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Das jüdische Blatt · 1913-09-26 · 39 (26.9.1913) · p. Seite 3

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
39 (26.9.1913)
Date
1913-09-26
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Das jüdische Statt 3 :T:« ,ischte . I-cifl’flrt' '"'Ä ’Jlt* 39 die „Al Chet" am .!<»»> Kippur daran erinnert werden, das; wir trotz aller Vorsicht während des Jahres so oft die Vorschrift über ^Innchol umischte vergessen. Deshalb sei es gestattet, dieses Thema etwas näher zu betrachten, um vielleicht, dank der in dieser Zeit einsetzenden Tesehuwo Besserung herbeizuführen. Gewiß! Wenn wir zur Zeit von vor zirka 20 Jahren zurückgreifen, wo man sich mehr geniert hat, auf der Reise koscher zu leben, weil man zuviel der Gefahr ausgesetzt war — nicht von den Andersgläubigen — nein, von den Glaubensbrüdern verhöhnt zu werden, so können wir heute G. s. D. doch sagen, daß das Ideale heute mehr zum Durchbruch gelangt. Man kann nicht nur viel ungenierter seiner Ueberzeugung gemäß streng koscher leben, ohne dabei verspottet zu werden, sondern die Religionstreue wird sogar anerkannt. Man findet heute, im Gegensatz zu früher, viele sogenannte Halbreligiöse, welche sagen, „wenn ich koscher bekomme, so ziehe ich solches nicht nur vor, sondern ich suche geradezu die koschere Restaurants auf." Dennoch ist in dieser Angelegenheit ein Klagelied anzustimmen. Diejenigen, welche zu Hause in ihrer Kehillo sich benehmen, als ob man auf der Reise nicht einmal Schwarzbrot essen darf, und gerade diese haben am meisten nötig, Tesehuwo zu tun. Das sind manchmal dieselben, die, wenn sie herauskommen, überall essen, wenn nur die drei Buchstaben on der Firma stehen, selbst wenn die Wirtschaft früher von ' einem Juden, jetzt aber von einem Christ geführt wird und zufällig das Koscherzeichen noch stehen geblieben ist. Das find die Gefährlichen des Glaubens, und diese sollten am meisten in sich gehen. Wenn ich nun die Sparte der Koscheresser behandelte und frage, wieso kommt es, daß heute mehr Personen auf Koscheressen reflektieren als früher, so liegt das zunächst an der bedeutend besseren Einrichtung der Speisehäuser, an dem größeren Komfort in den Restaurants und an der größeren Zahl jüdischer Restaurants im Vergleich zu früher. Ganz besonders ist das der Entwicklung des Hamburger Koschervereins H und seiner unermüdlichen Tätigkeit zuzuschreiben. Dieser Verein sollte daher in Anerkennung seiner enormen Mühewaltung viel, viel mehr Mitglieder haben, als er in der Tat besitzt, um sich der Angelegenheit intensiver widmen zu können; geschieht es doch speziell zum Wähle des reisenden Publikums. Ferner wäre empfehlenswert, daß ihn auch die jüdischen Gemeinden in seiner Tätigkeit mehr unterstützen, indem sie ihre Mitglieder veranlassen, die Restaurants mehr aufzusuchen, um den Restaurateur existenzfähig zu macheu, sei es durch Auswärtsessen, Festessen oder durch Aufsuchen zum Cafe und Mitnehmen ihrer Freunde. Wenn sich nun das Restaurationswesen auch gebessert hat, so ist noch lange nicht gesagt, daß es vollkommen ist. Im Gegenteil, es ist Sache des Vereines, daß er immer mehr auf Propertät, auf schlankere Bedienung und auch auf Preisregulierung hinweist. Es ist manchmal himmelschreiend, wie sich die Herren Restaurateure das Wort koscher zu ihrem vermeintlichen Nutzen durch Ueberpreise zunutze machen, zu vermeintlichem, aber nicht wirklichem Nutzen, im Gegenteil sehr viel zu ihrem eigenen Schaden, indem sie diejenigen, welche nicht so sehr auf streng koscher reflektieren, mit ihren enorm hohen Preisen in christliche Restaurants drängen, und diejenigen, die auf streng koscher reflektieren, indirekt zwingen, anstatt Mittag- und Abendmahlzeiten einzunehmen, nur zu Mittag zu kommen und, um die hohen Preise im eigenen Interesse zu egalisieren, sich Abend mit einem kleinen Imbiß, seien es Eier, Hering, Tee, Kaffee mit Brot