Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 40 (2.10.1913)
- Date
- 1913-10-02
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Das jüdische Statt. Nr. 40. achtet war, verliert die Kehilloh eines ihrer tätigsten Mitglieder. Möge der Allgütige die trauernden Hinterbliebenen trösten. Mommenheim. Am 17. Elul, am Donnerstag abend, starb Frau Jakob K l i n g, als sie gerade im Begriffe war, ine Vorl'ereitungcn für die Sabbatspeisen zu tressen. Ein Schlag machte ihrem Leben ein rasches Ende. Die Beerdigung fand am Sonntag vormittag unter zahlreicher Beteiligung statt. Im Trauerhause schilderte Herr Rabbiner Dr. Levy-Brumath die Verblichene als e>ne echte Esches Chajil und spendete den Hinterbliebenen wohltuende Worte des Trostes. Möge die allgemeine Teilnahme den schwergeprüften Hinterbliebenen ein Trost sein. Die Tote erreichte ein Alter von 70 Jahren. sJn der letzten Nummer ist unter den Familien-Nachrichten schon über diesen Todesfall berichtet, dabei aber durch ein Versehen des Setzers, zu unserm Bedauern, die Bezeichnung „Frau" weggefallern Red.s Synagogeneinweihung in hirsingen. War das ein Jubel! Aus itah und fern waren die Festgäste erschienen. Im Hellen Sonnenschein eines wunderschönen Herbsttages flatterten die Fahnen an den Häusern der Feststraße, welche die Dorfgemeinde hatte Herrichten lassen. Um 2 Uhr, beim Eintreffen des Zuges Altkirch—Mülhausen, fand sich der Vorstand vollzählig am Bahnhof ein zur Begrüßung der Gäste. Von da ging es in das alte Gotteshaus, das zum Abschied noch einmal festlich geziert war. In stiller Andacht wurde Mincha gebetet, worauf Rabbiner Dr. Auscher-Altkirch die Abschiedspredigt hielt. Selbst tief ergriffen von der Größe des Augenblicks, fand der Redner den richtigen Ausdruck für das, was aller Herzen bewegte, und kaum ein Auge blieb tränenleer, als er in ergreifenden Worten Abschied nahm namens der Gemeinde von der Stätte, die über 145 Jahre ihr religiöser Mittelpunkt war. Nachdem die Seforim ausgehoben und den ältesten Baalebatim zum Tragen übergeben waren, bildete sich der Festzug, zu welchem das Feuerwehrkorps in liebenswürdiger Weise Spalier stellte. Den Zug eröffnete eine Musikkapelle, welcher Ehrenpaare und weißgekleidete Mädchen mit dem Schlüssel der Synagoge auf seidenem Kissen sowie der Synagogenchor Altkirch folgten. Den Männern mit den Thorarollen schlossen sich dann die große Zahl der Ehrengäste und die Mitglieder der Gemeinde an. An der neuen Synagoge angelangt, überreichte Frl. Suzanne Meyer mit einem sinnigen Prolog den Schlüssel des Gotteshauses dem Präsidenten des Konsistoriums, der mit entsprechendem Widmungsvers die Tore öffnete. Bald war die Synagoge bis auf den letzten Platz gefüllt. Unter den zahlreichen Ehrengästen sahen wir neben einem Vertreter des Bezirkspräsidiums den Präsidenten der Zweiten Kammer, Herrn Reichstagsabgeordneten Sanitätsrat Dr. Ricklin, das Mitglied der Ersten Kammer Baron Sigismund v..Reinach, die Mitglieder des Konsistoriums Manheimer, Bernheim und Meyer, viele Parnoßim der Nachbargemeinden, auch die Croßgemeinde Basel hatte die Herren vom Vorstande Ginsburger und Bloch-Roos als Vertreter gesandt. Der katholische Kirchenrat war durch seinen Präsidenten vertreten, Gemeinderat und Beamtenschaft waren vollzählig erschienen, unter ihnen Amtsrichter Dr. Geller und Notar Joder. Als erster Redner nahm Herr Marx.Meyer, der Vorsitzende der Kultusgemeinde, das Wort. Sein Dank galt all