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Das jüdische Blatt · 1913-09-26 · 39 (26.9.1913) · p. Seite 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
39 (26.9.1913)
Date
1913-09-26
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Das jüdische Klirtt. Nr. 39. sie tun. Die jetzige Statue stellt einen aus seiner Heimat vertriebenen Juden dar, den Wanderstab in der Hand, das Gesicht von Judenleid durchfurcht, mit einem Ausdruck von Elend und Niedergeschlagenheit und Schrecken — Progromschrecken, in den Augen ein brennend Feuer, Verzweiflung mit Zuversicht gemischt, Todesschrecken mit Lebensmut, Knechtschaftsgefühl mit Freiheitsdrang, in der einen Hand einen Stecken, in der andern ein — Kind, einen Pack und — eine Sefer Thora. Die Statue wurde von dem Kunstliebhaber Isaak Goldberg in Auftrag gegeben. Schiff sah sie, wurde begeistert und erbat sich bei Goldberg die Erlaubnis für den Künstler, eine Kopie vom Original zu veranstalten. Zufällig sah Frau Wilson, die Malerin ist, ebenfalls die Statue, auch sie wurde von ihr so ergriffen, daß sie eine Kopie für das „Weiße Haus" bestellte. Präsident Wilson hat A. Goldberg einen Dankbrief geschrieben, in dem er große Begeisterung ausdrückt für deu — Golusjuden. Korrespondenzen. Glsaß-Kolhringen. Israelitischer Verein für Ferienkolonien in Straßburg. Der Verein hat wohl noch nie eine so rege Tätigkeit entfaltet wie in diesem Jahre. Die Einnahmen aus dem Wohltätigkeitsfest des Vorjahres gestatteten es, mehr Kinder als bisher in die Ferien zu schicken, und wenn auch noch zahlreiche Erholungsbedürftige abgewiesen werden mußten, so waren es doch ansehnliche Gruppen, die die Reise in die Luftkurorte antreten konnten und mit vergnügten, rotbackigen Gesichtern zurückkehrten. Die Kinder, die am meisten erholungsbedürftig sind und von denen ein Teil von dem Stadtarzt dazu bestimmt wird, werden feit einer Reihe von Jahren nach Bad Nauheim geschickt. In diesem Jahre waren es zwei Gruppen mit insgesamt 35 Kindern. In der dortigen israelitischen Kinderheilstätte, die eine Rothschild'sche Stiftung ist, finden die Kinder eine vortreffliche Aufnahme. In dem stattlichen Hause mit den hellen hohen Schlafstellen und mit den prächtigen Gartenanlagen finden die Kinder alles, was sie zu ihrer Erholung brauchen: gute Luft, Platz, um sich zu tummeln, und vorzügliches Essen. Da gibt es jeden Morgen zwei Eier zum Kaffee, um 10 Uhr und um 4 Uhr einen kleinen Imbiß und mittags und abends ein kräftiges Essen. In den ersten Tagen entwickeln die Kinder oft noch nicht den rechten Appetit, aber sobald sie sich an die Luftveränderung und die Bewegung im Freien gewöhnt haben, dann ist es eine Freude, die Kinder beim Mittagessen zu sehen, und die liebenswürdige Oberin sorgt dafür, daß keines hungrig aufsteht. Sie sorgt auch mit ihren Gehilfinnen für strenge Ordnung im Hause, die aber das helle Kinderlachen nicht unterdrücken will. Fünfmal in der Woche erhalten die Kinder Solbäder, und daß auch für ihre Unterhaltung gesorgt wird, zeigt, daß sie in diesem Jahr sogar einmal ins Kurtheater geführt wurden. Das war kein kleines Vergnügen, und die Kinder, die oft aus gedrückten Verhältnissen kommen, werden die fröhlichen Nauheimertage wohl in ihrem Leben nicht vergessen. Wie bereits im Vorjahre, so wurde auch in diesem Jahre eine dritte Gruppe nach Bad Dürrheim geschickt. In diesem bekannten Solbade befindet sich gleichfalls eine durch Rothschild'sche Stiftungen erbaute Kinderheilstätte, in der die Kinder die gleiche sorgfältige und vortreffliche Pflege genießen, wie in Bad Nauheim. Auch hier tragen Solbäder zur Kräftigung bei, und die Tannen auf den Höhen des Schwarzwalds erhöhen die heilkräftige Wirkung des Ferienaufenthaltes. Da es nicht möglich