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Das jüdische Blatt · 1913-09-19 · 38 (19.9.1913) · p. Seite 2

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
38 (19.9.1913)
Date
1913-09-19
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Das jüdische Kiatt Nr. 38. V. ^cliouiuti dolcnul ^Vdcmaj: ich habe auf Gottes Stimme gehört. So klang das Bekenntnis des Israeliten aus, welcher die Erstlingsfrüchte seinem Gotte geweiht. Des Juden Rückgrat ist biegsam geworden. Unwissenheit und Willenlosigkeit machen ihn allen Einflüssen zugänglich; die Stimme des Nachbars und die Stimme der Bequemlichkeit übertönen seines Gewissens Stimme. Der moderne Jude ist bei aller Scheinbildung eine Marionette, ein Mitläufer, der mit der drolligen Folgsamkeit eines Schattens sich anschmiegt und sich anpaßt. Er muß sich wieder auf sich selbst besinnen, den Mut gewinnen zum eigenen Bekenntnis, den Willen, Gottes Wort als Gottes Gesetz anzuerkennen. Dr. M. Debr6. -:--:- Jüdische Hagungen des Winters. Verband der Deutschen Inden. Als erster von den großen deutsch-jüdischen Verbänden wird der Verband der Deutschen Juden seine Hauptversammlung am 9. November d. I. in Hamburg abhalten. Abgesehen von dem üblichen Geschäftsbericht des Vorsitzenden werden Vorträge gehalten werden von Rabbiner Dr. G o l d s ch m i d t - Königshütte über „Die soziale Fürsorge in der jüdischen Religion" und von dem Reichstagsabgeordneten Dr. Ludwig Haas über „Die Juden im öffentlichen Leben Deutschlands". Im Anschluß an diesen Judentag werden in Hamburg noch tagen: Der Verband jüdischer Krankenpflegerinnen, vielleicht auch noch der Verband der Literaturvereine. Deutsch-Israelitischer Gemeindebund. Von größerer Bedeutung für das aktuelle Gemeinschaftsleben verspricht der Gemeindetag des Deutsch-Israelitischen Gemeindebunds zu werden, der im Dezember in Berlin stattfinden wird. Auf der Tagesordnung werden wohl zwei wichtige Punkte nicht fehlen, die einen großen Kampf der Geister entfesseln werden, nämlich die Einführung des P r o p o r t i o n a l w a h l r e ch t s für den Gemeindetag und die Frage der jüdischen Volksschule. Deutsch-Israelitischer Gemeindebund und Verband der jüdischen Lehrervereine. Die Frage der jüdischen Volksschule scheint sich zum Streitfälle zwischen dem Verband der jüdischen Lehrervereine und dem Gemeindebund auszuwachsen. Es dürfte noch bekannt sein, daß auf dem 6. Gemeindetage in Berlin im Anfang des Sommers der Gemeindetag prinzipiell Stellung gegen die jüdische Volksschule genommen hat. Er hat es vor allem abgelehnt, für Einrichtung von jüdischen Volksschulen in den Großgemeinden einzutreten. Gerade durch Einrichtung von jüdischen Volksschulen in den Großgemeinden aber könnten eine Menge jüdischer Lehrer in nützliche Lebensstellungen gelangen und könnte den allgemeinen jüdischen Interessen in hervorragendem Maße gedient werden. Davon abgesehen war es empörend, zu sehen, mit welcher frivolen Beweisführung der Referent des Gemeindebunds, Prof. Blaschke, die ablehnende Haltung des Gemeindebunds zu begründen suchte. Es stellte sich übrigens jetzt deutlich heraus, daß der maßgebende Grund bei dem Gemeindebund ein politischer ist, wie wir sofort nach Bekanntwerden der Angelegenheit betonten. Die Führer im Gemeindebund sind zugleich führende Mitglieder der fortschrittlichen Partei, die den Kampf gegen die konfessionelle Schule auf ihre Fahne geschrieben hat. Das Programm dieser politischen Partei wird bei den Entschlüssen dieser Herren über die Interessen der