denen, die zum Bau beigetragen, insbesondere der politischen Gemeinde und der Regierung; vor allem aber sei das größte Verdienst zuzuschreiben am Neubau Herrn Rabbiner Auscher, dessen unermüdliche Tätigkeit sich die ewige Dankbarkeit der Gemeinde erworben. Nach ihm entbot Herr Manheimer-Colmar der Gemeinde die Glückwünsche des Konsistoriums und zollte der Opferfreudigkeit der kleinen Gemeinde lebhafte Anerkennung. In einer großangelegten, inhaltreichen und formvollendeten Festrede des Rabbiners Dr. Auscher, der zugleich namens des erkrankten Oberrabbiners Weil-Colmar sprach, fand die Feier ihren Höhepunkt. Umrahmt wurde dieselbe durch Chorgesänge des Synagogenchores Altkirch, die ebenso wie die Solopartien der Herren Kantoren Weil-Altkirch und Weil von hier auf alle einen unvergeßlichen Eindruck machten. Was die Synagoge selbst betrifft, so paßt sich die äußere Architektur des Baues in seinen modernisierten Louis-XVI.- Formen der Umgebung an und bringt trotzdem die Eigenart seiner Bestimmung zum Ausdruck. Eine massige, achtseitige Kuppel in Mansardform kennzeichnet nebst den großen Bogenfenstern den Hauptraum, während sich in einem durch geschweifte Dachendigungen flankierten Querbau das Treppenhaus und Nebenräume (Beratungszimmer und Schulsaal) davorlagern. Auf einer breiten Freitreppe gelangen wir durch ein mit Säulen gegliedertes Hauptportal aus Haustein in die Vorhalle und von hier in den Synagogenraum. Eine Granittreppe, die sowohl von der Vorhalle als auch direkt vom Hauptgebäude außen zugängig ist, führt in den ersten Stock zum Schulzimmer und zur Frauenempore, die in Eisenbeton freischwebend angelegt ist. Der Hauptraum ist mit einer Rundkuppel überwölbt und wird durch zwei mächtige Rundfenster mit Glasmalereien — eine Stiftung der Männer- Chewra — erhellt. In einem chorförmigen, durch große Rundbogen abgeschlossenen Vorbau befindet sich Almemor und Araun-Hakaudesch; letzterer wird überdacht von einem in Schmiedeeisen ausgeführten Baldachin mit Sonne und Krone von wahrhaft künstlerischer Auffassung und bezaubernder Wirkung. Die Heizvorrichtung ist in die Nebenräume verlegt. Sitz- und Beleuchtungskörper, voran der große Leuchter, den eine hiesige Familie gestiftet, passen sich in einfachen Formen dem eleganten Louis-X VA.-Stil des Ganzen an und geben dem Innern einen harmonischen Abschluß. Die Farbengebung ist in Weiß, Blau, Gelb und Gold gehalten und verleiht so der Synagoge eine freundlich-helle und doch zugleich dem Zwecke des Raumes entsprechende ernst-heitere Stimmung. So wirkt der Bau trotz seines geringen Umfanges geradezu monumental und macht seinem Erbauer, Herrn Architekt Arthur Roos-Mülhausen, alle Ehre. Daß alle Kultusgegenstände, wie Porauches, Ez-Chajims usw. zur Feier des Tages neu gestiftet wurden, wollen wir nicht unerwähnt lassen, wie auch daß zur bleibenden Erinnerung an diesen Tag die Gemeinde Herrn Rabbiner Dr. Auscher einen kostbaren Kunstgegenstand überreichte! Bayern. Aus Bayern. Schweres ist im vergangenen Jahr über die Judenheit unseres Landes dahingegangen. Fern vom Blick der Oeffentlichkeit haben ernste Männer schwer gerungen und in Fragen sich erschöpft, welche den innersten Kern des Glaubens und seiner Bekenner berühren. Wir möchten zu Beginn des neuen Jahres der zagen Hoffnung Ausdruck geben, daß dieses stille, erschöpfende, gewaltige Ringen Früchte trage und sich löse im Bruderkreis derer, die zusammen gehören und sich finden werden.