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Das jüdische Blatt · 1913-10-02 · 40 (2.10.1913) · p. Seite 7

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
40 (2.10.1913)
Date
1913-10-02
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 40. Das Mische Klatt. 7 9 mal so groß ist wie die aller übrigen Kranken. Was aber die Gefahr dieser Plage noch größer macht, ist die seltsame Tatsache, daß für nichts geringere Sorge getragen wird, als für die Bekämpfung der Augenkrankheiten. Von all den vielen jüdischen Vereinen und Institutionen, die in Jerusalem arbeiten, hat niemand daran gedacht, den Kampf gegen das Uebel aufzunehmen. Der Verein „L e m a a n Z i o n" ist die erste jüdische Organisation, die sich der Riesenaufgabe unterzogen hat, die Augenkrankheiten aus Jerusalem zu bannen. Er hat das erste jüdische Augenhospital in ganz Palästina errichtet, und nicht nur aus Jerusalem, aus ganz Palästina, ja aus ganz Aegypten, Syrien und dem gesamten Orient strömen Kranke zu diesem Hospital herbei. Er hat einen erfahrenen Spezialisten angestellt, der täglich in der Poliklinik Hunderten von Kranken Linderung und Hilfe darreicht. In letzter Zeit hat der Verein das Uebel an seiner Wurzel auszurotten begonnen, indem er in allen Schulen und Kindergärten Jerusalems alle Kinder wöchentlich ärztlich untersuchen läßt und die kranken Kinder in Behandlung nimmt. Wie groß und schwer die Arbeit des „Lemaan Zion" ist, erkennt man am besten aus den Zahlen: in den letzten 4 Monaten sind 61 339 behandelt worden, und an 4000 Schulkinder befanden sich in ärztlicher Untersuchung. Es ist klar, daß der Verein zu einer solchen umfassenden Tätigkeit großer Geldmittel bedarf und das jüdische Publikum hat ihm bisher leider noch nicht das Maß der Beachtung geschenkt, das ihm angesichts der unermeßlichen Bedeutung seiner Tätigkeit zukommt. So kann er aus Geldmangel nicht alle Forderungen erfüllen, die sich aus den Verhältnissen ergeben: das Hospital müßte erheblich erweitert werden, es müßten noch mehr ärztliche Kräfte aufgestellt werden, aber noch hat der „Lemaan Zion" nichts unternommen, was nicht gerade im Moment notwendig war und schon steht er in der Mitte des Jahres vor einem Defizit. So sehen wir uns gezwungen, jetzt erneut an die Opferfreudigkeit der deutschen Judenheit zu appellieren. Tausenden von Kranken bewahren wir dank unserer Hilfeleistung ihr Augenlicht, Tausende erretten wir aus Not und Elend! Eine solche Arbeit in der Stadt, die jedem Juden heilig und teuer ist, ist wahrlich wert, daß jeder Jude sein Scherflein zu ihrem Gelingen beitrage. Amerika. In den Vereinigten Staaten von Amerika ist jetzt ein Gesetz herausgekommen, das den Besitzern von Hotels und anderen öffentlichen, dem Publikum allgemein zugänglichen Anstalten verbietet, einen Unterschied zwischen ihren Gästen je nach Religion, Rasse oder Farbe zu machen und aus diesen Gründen Besucher obzuweisen. Die Uebertretung dieses Gesetzes wnd mit Gefängnisstrafen bis zu 30 Tagen oder mit Eeldstrufen von 100 bis 150 Dollar oder in krassen Fällen mit beiden Strafen belegt. Der Uebertreter hat dem Gekränkten einen Schadenersatz bis zu 500 Dollar zu leisten. Auch dürfen an dem Gebäude nicht Plakate oder Zeichen angebracht werden, die erkennen lassen, daß eine gewisse Menschenklasse unerwünscht ist. In dem freien Amerika ist es nämlich zu häufig vorgekommen, daß Hote.besitzer, Leiter von Kuranstalten, Belustigungsetablissements durch Anschläge oder Zeitungsannoncen ankündigten, daß ihre Anwälten judenrein seien. Das ist nun gesetzlich verboten worden. Ob es nützen wird, steht