usw. benügen. Diese Kalkulation wird eben von manchen Restaurateurs verfehlt gemacht, und dann klagen sie, daß der und jener abends ') Der offizielle Titel heißt: „Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser, e. V. Hamburg". nicht zum Essen kommt, ohne zu bedenken, daß auch der und jener mit sich selbst rechnen muß, speziell wenn er aus Geschäftsreisen ist und selbst sein Brot verdienen muß. Das ist eben der große Schaden, den sich die meisten Restaurateure durch ihre Falschkalkulation selbst zuzuschreiben haben. Sie wollen zuviel auf einmal verdienen und bringen sich dadurch selbst zu unberechenbarem Schaden. Sogar ihr Renommee muß dabei leiden. Denn anstatt, daß sie empfohlen würden, wird vor ihnen gewarnt. Derartige Unterhaltung begegnet einem zu oft aus der Reise. Es wäre daher gut, wenn der Verein auch hierauf fein Augenmerk richten könnte. Daß neuerdings von den vom Hamburger Verein beaufsichtigten Restaurants an die Aufsicht die Bedingung geknüpft wird, daß nur Koscherwein verabreicht werden darf, ist eine Einrichtung, die nur zu begrüßen ist und die eigentlich schon von Beginn hätte vorhanden sein können. Aber noch ein Schaden ist vorhanden, der sich manchmal in Süddeutschland und der Schweiz findet und dem vom Verein aus mit aller Macht entgegengetreten werden soll. Ich will nicht auf bestimmte Restaurants Hinweisen, es ist aber geradezu ein Schlag ins Gesicht für den Verein, wenn er duldet, daß in den mit seiner Aufsicht und in seinem Verzeichnisse aufgenommenen Restaurants Plakate hängen dürfen von Restaurants, die nicht unter seiner Aufsicht stehen, ja sogar manchmal allgemein nicht für koscher gelten. Dem müßte im Interesse der guten Sache und der weiteren Entwicklung des Vereins mit aller Macht entgegengetreten werden. Wenn sich ein Restaurant unter Aufsicht stellt, so darf es sich nicht zu einer Reklame für Restaurants hergeben, die nicht unter Aufsicht stehen. Dadurch würde die Tätigkeit des Vereins eingeschränkt. Gar mancher Restaurateur kann sich sagen, er brauche nicht die Aufsicht des Vereins, wenn nur dessen Restaurateure sich dazu hergeben, seine Plakate aufzuhängen. Der Wenigbereiste kann doch daraus schließen: Wenn in einem strengreligiösen Restaurant das Plakat eines anderen Restaurants hängt, so muh dieses doch auch koscher sein. Nicht minder verwerflich ist es, wenn Restaurants des Vereins Zeitungen der grassesten Neologie halten und dagegen Zeitungen der religiösen Richtung nicht halten. Auch das ist widersinnig, der Restaurateur, dessen Nahrungszweig die Religion, die Orthodoxie ist, unterstützt Unternehmen, welche gegen die wahre Religion arbeiten und bekämpft indirekt diejenigen Unternehmen, welche für das Strengreligiöse einzutreten kein Opfer scheuen. Es sind das alles Winke, die anläßlich der herannahenden heiligen Zeit, die dem Einzelnen, den Restaurateuren und dem so gut wirkenden Koscherverein Veranlassung geben mögen, Verbesserungen herbeizuführen, um sowohl der Religion und auch der Ueberzeugungstreue als der Rentabilität mehr Festigkeit zu verleihen. I. L. W e i s k o p f, Fürth i. B. -- Brief vom Lande. I.XXIX. Sie haben ja keine Ahnung, wie mies mir ist, denn meinen Sie etwa, ich bin so verbohrt, daß ich mir einbilde, ich richte was aus mit meinen wunderschönen Briefen. Jawohl, so einfältig können nur Sie sein, Sie idealistisch angehauchtes Menschenkind, aber ich, ich schreibe mir meinen Aerger einfach von der Leber weg, und wenn Ihr geschätzter Leserkreis rechts und links des Rheins damit einverstanden ist, warum denn nicht? Aber wissen Sie, was mir imponiert hat? Die Annonce jüngst, daß einer eine Suckoh zu kaufen wünscht; drücken Sie bitte, dem braven Mann in meinem Namen fest die Hand. Denn ich muß Ihnen schon gestehen, damit sieht's auch bei uus auf dem Lande recht windig aus. Wenn nämlich in einem Jahre so eine Suckoh ein bißchen

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