die Weltschöpfung, zuerst verkünden. nennt sich auch T1K,Zeichen. Das Wort unseres Gottes lautet: niX 'S D22P ^PPSft* PK ~jK P'22) DD2HpD T TK *0 Py“6 DD\P"t6 lD\P21 (j1*1 »Jedoch meine Sabbate sollt ihr beobachten, denn ein Zeichen ist er zwischen mir und euch für eure Geschlechter zur Erkenntnis dessen, daß ich, der Ewige, euch heilige." Sabbat soll uns ein Zeichen, ein Sinnbild sein, zu welch' hehrem Ziele, zu welch' heiliger Bestimmung wir berufen sind. Gott ähnlich sollen wir in unserer kleinen Welt wirken, schöpferisch sollen wir uns erweisen, sollen das^^s die Vermischung und Verwirrung, die Vermischung des Wahren mit dem Falschen, des Rechten mit dem Unrechten, des Guten mit dem Bösen bannen, sollen die flutenden Strömungen der Leidenschaften eng eindämmen, um festen, urbaren Boden zu gewinnen, in den wir die edle Saat der Tugend streuen und auf welchem wir die herrlichen Pflanzen der Menschenliebe pflegen und warten und zu fruchtbaren Bäumen emporfördern sollen. Die Sonne des Glaubens sollen wir einsetzen in den Himmel unseres Lebens, die religiösen Ideen sollen uns als Sterne leuchten und unseren Erdengang erhellen. Reges geistiges Leben sollen wir rings um uns schaffen, Menschen veredeln, ihnen, den Erdgeborenen, den Odem des geistigen Lebens einhauchen und das Siegel der Gottesebenbildlichkeit ausdrücken — pi^Piy 'n^yi CPppKD □P^rrt. Dazu gibt uns Gott sechs Lebensphasen, sechs Jahrzehnte, rüstig zn schaffen und zu wirken, gleichsam sechs Schöpfungstage, und am Abende unserer, in schöpferischer Tätigkeit vollendeten Lebenstage sollen wir schauen, daß das Ganze unserer Tätigkeit gut sei, damit die siebente unserer Lebensperioden, das Alter, gesegnet und geheiligt sei. Also ist der Sabbat ein Zeichen und Sinnbild unserer Bestimmung; als solches verleiht er uns inneres Selbstgefühl, innere Selbstwürde, und keine äußere Macht und kein noch so furchtbares äußeres Mißgeschick ist im Stande, unsere innere Selbstachtung zu erschüttern. Als solches eignet er sich wohl zur Zerstreuung der Vorurteile, die gegen nns heraufbeschworen werden, und zur Darlegung unseres Gottesbekenntnisses vor den Augen der ganzen Welt. Fürwahr, meine geehrten Freunde, die Feier des Sabbat, die Heiligung dieses Tages, ist die unzweideutigste Darlegung unseres Glaubensbekenntnisses. Wir glauben nicht an einen Nationalgott, sondern an einen Gott des Weltalls, "jp jHKV Wir scheuen nicht die Arbeit, denn der Gott des Weltalls hat uns zu schöpferischer Tätigkeit berufen und sein Gebot lautet: “PSKbo ^2 Pv2>n inpn P2*2 "sechs Tage sollst du arbeiten und all dein Werk vollbringen." Wir hängen nicht an dem Materiellen, denn wir machen uns von diesem frei und pflegen die Ideale des Lebens. Wir bekennen nicht nur mit den Lippen t”1K 'H IPm/K Ti, die Heiligung des Sabbat ist, wie unsere Weisen lehren,ilKTiT das Bekenntnis durch die Tat, das wichtigste, unerläßliche Bekenntnis, daß wir an den wahren Gott glauben, der an jenem £a9c/Kirin EV2» am Tage der Erlösung der Menschen von Wahn und Vorurteil, der Einzige und dessen Name der Einzige sein wird. Und Ihr, meine geliebten Brüder und Schwestern, entweihet, verletzet die Heiligkeit des Sabbat, wenn er nicht in Begleitung seines erhabenen Genossen, dessiE22 P22' kommt, Ihr entziehet Euch dem treuen Freunde, den Ihr mit offenen Armen solltet empfangen? Ihr saget, wir kennen die Treue dieses Freundes, wir kennen die Heiligkeit und Wichtigkeit des Sabbat, aber wir können nicht jede Woche einen Tag rasten; wir können bei den gegenwärtigen Zeitvvrhältnissen nicht auch jeden Sabbat die Arbeit ans den Händen legen. Ihr kennet und könnt nicht? Ihr kennet die Heiligkeit und könnet Euch nicht heiligen? So hört denn, was der andere hohe Gast, der "]pE2 P22, heute lehrt. Ihr könnet Euch wohl heiligen, denn Ihr besitzet die Kraft, Euere Sinnlichkeit zu beherrschen. Seid Ihr nicht heute die Herren Euerer sinnlichen Triebe? Ihr kasteiet Eueren Leib, verzichtet ans jeden leiblichen Genuß, bannet jegliche Leidenschaft aus Euerem Herzen und richtet Eueren Geist ungeteilt auf das Göttliche. Ihr stehet hier im Hause Gottes, als fehlte Euch jede Empfänglichkeit für alles, was draußen vorgeht, für alle äußeren Verlockungen, als wäret Ihr höhere Wesen. Dies könnt Ihr, weil es Euch heute nicht mangelt an Selbstbeherrschung. Ihr besitzet aber immer die Heldenkraft, allen Verlockungen der Sünde widerstehen zu können, wenn Ihr Euch selbst beherrschen, Euch heiligen wollet. Durch den heutigen Tag sollt Ihr an Euch selbst erfahren, was Ihr könnt, wenn Ihr ernst wollet. Ihr könnt dann nur Euch nicht heiligen, wenn Ihr nicht befolget das Wort Gottes □2\rynPKlP222^P^1P1PP tfSvfpdfjt nicht aus nach den Gelüsten des Herzens und der Lüsternheit eueres Auges.