Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 38 (19.9.1913)
- Date
- 1913-09-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Das iödtfche Dlatt. Nr. 38. losgesagt und sich mit der ganzen Fülle ihres Gefühls auf die Arbeit geworfen habe. Da es schon spät war. wurde die Sitzung abgebrochen und eine Palästinakommission von 40 Mitgliedern gewählt. IX. Sitzung. Montag, 8. Sept., vorm. Die Debatte über die Palästinaarbeit geht weiter. Fast alle Redner wenden sich gegen die Kritik Kanns. S o k o l o w betont, daß für den Zionismus die Gewinnung der amerikanischen Juden von größter Wichtigkeit sei, besonders sei der Anschluß zweier hervorragender Persönlichkeiten Amerikas an den Zionismus, nämlich Nathan Strauß und Jak. Brand eis, ein großer Gewinn. Der Präsident des Galizischen Zentralkomitees teilt mit, daß die Sammlung, die Dr. Zipper für das neue hebräische Gymnasium in Jerusalem veranstaltet hat, bereits die verlangten 100 000 Frs. ergeben hat. Ussischkin verteidigt das Palästinaamt. Die wichtigsten Aufgaben der Palästinaarbeit seien, das Prinzip jüdischer Arbeit durchzuführen, Schaffung einer Agrarbank, und Hebung der materiellen und kulturellen Lage von Jerusalem. Dr. Ruppin suchte die Kritik Kann's zu widerlegen. Durch eine nicht sachverständige Kritik wie die Kann's werde die Palästinaarbeit geschädigt. Der einzige Fehler an der Palästinaarbeit sei der: es fei zu wenig getan worden. Die Kritiker täten besser daran, "selber mitzuarbeiten und das Fehlende zu ergänzen. Es müsse doch etwas an der Palästinaarbeit sein, wenn tausend jüdische Arbeiter nach Palästina gekommen seien, die in Amerika ein besseres Leben hätten finden können. X. Sitzung. Montag, 8. Sept., nachm. Fortsetzung der Debatte über die Palästinaarbeit. Es reden acht Generalredner. Einer von diesen ist wieder Kann. Er erwidert scharfsinnig. Ich beweise, sagt er, 2 mal 2 ist 4; kommt Dr. Lewin und antwortet: Hedad! Die hebräische Sprache! Ist das eine Antwort? Was die persönlichen Angriffe angeht, so sage ich: ich arbeite schon 15 Jahre in der Bewegung und meine 15 Jahre Arbeit sind in meinen Augen nicht weniger wert wie die Arbeit meiner Gegner. Dr. Ruppin erklärt in seinem Schlußwort, er habe nicht die Absicht gehabt, irgend jemand zu beleidigen. Die Resolution Dr. Halpern geht durch, durch die die Arbeit des Palästinaamts gebilligt und deren Fortsetzung auf der bisherigen Grundlage gefordert wird. Schluß 8 Uhr. XI. Sitzung. Montag nacht, 9 Uhr. Der Hauptinhalt dieser Nachtsitzung war das Projekt der Gründung einer jüd. Universität in Jerusalem. Die auf dem Kongreß dafür gesammelte Summe beträgt 700 000 Franks. Slatopolsky berichtet über den „K e d e m". „Kedem" ist eine in London gegründete Gesellschaft, die die kulturelle A r beit in Palästina zum Zweck hat, nämlich Gründung von Schulen, Bibliotheken, Museums, Sprachakademien, Herausgabe von Büchern und Zeitschriften und Forderung der hebräischen Bühne. Die Gesellschaft „Kedem" ist selbständig, unter der Aufsicht des Aktionskomitees wie der Nationalfonds. Feldstein-Warschau hat ihn ins Leben gerufen mit einer Spende von 40 000 Frs. Ussischkin- Odessa hält eine lange Rede über Kulturarbeit in Palästina, zuletzt Uber Gründung einer Universität in Jerusalem. Prof. W e i z m a n n - Manchester hält ein ausführliches Referat über diesen Plan und sucht die Möglichkeit der Gründung mit kleinen Mitteln zu beweisen, an dem Beispiel der Universitäten von Beirut und Brüssel. Große Begeisterung erfüllt die Reden. Eine Debatte findet nicht statt. Man ist müde und beifallsfreudig. Bei den Worten Ussischkins, es seien bereits 365 000 Frs gestiftet, erhebt sich ein Sturm des Beifalls. Nach Weizmann sprechen noch