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Das jüdische Blatt · 1913-09-26 · 39 (26.9.1913) · p. Seite 2

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
39 (26.9.1913)
Date
1913-09-26
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Za» jüdisch- SI»it Nr. SS. Aber auch eine religiöse Betrachtung der Natur im allgemeinen und des gestirnten Himmels ini besonderen ist für die religiöse Erziehung nichts Hauptsächliches und für sich Ausreichendes. Herrlicher und klarer als durch die Wunder des Universums hat Gott sich offenbart durch die Thora. Wenn der fromme königliche Sänger Gottes Offenbarung in der Natur preist (Ps. 19): „Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes", dann fügt er diesem Preislied gleich den Dank für das Größere bei: „Gottes Thora ist vollkommen". Und wenn der Jude des Abends sein Gebet verrichtet, dann lobt er wohl zuerst den Unsichtbaren, der den regelmäßigen Wechsel im Naturgeschehen schafft und die Sterne nach ihren Abteilungen ordnet, aber dann entströmt den Lippen des Beters der Dank für die besondere unendliche Liebe, die uns der Schöpfer erwiesen dadurch, daß er uns Lehre und Gebote, Satzungen und Rechte gelehrt hat. In der Tat: der gestirnte Himmel könnte uns nur zeigen, daß es einen weisen und mächtigen Schöpfer gibt, den wir bewundern und preisen müssen, die Thora aber lehrt uns, was wir zu tun haben, um seinen Willen zu erfüllen. Dazu braucht man nicht zum Himmel steigen und seine Geheimnisse erforschen, denn die Thora „sie ist nicht im Himmel, sondern nahe ist dir das Wort gar sehr in deinem Munde und in deinem Herzen es zu tun." Dr. Schwarz- Sulz. Palästina in der Interessensphäre Frankreichs. Ein Ergebnis der Balkankriege ist die für die Türkei sich ergebende unabweisliche Notwendigkeit, die Lage ihres asiatischen Reichs verwaltungstechnisch zu vervollkommnen und es wirtschaftlich zu erschließen. Da die Türkei diesen beiden Aufgaben aus eigener Kraft nicht gewachsen ist, ist sie auf die Hilfe Europas angewiesen. Die Türkei behält natürlich die souveräne Gewalt über ihr ganzes asiatisches Reich, aber einige Großmächte erlangen doch in den Gebieten, in denen sie durch die Leitung der Verwaltung oder die wirtschaftliche -Erschließung tätig sind, einen maßgebenden Einfluß. Sie nehmen sich diese Gebiete als Jnteressenpfänder, um sich für alle Fälle zu sichern, oder, etwas feiner ausgedrückt, diese Gebiete werden dadurch zu dem, was man die Interessensphäre dieser oder-jener Großmacht nennt. Die Großmächte, zu denen wir England, Deutschland, Frankreich und Rußland zu zählen haben, scheinen nun durch gegenseitige Verständigung ihre verschiedenen Interessen abgegrenzt zu haben. Deutschland beansprucht natürlich als Interessensphäre das Gebiet, das von der Anatolischen und der großen Bagdadbahn durchzogen wird, das ist eine Strecke, die das Herz Kleinasiens durchschneidet. Mesopotamien und die südlicher gelegenen Landesteile in Kleinasien scheinen England Vorbehalten zu sein. Frankreich, das seit langer Zeit Syrien als feine Interessensphäre beansprucht, scheint sich die Landesstrecke südlich und nördlich der Bagdadbahn gesichert zu haben, also das eigentliche Syrien und Armenien, letzteres wohl mehr als Beauftragter Rußlands. Einer der hervorragendsten Vertreter der türkischen Regierungspartei, Dschavid Bey, weilt gegenwärtig in Paris, um über den Abschluß einer großen türkischen Anleihe zu verhandeln. Man spricht von 500—700 Millionen Francs. Als Gegenleistung für die Bereitstellung dieser Geldmittel werden Frankreich Eisenbahnkonzessionen im nördlichen Anatolien, also in armenischen Landesteilen, zugestanden, die infolge Verständigung mit Deutschland später an die große Bagdadbahn angeschlossen werden sollen. Wichtiger für unsere jüdischen Interessen sind die Frankreich infolge des türkisch-französischen Abkommens in Syrien zu gewährenden