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Das jüdische Blatt · 1913-10-10 · 41 (10.10.1913) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
41 (10.10.1913)
Date
1913-10-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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IReicb und Ausland: Leltuugsprelslllte. Wayern: Teitungsnummer 546. ^<r----1 Geschäftsstelle: M. DuMont Schauberg. Stratzburg i. Elf. - Vertretung für Bayern und Württemberg: Max Eichinger, König!. Hofbuchhündler, AuSbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle; außerdem in Stratzburg durch die ElsLsfische Aktiengesellschaft vorm. A. Ammei. In Basel durch I. Nordmann, Socinstraße 36. In Zürich durch A. Schneider, Badenerstraße 123. Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Pfg. (ejll. Zustellungsgebühren), per Streifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. das Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schweiz per Post 4 Fr. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. das Jahr. In Oesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. das Jahr. In England 2 Schilling, Amerika 50 Cents per Vierteljahr. -Inserate nach Tarif. - - Ä Abonnements nimmt jede Voltanttalt entgegen. iv. Zabrgang. Ansbacb-Stratzburg, 10. Glrtober 1913, 9. Uttcfori 5674. Dr. 41 Inhalt. Leitartikel: Die beiden Freunde. — Der Gerichtstag. — Proteste gegen \ die Blutlüge. — Brief vom Lande. — Bus aller Welt. — Korrespondenzen.! — Kleine Nachrichten. — Familiennachrichten. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Lustige Ecke. — Rätsel-Ecke. — Gedaljah. — Inserate. PT Die nächste Nummer erscheint wegen des Festes am Mittwoch den 15. Oktober als Doppelnummer (Nr. 42j43). Schluß der Redaktion für Nr. 42|43 am Montag, 12. Oktober, 4 Uhr nachmittags. Die Verden Kreunde.) Eine aus zahlreichen Mitgliedern bestehende Famile lebte lange Zeit in großer Bedrängnis. Die arme Familie hegte und pflegte in ihrem Kreise Lehren und Lebensanschauungen, Traditionen und Hoffnungen, die den anderen vielen Familien, von denen sie umgeben war, teils unverständlich, teils mißliebig, teils neidenswert erschienen waren. Die arme Famile wurde deswegen gehaßt, gestoßen, gehetzt, bedrückt, angefeindet, gekränkt, gedemütigt und leidenschaftlich verfolgt. Da die arme Familie aus zahlreichen Mitgliedern bestand, zerstreuten sich diese, sonderten und teilten sich in verschiedene Lebensberufe. Aber auch das half nicht. Alles, was die unternahmen, die zu jener gehaßten und verfolgten Famile zählten, wurde ihnen erschwert. Das Gedeihen und Emporkommen in dem erwählten Berufe wurde ihnen als Verbrechen, die Besiegung der ihnen bereiteten Schwierigkeiten als Laster angerechnet. Der Haß war so gewaltig gegen sie, daß sie sich in die düstersten Gassen, in die engsten Häuser zurückziehen mußten. Und da wurden ihre Häuser oft von den fürchterlichsten Stürmen umtost, und in den inneren Räumen derselben war viel Not und Elend. --- Aber die arme Familie hatte auch Freunde und, wer treue Freunde hat, der ist nicht verlassen im Leben. j *) Aus einem im I. 5656 von Oberrabbiner M. Hirsch-Ham-! bürg 7"$'] gehaltenen und im „Israelitischen Volksfreund" 1909 abgedruckten gottesdienstlichen Vortrage. Namentlich zwei ihrer Freunde taten ihr viel Gutes, trösteten sie, heiterten sie auf, stählten ihren Mut und nährten in ihrem Kreise die Versöhnlichkeit, die Duldsamkeit, die Hoffnung auf bessere Zeiten, die unerschütterliche Ausdauer und Standhaftigkeit. Der eine dieser beiden Freunde wohnte in der Nähe, er kam jede Woche zu Besuch. So oft er kam, beeilten sich alle zu seinem Empfange, legten alle die Arbeit aus der Hand, Speise und Trank war von gestern schon vorbereitet und sie blieben beisammen den ganzen Tag und ergötzten sich an des treuen Freundes reichen Geistesgaben, seine Tröstungen richteten ihren Geist auf, seine Lehren erhöhten ihren Mut, seine Verheißungen vermehrten und belebten ihre Kraft. Ter andere wohnte weit: er kam nur einmal im Jahre zu Besuch. Da brachte er aber k^e köstlichsten Gaben mit. Zu seinem Empfange bereitete sich die arme Famile tagelang vor. Als er herankam, hatte alle die Arbeit bereits aus den Händen gelegt, alle waren sie festlich gekleidet, alle begrüßten den Ähnlichst erwarteten Freund mit heißen Zähren in den Augen. War einer der Faniilie aus dem Leben geschieden, klagten die Ueberlebenden dem treuen Freunde ihren herben Verlust, weinten ihren Schmerz aus an seiner Brust. Waren ihnen im vergangenen Jahre Segnungen beschieden, sprachen Sie dem Freunde davon mit Tränen des Dankes in den Augen und der treue Freund gab ihnen weise Ratschläge über den Gebrauch und die Verwendung der erlangten Güter. Sie blieben den ganzen Tag versammelt, Speise und, Trank wurde nicht genommen, alle sättigten sich an der Huld des Freundes. Es trat aber mit der Zeit eine günstige Wendung im Geschicke dieser Faniilie ein. Der Haß gegen sie hatte an Schärfe verloren, der Neid verminderte sich, Verfolgung und Kränkung, Ausschließung und Zurücksetzung galten als unzeitgemäß, als roh und barbarisch, als häßlich und unmenschlich. Die Verhältnisse der in Rede stehenden Familie änderten sich rasch, nahmen eine ganz andere Gestaltung an. Sie verließ die düsteren, engen Gassen, wohnte nur geräumig in den schönsten Straßen und erfreute sich eines zunehmenden, gedeihlichen, glücklichen und beglückenden Wohlstandes. Die beiden Freunde erhofften daher um so freudigere Aufnahme, um so herzlichere Begrüßung. Sie wurden aber bitter enttäuscht. Der nahe wohnende Freund wurde bei seinem Eintritte gar nicht begrüßt, die Arbeit wurde nicht aus der Hand gelegt, seine Gaben wurden mit Geringschätzung znrückge- 942882

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