in eindringlichen Reden Dr. G a st e r, Dr. D a i ch e s, Dr. Mossinsohn und Dr. Klausner. X II. Sitzung. Dienstag, 9. Sept., vorm. Fortsetzung der Beratung über die Kulturarbeit, namentlich die Universität. Nachdem B e n d e r s k y - Kiew die Notwendigkeit der Universität und die Möglichkeit ihrer Gründung erwartet, übt Rabbiner Reines- Lida Kritik am hebräischen Gymnasium und bezeichnet die dort geübte Coedukation als unjüdisch. Eine erregte Szene spielte sich dann ab. Struck greift das Buch: „Vom Judentum" an, dessen Verfasser das Mitglied des großen Aktionskomitees, Ad. B o e h m - Wien, ist. Er zitiert Stellen aus dem Buche. Unter anderen: „daß mancher Zionist diese Rückkehr dahin auffaßt, daß sie eine solche zum heutigen Judentum bedeutet. Was kann dieses aber dem modernen Juden geben. ... Er sieht vielmehr klar den Fortschritt, den es bedeutete, als das Christentum den Quell der religiösen Sittlichkeit in das Innere der Menschenbrust entleerte". Die Rede SUucks rief ungeheuere Erregung hervor und machte eine Wiederwahl Boehms ins Große Aktionskomitee unmöglich. Dr. N. K a tz e n e l s o h n - Libau erstattete den Bericht über die Jüdische Nationalbank, der zum größten Teil bereits in der Presse veröffentlicht wurde. XIII. Sitzung. Dienstag, 9. Sept., nachm. Einige Gegner der Universität kommen zum Wort: Ehrenreich- Newyork, Abromowitsch-Slatopölsky. Dr. Heinrich Löwe verteidigt in beredten Ausführungen das Universitätsprojekt. Hierauf wird folgender Antrag angenommen: Der Kongreß beschließt, das Engere Aktionskomitee aufzufordern, eine Kommission einzusetzen zum Zweck der Vorbereitung der Gründung einer Universität in Jerusalem. Prof. Dr. Weizmann: Im Aufträge des Permanenzausschusses habe ich folgende Erklärung abzugeben. Der Permanenzausschuß hat in seiner Sitzung am Sonntag den Beschluß gefaßt, daß nach seiner Meinung das Große Aktionskomitee mit dem Aufsichtsrat der Bank identisch sein soll. Auf Ersuchen des Engeren Aktionskomitees aber, welches sich im Laufe des Kongresses mit der Vankleitung verständigt hat, hat der Permanenzausschuß darauf verzichtet, auf Durchführung des Beschlusses weiter zu best ehe n. Indem ich diese Erklärung im Namen des Permanenzausschusses abgebe, stelle ich gleichzeitig den Antrag, über alle weiteren Erklärungen und Anträge zu diesem Punkte zur Tagesordnung überzugehen. Die Poale Zion und Zeire Zion (sozialistische Arbeiter Palästinas) erklären, daß sie auf keinen Kompromiß eingehen, die westösterreichische Landsmannschaft schließt sich unter dem Druck der Verhältnisse dem Antrag an. Der Antrag Weizmann wird angenommen und die Sitzung geschlossen. Schlußsitzung. Dienstag, 9. Sept., abends 9% Uhr. Die Vorschläge des Permanenzausschusses werden dem Kongreß von Dr. Weizmann unterbreitet. In das Engere Aktionskomitee werden gewählt: Prof. Dr. Otto W a r b u r g-Berlin, Rechtsanwalt Dr. A. Hantke- Berlin, Dr. S. Jakobfoh n-Konftantinopel, Dr. Schemarja Lewin- Haiffa, Nahum S o k o l o w - Berlin, Dr. Jechiel T s ch l e n o w - Moskau. Prof. Marburg begrüßte die Wahl Dr. Tschlenows ins Engere Aktionskomitee, sprach dem Präsidium seinen Dank aus und erwähnte in warmen Worten die sympathische Haltung der Wiener Bevölkerung und der österreichischen Presse. . Sodann wurde eine von Rabb. Dr. O. Thon-Krakau eingebrachte Resolution einstimmig angenommen, die dem P r o t e st des Zweiten Kongresses gegen den Kiewer Prozeß Ausdruck verleiht. Mit einem Schlußwort W o l f s o h n s und dem tausendstimmigen Gesang der „Hatikwa" wurde der 11. Kongreß geschlossen. Wien W., 31. August 1913. , u11 Nachmittagsstuuden herrschte im Bethovensaa bereits lebhafte Geschäftigkeit. Es ist zwar die Zweiggruppe de.