ist, alle Straßburger Kinder in diesen Kinderheilstätten unterzubringen, die den idealen Ferienaufenthalt bilden, so hatte man sich in früheren Jahren damit geholfen, die kräftigeren Kinder in einen badischen Gebirgsort zu schicken. In diesem Jahre wurde uun zum erstenmal der Versuch gemacht, an Stelle des badischen einen elsässischen Kurort zu wählen und die Erfahrungen, die mit der 4. und 5. Gruppe in Bad Niederbronn gemacht wurden, sielen so gut aus, daß der Verein beabsichtigt, regelmäßig auch in künftigen Jahren Kinder nach Bad Niederbronn zu schicken. Die Kinder waren dort in mehreren jüdischen Familien untergebracht und es war Vorsorge getroffen, daß jedes Kind ein besonderes Bett bekam; zum Teil waren es außerordentlich schöne Zimmer, auch mit der Verpflegung kann man wohl zufrieden sein. Einige erwachsenere junge Mädchen, denen einige Wochen Ferienaufenthalt auch gut taten, führten die Aufsicht über die jüngeren, leiteten die Spiele der Kinder und die Ausflüge. Mit dem Wetter hatte man es ziemlich günstig getroffen und so konnten die Kinder manchen schönen Ausflug in die prachtvolle Umgebung Niederbronns machen. Das Jägertal mit der Ruine Wildenstein, die Wasenburg und sogar die Schlachtfelder bei Wörth wurden besucht. Um diese zu sehen, brach die Schar bereits am frühen Morgen auf, hatte das Mittagessen mitgenommen und kam erst wieder am Abend zurück. In der liebenswürdigsten Weise nahmen sich die wohlhabenderen Familien der israelitischen Gemeinde in Niederbronn der Straßburger Kinder an. Das Komitee des israelitischen Frauen-Vereins Niederbronn veranstaltete im Forsthause ein kleines Fest und bewirtete die Kinder mit Kaffee und Kuchen. Die Kinder selbst trugen durch Aussagen von Gedichten zur Unterhaltung bei, und es war ein schöner Nachmittag, an den alle Teilnehmer gerne zurück denken. Andere Familien schickten Kuchen und Schokolade, wieder andere nahmen einzelne Kinder längere Zeit unentgeltlich zu sich. So haben die Kinder der Ferienkolonie keine kleine Rolle in Niederbronn gespielt. Sie haben Unterhaltung gebracht und mit ihrem Betragen war man, wie wir hörten, zufrieden. Es mag bedeutsamere Gebiete sozialer Betätigung geben, aber keines wohl zeigt so sichtbare Freude und so unmittelbaren Erfolg wie die Ferienkolonie. Man muß das Leben auf dem Bahnhof sehen, wenn die Kinder von ihren Eltern an die Bahn gebracht oder abgeholt werden. Im Wald und Garten, besonders aber am Mittagstisch sieht man fröhliche, vergnügte Kindergesichter, die die Hoffnung geben, die Kränklichkeit ihrer Jugend zu überwinden und lüchtige Menschen zu werden. Slraßburg. Soeben veröffentlicht das Israelitische Waisenhaus in Strahburg seinen Rechenschaftsbericht über die'Jahre 1911 und 1912. Derselbe bringt zunächst einen tiefgefühlten Nachruf seiner unvergeßlichen Präsidentin, der Frau Oberrabbiner A. U r y, die während 13 Jahre ihre Kräfte in den Dienst des Waisenhauses gestellt, viel Gutes gewirkt hat. In der Leitung der Anstalt hat während der Berichtszeit ein Wechsel stattgefunden, indem Frl. Reine L o e w, die über ein Menschenalter mit steter Pflichttreue ihres schweren Amtes gewaltet hat, sich ins Privatleben zurückgezogen hat, und an ihre Stelle die Elementarlehrerin Frl. Bertha Kahn trat. Im Jahre 1911 gingen ein 2959 dl Jahresbeiträge, zirka 2000 dl Spenden und 790 Ji unveräußerliche Gaben. Die laufenden ordentlichen Einnahmen betrugen 19 156,29 dl, die Ausgaben 20 305,23 dl. Das Defizit ist ausgeglichen aus den außerordentlichen Einnahmen. Im Jahre 1912 betrugen die Jahresbeiträge 3311 dl, die Spenden 2882, die unveräußerlichen Gaben 650,48 dl. Es schließt die Rechnung mit 21 143,09 dl Ausgaben und 19 688 dt

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