Konzessionen. Frankreich hat bereits in diesem Gebiet die Eisenbahn Damaskus—Hama und Damaskus—Beirut. Der Kreuzungspunkt beider ist die Station Rayak. Nun soll infolge der neu an Frankreich zu erteilenden Konzession diese Bahnlinie verlängert werden, indem von Rayak aus an die Bahn Damaskus—Hama—Beirut ein neuer Schienenweg hinzugefügt wird, der längs der Küste von Rayak bis Ramle führt. Ramle aber ist eine Station der Bahn Jaffa—Jerusalem. Der neue Schienenstrang würde also von Norden nach Süden durch ganz Palästina gehen. Im Norden würde von Aleppo aus der Anschluß an die großen anatolischen Eisenbahnen vollzogen und im Süden durch die Fortsetzung der Jaffa—Jerusalem-Bahn Aegypten erreicht werden. So würde die Bahnlinie Rayak—Jaffa und weiter nach Aegypten die Verbindungsstrecke zwischen Syrien und Aegypten werden. Daraus ergibt sich ihre weittragende wirtschaftliche Bedeutung für den Weltverkehr im allgemeinen und ihre besondere Wichtigkeit für Palästina. Frankreich wird durch den Besitz der Palästinadurchquerungs-Eisenbahn die Vorherrschaft in Palästina erlangen. Daß dieser Zweck der Sinn des Abkommens ist, das zwischen Djavid Bey und Pichon abgeschlossen werden wird, geht noch aus anderen Bedingungen dieses Abkommens hervor. Frankreich hat nämlich eine Konkurrenzbahn zur hamidischen Mekkabahn, die von Damaskus nach Mekka führt und bis Mserib mit dieser fast parallel fährt. Von Mserib zweigt dann die hamidische Bahn quer durch die Breite des nördlichen Palästina über Afuli nach Haifa ab. Um das französische Stück der Bahn Damaskus—Mserib rentabler zu gestalten, soll nach dem Abkommen die türkische Regierung Maßregeln ergreifen, um den Verkehr von Damaskus nach Mserib gleichmäßig zwischen der französischen und der hamidischen Linie zu verteilen. Außerdem soll Frankreich Konzessionen bekommen zum Bau der Häfen Jaffa und Haifa in Palästina und von Tripolis (nördlich von Beirut) in Syrien. Aus dem allem geht unzweifelhaft hervor, daß im Sinne dieses Abkommens in der nächsten Zukunft Palästina unter französischen Einfluß gestellt sein wird. Zudem soll nach den Zeitungsberichten aus Konstantinopel der tonangebende Djavid Bey bei seiner Rückkehr aus Paris einem Vertreter des „Stambul" gesagt haben: „Unsere Orientierunh muß nach Frankreich zu gehen.Ich bin Anhänger einer absoluten Entente mit Frankreich sowohl politisch wie wirtschaftlich. In ihr ruht das einzige Heil der Türkei." Daß dieser maßgebende Einfluß Frankreichs in Palästina auf die dortigen jüdischen Interessen eine starke Wirkung ausüben kann, dürste nicht zweifelhaft sein. Die materiellen jüdischen Interessen werden jedenfalls dadurch eine, wesentliche Förderung erfahren. Ob die religiösen Interessen, ob das Erziehungswesen in Palästina dadurch ähnlichen Ansporn erhalten werden, wird im wesentlichen abhängen — von der Alliance I s r a e l i t e Universelle, die zum französischen Auswärtigen Amt Beziehungen hat. Diese hat sich bis jetzt fast ganz aus Palästina zurückgezogen. Aber die Verschiebung der politischen Machtverhältnisse, die Vormachtstellung, zu der nach dem Obigen Frankreich in Syrien und Palästina berufen scheint, wird die Alliance zu einer neuen Orientierung, ihrer Stellung zu Palästina zwingen. Schon im vorigen Winter hat der Generalsekretär Biyart in einer zionistischen Versammlung in Paris Aeußerungen getan, die darauf schließen lassen, daß die Alliance Vorbereitungen zu einer neuen Tätigkeit in Palästina trifft. Ob diese Tätigkeit zum Heile des Judentums ausfällt, hängt davon ab, ob die Alliance gewillt ist, wenigstens in Palästina ihre Schulpolitik gründlich zu ändern. Maachol umischte. 3u bcn großen Opfern, die sich der sronime Jude auszuerlegen hat, ganz besonders auf Reisen, gehört vor allem das Munciiol u misch t (*. Es kommt nun wieder die Zeit herbei, wo wir durch

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