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Das jüdische Blatt · 1913-09-26 · 39 (26.9.1913) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
39 (26.9.1913)
Date
1913-09-26
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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TRefcb und Ausland: Leltungsprelslltte. Wayern: Lettungsnummer 546. - Geschäftsstelle: . M. DuMont Schauberg, Stratzburg i. Elf. - Vertretung für Bayern und Württemberg: Max Eichinger, König!. Hofbuchhändler, Ansbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle; außerdem in Stratzburg durch die Elsäsfische Aktievgesellschaft vorm. A. Ammel. In Basel durch I. Nordmanu, Socinstraße 36. In Zürich durch A. Schneider, Badenerstraße 123. Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Pfg. (exkl. Zustellungsgebühren), per Stteifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.50 Fr. das Vierteljahr, 10 Fr. das Jahr. In der Schwei, per Post 4 Fr. das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. das Jahr. In Oesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. das Jahr. In England 2 Schilling, Amerika 50 Cents per Vierteljahr. -Inserate nach Tarif. — Abonnements nimmt jede pottanttalt entgegen. iv. Aabrgang. Ansbacb-Stratzburg, 26. September 1913, 24. Llul 5673. Ißr. 39. Inhalt. Leitartikel: Religiöse Naturbetrachtung. — Palästina in der Interessensphäre Frankreichs. — Maachol umischlö. — Brief vom Lande. — Aus aller Welt. — Korrespondenzen. — Familiennachrichten. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Rätsel-Ecke. — König und Rabbiner. - Gedaljah. — Inserate. PT" Buc gef. Beachtung! <$ür die nächste Nummer (40) findet Schluß der Nedaktion Montag Nachmittag 4 Uhr statt. Alle» ihren geehrten Lesern, Mitnrsteitern nnd Freunden wünscht herstichst priY'D. Die Redaktion. Zu -j^l □'QS: 'D. Fletigiöse Aaturöetrachlttllg. Zu den Worten unserer ersten Sidrah: „Nicht im Himmel ist sie" (40,26) lesen wir im Midrasch rabbah (8, VI) neben anderem folgende Bemerkung: „Was heißt das: nicht im Himmel ist sie? Samuel sagte: die Thora findet sich nicht bei den Sternkundigen, deren Beschäftigung am Himmel ist." Nun war Samuel selbst ein bedeutender und anerkannter Astronom, worauf ihn auch in der Tat seine Freunde auf seinen Ausspruch hin aufmerksam machten (ib.), konnte er doch von sich behaupten, daß ihm die Pfade des Firmaments ebenso klar seien wie die Pfade seines Aufenthaltsortes Nehardea (Berachot 58b), und auch sonst sehen wir, daß unsere Weisen große astronomische Kenntnisse hatten, was ja schon durch die Kalenderbestimmungen erforderlich war. Wenn also in dem Midraschausspruch Samuels eine Verachtung der Astronomie zu liegen scheint, so richtet sie sich wohl mehr gegen die Auswüchse, welche die Beschäftigung mit dem gestirnten Himmel mit sich bringen kann, wie z. B. gegen astrologischen Aberglauben als gegen die Wissenschaft selber. Wo diese Verirrungen vermieden werden, da ist die Betrachtung des Sternhimmels ein wertvolles Mittel, religiöse Begeisterung zu erwecken. „Erhebet nach oben eure Augen und sehet wer diese geschaffen hat" (Jes. 40,26), mahnt uns der Prophet. Durch das Schauen nach oben, nach den Himmelskörpern, bewundern wir den ordnenden Geist, der das Weltall regiert; im Anblick von Gottes Schöpfergröße erkennen und empfinden wir sowohl unsere eigne Kleinheit als auch unsere Gottesebenbildlichkeit, die uns in den Stand setzt, die göttlichen Gedanken in uns wiederspiegeln zu lassen. „Sehe ich deinen Himmel an, das Werk deiner Finger, den Mond und die Sterne, die du geschaffen: was ist da der Sterbliche, daß du seiner gedenkest, und der Erdensohn, daß du ihn berücksichtigst? Und doch hast du ihm nur wenig von einem göttlichen Wesen fehlen lassen und mit Herrlichkeit und Pracht ihn gekrönt." (Ps. 8.) Dieselbe Wirkung kann freilich auch eine ernste Betrachtung des einfachen Grashalms und des Tautropfens, der auf ihm glitzert, hervorbringen, nur daß die Wunder des gestirnten Himmels sich mehr der Seele aufdrängen. In der Tat hat es unter den Sternkundigen von jeher religiöse Männer gegeben; nach einem solchen (Kepler), der als einer der bedeutendsten Astronomen aller Zeiten anerkannt wird, nennt sich ein moderner Bund, dessen Aufgabe es ist, den irreligiösen Auswüchsen moderner Naturwissenschaft entgegenzutreten durch den Nachweis, daß Frömmigkeit und ernste Wissenschaft sehr wohl miteinander vereinbar sind. Solange wir die Natur als das Schöpferwerk Gottes zu erfassen suchen, kann die Betrachtung des Weltalls ein Mittel religiöser Förderung nnd Erziehung sein, Das Gegenteil tritt ein, wenn die Natur als etwas Selbständiges, die sichtbare Welt als die einzige und darum höchste Wirklichkeit aufgefaßt wird. Einem Astronomen wird die Behauptung in den Mund gelegt, er habe mit seinem Fernrohr den Himmel durchforscht, aber Gott im Weltenraum nicht gefunden. Gegen derartige anmaßende Torheiten mag wohl Schiller seinen Spottvers „An die Astronomen" gedichtet haben: „Euer Gegenstand ist der erhabenste freilich im Raume, Aber, Freunde, im Raume wohnt das Erhabene nicht." Es kann also Naturbetrachtung und -Bewunderung zu Verirrungen führen. Es ist dies z. B. auf der jüngsten Tagung des Monistenbundes, ans der mit vornehmer Handbewegung, den Berichten nach, über Gott, Freiheit und Unsterblichkeit zur Tagesordnung übergegangen wurde, znm krassen Ausdruck gekommen. Gegen einen solchen Tiefstand würde denn auch das Wort Samuels, von dem wir ausgegangen sind, im allgemeinsten Sinne seine Berechtigung haben.

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