religiösen Erziehung unserer Jugend gestellt. Denn es ist doch klar, daß die von den liberalen Parteien verlangte Simultanschule im Grunde eine christliche Schule ist, und daß für die Erziehung unserer Kinder eine gute jüdische Schule hoch über die beste Simultanschule zu stellen ist. Außerdem ist es zweifellos, daß auf absehbare Zeit die konfessionelle Schule in Preußen-Deutschland festgelegt und daß der Kampf gegen die konfessionelle Schule reine Theorie ist. Nichtsdestoweniger wird von den Führern des Gemeindebundes die Politik über die Interessen der Religion und der Schule, der Lehrer gestellt. Es läßt sich daher begreifen, daß die Lehrerverbände über dieses Verhalten des Gemeindebundes unwillig sind. Die Vorstandssitzung des Verbands der jüdischen Lehrervereine, welche diese Fragen des Verhältnisses des Lehrerverbandes zum Deutsch-Israelitischen Gemeindebund besprochen hat, hat am Sonntag, den 7. September in Berlin stattgefunden. Der Lehrerverband beharrt natürlich auf seinem Standpunkte und verlangt, daß die Frage der jüdischen Volksschule aus die ^Ägesordnung des VI. Gemeindebunds kommt, der im DezerWer stattfinden soll. Die Beschlüsse der Vorstandssitzung dienen zurVorbereitung des ebenfalls imDezember dieses Jahres in Breslau stattfindenden Lehrerverbandstages. Wenn wir richtig unterrichtet sind, soll beschlossen worden sein, bei dem Lehrerverbandstage die Genehmigung des Antrags zu erwirken, daß der Lehrerverband auf die Subvention des D. I. Gemeindebunds verzichte. Die Annahme eines solchen Antrags würde auf eine Trennung des Lehrerverbands vom Gemeindebund hinauslausen. ßrgeönisse des XI. Zionilienkongresses. Der XI. Zionistenkongreß in Wien hat das System der „Praktischen", das schon von seinem Vorgänger vor 2 Jahren in Basel angenommen wurde, bestätigt. Die „Politik", die Erlangung der öffentlich-rechtlichen Heimstätte, wird zwar nicht aufgegeben, aber sie tritt in den Hintergrund. Die Hauptaufgabe bleibt die a l lmähliche Kolonisierung Palästinas mit jüd. Bauern und Arbeitern. Das Engere Aktionskomitee hatte bei Beginn des Kongresses zwar die Macht über die Bank verlangt, um die von den Zionisten aufgespeicherten Gelder der kolonisatorischen Arbeit in Palästina dienstbar zu machen. Aber es war einsichtig genug, auf die Erfüllung dieses«Verlangens „nach Verständigung mit der Bankleitung" zu verzichten. Der Kompromiß, der uns von vornherein wahrscheinlich erschien, ist abgeschlossen worden. Das ist das eine Hauptergebnis der Kongreßverhandlungen. Das andere Ergebnis ist die beschlossene Weiterentwickelung der Kulturarbeit. Unter zionistischer Kultur ist die Förderung der hebräischen Sprache, die Gründung von national-zionistischen Schulen, die Verbreitung der nationalen zionistischen Ideen durch Bibliotheken, Volkshäuser, Theater usw. zu verstehen. Zur Hebung dieser nationalen Kulturarbeit ist auf dem Kongreß sogar ein neuer Fonds eingesetzt worden, der „Kedem". Von Religion ist dabei nicht die Rede. Im Gegenteil, nach der bisherigen Entwicklung zu urteilen, ist die zionistische Kulturarbeit in Palästina geradezu religionsfeindlich. Wir sagen: In Palästina! Denn man muß zugeben, daß in den Ländern außerhalb Palästinas die Zionisten oft dabei sind, wenn es gilt, jüdische Institutionen gegen den Ansturm der Liberalen zu halten. Ihre Kulturarbeit in Palästina aber ist dazu angetan, „die Grundlagen der Religion zu zerstören". Auf dem letzten Kongreß in Basel war ein heftiger Kampf

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