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Das jüdische Blatt · 1913-09-19 · 38 (19.9.1913) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
38 (19.9.1913)
Date
1913-09-19
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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+ ♦♦ fall TRelcb und Ausland: Leitungspretslllte. Kayern: Lettungsnummer 546. Geschäftsstelle: M. DuMont Tchauberg, Stratzburg i. Elf. Vertretung für Bayern und Württemberg: Max Eichinger, König!. Hofbuchhtindler, Ansbach (Bayern). Zu beziehen: Durch die Geschäftsstelle; außerdem in Ttratzburg durch die Slsässtsche Aktiengesellschaft vorm. A. Ammel. In Basel durch I. Nordmann. Socinstraße 36. In Zürich durch A. Schneider, Badenerstraße 123. Bezugsbedingungen: Pro Quartal per Post 75 Pfg. (exkl. ZusrellungsgebUhren), per Streifband M. 1.25. In Frankreich unter Streifband 2.j0 gr. das Vierteljahr. 10 Fr. das Jahr. In der Schwei, )>« W 4 Fr das Jahr ohne Bestellgeld, unter Streifband 10 Fr. das Jahr, ^n Oesterreich per Post 4 Kr., per Streifband 9 Kr. das Jahr. In England 2 Schilling, Amerika 50 Cents per Vierteljahr. - Inserat e nach Tari f. Abonnements nimmt jede Vottanltalt entgegen. iv. Zabrgang. Ansbacb-Straizburg, 19. September 1913. 17. Llul 5673. Dr. 38. Inhalt. Leitartikel: Ein Bekenntnis. — Jüdische Tagungen des Winters. — Ergebnisse des XI. Zionistenkongresses. — Bericht über den XI. Zionistenkongreß. — Misrachi-Konferenz. — Brief vom Lande. Aus aller Welt. — Korrespondenzen. — Wochenkalender. — Gebetszeiten. — Familiennachrichten. — Rätsel-Ecke. -- Bücherbesprechung. — Gedaljah. — Spendenliste des Erez-Jsroel-Bureau-Mülhausen. — Inserate. Zu ann 'q. Ein Bekenntnis. (Linst brachten die Israeliten die Erstlinge ihrer Flur dem Ewigen als Altarspenden. Das war ein rauschendes Fest. Alle Bewohner der Orte, die zu einem Landstand gehörten — es gab deren 24, entsprechend den 24 Priesterabteilungen — versammelten sich in der Kreisstadt und lagerten dort auf den freien Plätzen. Am Morgen brachen sie auf unter Gesang und Musik, beladen mit frischen und dürren Feigen, mit Trauben und Rosinen. Der Stier, zum Freudenopfer bestimmt, geschmückt mit einem Ölkranzzweig, die Hörner mit Gold belegt, zog vor ihnen ber. Priester, Leviten und Schatzmeister in feierlichem Zug holten die Festgäste vor den Toren Jerusalems' ein, und die Handwerker, welche auf der Straße ihr Gewerbe trieben, erhoben sich beim Anblick der Fremden von ihren Sitzen und begrüßten sie mit den Worten: „Brüder, seid uns willkommen." Am Tempelberg angelangt, nahm jeder seinen Korb auf die Schulter und ging hinauf zum Vorhof. Da wurden die Erstlinge gespendet. Aber bei dieser Spende durfte das Bekenntnis nicht fehlen. I. Itiurti hahaixle^oh inin liabajitli. Ich habe weggeräumt das Heilige aus dem Hause. So bekannten die Treuen. Es lag darin die Versicherung, daß sie die Abgaben für die Armen an Getreide und Geld gewissenhaft entrichtet hatten. Haben auch wir das Heilige aus dem Hause geräumt? Gewiß. Eine traurige Wahrheit.. Unsere Tische sind keine Altäre, der Vater nicht Priester und die Mutter nicht Hüterin und Pflegerin ihres Heiligtums. Der Vater weitet dem Sohn das Gewissen und die Mutter läßt verlöschen die religiöse Glut im Herzen ihrer Tochter. Der Vater kniet nieder vor der Weisheit des einzigen Sohnes, und die Mutter pflanzt Ansprüche in das Hirn der einzigen Tochter. Plötzlich, da kommt die Enttäuschung. Aber beide, Vater und Mutter, müssen stumm sein. Sie tragen die Schuld am tragischen Ende. II. Loli ochalli beauni mimeim: Nicht habe ich in Trauer davon gegessen. Die Opfermahle dursten nicht in Trauerzeit und nicht in Traurigkeit genossen werden. Fröhlichen Sinnes soll der Jude sein Leben leben, fröhlichen Sinnes seine Feste feiern. Die Erde ist kein Jammertal, und das Judentum kein Mönchtum. Das Judentum ist eine Religion des Optimismus: seine Bekenner sollen lebensfroh das Brot essen, das ihnen Gott geschenkt, und nicht in düsterer Bitterkeil und Verdrießlichkeit die Gaben verschmähen, womit ihr Schöpfer sie gesegnet. Juden, welche übelgelaunt durch die Welt ziehen, sind sich und ihren Mitmenschen eine Last. Sie haben den Geist des Judentums nicht begriffen. m. Loli biarti niiiiieim betonte: Nicht in Unreinheit habe ich es verbraucht. Mit reinem Gewissen konnten die Pilger vor den Altar hintreten. Ihre Seele war rein. Gewiß, wir sollen unsere Tage nicht vertrauern, sollen uns dem freudestrahlenden Lichte des Tages nicht entziehen. Wir sollen das froh gebotene Glas der Lebensfreude nicht verschmähen, jedoch der Kelch, den wir leeren, muß mit gottgewollten Freuden gefüllt sein. Nicht darf Unreinheit am Lebensbecher kleben. IV. Loh nosatti mimeim lameth: Nicht gab ich Toten davon. Mein ganzer Dienst galt dem Leben, nie dem Tod, bekannte der frohe Pilger. Viele, welche ihr Judentum bis auf die letzte Spur aus ihrem Haus getilgt haben, erinnern sich wieder ihres Glaubens auf dem Gräberhaus. Der Friedhof wird für sie zum Tempel, der Sarg zur Gesetzeslade, der Leichenstein zum Symbol, der ermahnt und ermutigt. Manchen hat aber auch der Tod nichts mehr zu sagen. Sie verbitten sich höflichst die Kondolenzbesuche, finden die Trauertage angreifend und aufreibend und haben so wenig Uebung im Kaddischgebet, daß sie es am Schluß des Trauerjahres noch nicht lesen können. So sehr gebricht es ihnen an Zeit für einen verstorbenen Vater oder eine Heimgegangene Mutter, welche doch selbst zu ihren Lebzeiten für sie stets Zeit hatten. Religionslosigkeit und Pietätlosigkeit gehen eben Hand in Hand.

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