auf einem andern Blatt. Derartige Hotelbesitzer haben bereits in Interviews das Publikum wissen lassen, daß nichts leichter ist, als dieses Gesetz zu umgehen. Man sagt einfach ankommenden Fremden, die Logis wünschen, die aber nicht erwünscht sind, es sei bereits alles besetzt, oder wenn sie Bewirtung verlangen, laßt man sie stundenlang sitzen, ohne sie zu bedienen, oder verlangt ihnen Preise, die sie vertreiben. Soziale Mißstimmungen lassen sich eben durch gesetzliche Maßnahmen nicht überwinden. Das Leben ist stärker als das Staatsgesttz. Das Leben muß den Rassenhaß vertilgen. Korrespondenzen. - Elstttz-Kotlsriimeir. Beurlaubung der israelitischen Lehrer der höheren Schulen. Strahburg. Auf Veranlassung des Israelitischen Konsistoriums des Unter-Elsaß hat der Kaiserliche Oberschulrat erklärt, daß er bereit sei, die Wünsche derjenigen israelitischen Lehrer der höheren Schulen, die während des Neujahrsfestes und des Versöhnungstags beurlaubt werden wollen, in weitgehendstem Maße zu berücksichtigen. Slraßburg. Verflossenen Freitag abend wurde der neu erbaute Betsaal im israelitischen Krankenhause seiner Bestimmung übergeben. So hat der Verwaltungsrat auch für die religiöse Erbauung der Patienten Sorge getragen. Der Bestand an Seforim wurde noch durch Schenkung einer prachtvollen Sefer Thora seitens des Herrn Moise Metzger bereichert. Dieser wurde vom Verwaltungsrate zum Vorstand der Spitalsynagoge ernannt. Die Funktion des Vorbeters versieht Herr Simon Bloch. Hagenau. Der Neubau eines israelitischen Z u - s l u ch t s h a u s e s ist von den Mitgliedern der israelitischen Kultusgemeinde beschlossen worden. Das alte Anstaltsgebäude in der Stiegelmannsgasse befindet sich schon lange in einem schlechten baulichen Zustand und ist auch zu klein geworden. Die Generalversammlung der Mitglieder beschloß daher, das anliegende Anwesen noch dazu zu erwerben. Im Frühjahr soll mit dem Vau begonnen werden. Horburg. Am ersten Tag Slichos veranstaltete die hiesige Chewra eine Chewrasuda, an der alle Mitglieder, 27 an der Zahl, sich beteiligten. Das Gastmahl fand in dem Restaurant Jsaac Picard statt. Sehr schnell verging die Zeit in der launigen Gesellschaft, in der Einigkeit und Bruderliebe herrscht, wie auch Eintracht den festen Grundstein bildet unserer Gemeinde unter der Leitung unseres allgemein beliebten Vorstehers, Herrn Moste Stark. Selten trifft man eine Gemeinde an, wo derartige Uebereinstimmung und Nächstenliebe herrscht. Am Schlüsse der Mahlzeit wurde das Benschen versteigert. Das Höchstgebot, 30 Jl, die zugunsten der Waisenkinder zu Hagenau verwendet werden, machte Herr Alfred Levy, der diese Mizwo dem beliebten Lehrer Stüffel verehrte. Bei dieser Gelegenheit verabschiedete sich Herr Stüffel, der vom 1. Oktober an sein Amt in Colmar an der Mittelschule antritt, von den versammelten Gemeinde- und Chewramitgliedern. Er wird dennoch in steter Fühlung mit der hiesigen Gemeinde bleiben, da ihm der Religions- und der hebräische Unterricht übertragen worden ist. Nur ungern sieht man Herrn Stüffel aus unserer Mitte scheiden. Ingweiler. H. Lucien Uhry hat unserer Synagoge ein schönes silbernes Thoraschild zu den erhabenen Festen zum Geschenk gemacht und die Gemeinde hat den neuen Schmuckgegenstand mit herzlichem Dank an den Geber übernommen. Insmingen. Unter recht zahlreicher Beteiligung fand am Freitag die Beerdigung von Herrn S. Nathan statt. Er erreichte ein hohes Alter trotz der vielen harten Schickungen, die er zu ertragen hatte. In dem Verstorbenen, der allgemein ge-

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