Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 38 (19.9.1913)
- Date
- 1913-09-19
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38. Das indische Matt. 7 Rußland. Reue Judenklauseln. Wie die in Petersburg erscheinende „Denja" schreibt, hat der Ministerrat einige neue Aktiengesellschaften bestätigt, jedoch mit dem ausdrücklichen Vorbehalt, daß die Direktoren dieser Betriebe keine Juden sein dürfen, auch die Zahl der Juden im Bestände der Verwaltungen der Betriebe sei beschränkt. Weiter heißt es: Die Statuten der Aktiengesellschaft der Nikolajewer Fabriken und Werften wurden bestätigt, doch dürfen in den Bestand der Direktoren und der Direktorkandidaten keine Juden ausgenommen werden. Die großen christlichen Vertreter des Handels für die Juden. Bekanntlich haben die Juden durch eine Delegation beim Premierminister in Petersburg, Kokowzew, um Milderung der harten gegen sie ergriffenen Maßregeln ersucht. Eine Unterstützung fand diese Bitte neulich durch den ersten Vertreter des Handels auf der Messe in Nischni Nowgorod, den Abgeordneten Saloskin. Dieser bat den Premier um baldige Erfüllung des Oktobermanifestes, das allen Bürgern gleiche Rechte versprach. Der Premier vermied es, etwas darauf zu erwidern. Aber aus allen Teilen des russischen Reiches ergeht der gleiche Ruf an die Regierung von seiten der christlichen Vertreter des Handels. Die Präsidenten der Börsen m in? ' .v ....Ja Zöglinge des Kindergartens I des Deutschen Kilfsvereins in Jerusalem beim Hürnen. In jüngster Zeit hat der Minister des Innern einen Frage-! bogen an die Fabrikanten versandt. Die ersten drei Fragen interessieren uns nicht. Die vierte Frage heißt: Wer ist der Leiter der Fabrik: ein Russe, ein Jude, oder ein Ausländer? Dann fragt das Ministerium die Fabrikanten nach der Zahl Juden und Ausländer, die in der Gegend der Fabrik wohnen und wieviel Bodenbesitz sie haben. Das genügt aber dem Ministerium noch nicht. Die Fabrikanten werden noch gefragt, ob die Juden nicht eine schlechte Wirkung auf die Bevölkerung, besonders auf die Bauern ausüben. Die letzte Frage lautet: Wird die Bevölkerung durch die Fabrikanten nicht ausgebeutet? Mit dieser Meldung ist noch folgende zusammenzustellen: Eine Anzahl ausländischer Kapitalisten verfolgte den Plan, eine Neva-Dampfschiffsgesellschaft in St. Petersburg zu gründen. Als sie aber Kunde von der Absicht der Regierung bekam, die Teilnahme jüdischer Mitarbeit bei kapitalistischen Unternehmungen und ihre Anteilnahme im Rate der Aktiengesellschaften einzuschränken, hat die im Entstehen begriffene Dampfschiffsgesellschaft schleunigst den Plan aufgegeben. in Odessa und Charkow, der Vizepräsident der russisch-italienischen Handelskammer, leitende Personen des Handels und Besitzer großer Handelshäuser versichern alle, daß die Verfolgung der Juden dem russischen Handel großen Schaden zufüge und verlangen deren Einstellung. Der Kohlemnangel in Rußland wird dem großen Mangel an Ingenieuren, Kapitalisten und Unternehmern zugeschrieben. Trotzdem werden die Juden in ihrem Bildungsgang und in ihrer Freizügigkeit beschränkt, um sie jedweden Industriezentren sernzuhalten. Eine amerikanische Kommission in Rußland. Die amerikanische Regierung, betroffen. von der stets zunehmenden russisch-jüdischen Einwanderung nach Amerika, hat den Eindruck, daß diese Auswanderung aus Rußland die Merkmale einer nationalen Bewegung an sich trage. Sie hat sich daher entschlossen, eine besondere Kommission nach Rußland zu entsenden zum Studium der wirtschaftlichen und sozialen Lage der Juden in Rußland. Diese Kommission wurde durch besonderen Auftrag bei der russi-