Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 37 (12.9.1913)
- Date
- 1913-09-12
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 37. Das jüdische Matt. 7 trotzdem er ein perfekter englischer Gentleman ist, doch alles unterlasse, was irgendwie seine religiösen Gefühle sowie die religiösen Gefühle seiner Glaubensgenossen verletzen könnte. Aus diesem Grunde haben Leopold de Rothschild sowie die übrigen Mitglieder des englischen Rothschild-Hauses es bisher immer unterlassen, an Sabbaten, jüdischen Festtagen, sowie an den neun Trauertagen zum Andenken an die Zerstörung Jerusalems an öffentlichen Veranstaltungen, in welcher Form immer, teilzunehmen. Aus diesem Grunde habe er auch mitgeteilt, daß seine Farmen bei den dieswöchentlichen Rennen nicht vertreten sein werden. Es sei hier erwähnt, daß Leopold de Rothschild an den jüdischen Angelegenheiten regen Anteil nimmt und unter anderen Aemtern auch das Schatzmeisteramt im Emigrationsdepartement der Jto, sowie in der geographischen Kommission dieser Organisation bekleidet. R«mü«ien. Der Direktor der städtischen Wohlfahrtsanstalten in Philadelphia Hermann Loeb hat einen Plan ausgearbeitet und veröffentlicht, der den Zweck hat, die gesamten 250 000 Juden von Rumänien in Texas anzusiedeln. Die Aktion würde nach der Aufstellung des Direktors Loeb 10 Millionen Dollar beanspruchen. Loeb erklärt jedoch, daß er als praktischer Amerikaner einen Plan nicht nur entwirft, sondern auch den Weg zeigt, wie diese Mittel zu beschaffen seien. Er habe von hervorragenden Philanthropen in Amerika sowohl als auch in Europa bereits die feste Zusicherung einer großen materiellen Förderung des Projektes. Ebenso haben ihm maßgebende Persönlichkeiten aus Texas versichert, daß der Durchführung dieses Planes von Seite der texanischen maßgebenden Kreise nicht nur kein Hindernis in den Weg gelegt, sondern die weitestgehende Unterstützung entgegengebracht werden wird. Loeb erklärt auch gleichzeitig, daß er bei der Durchführung seines Planes durchaus nicht auf eine Unterstützung seitens der Regierung rechne, sondern im Gegenteile die ganze Aktion auf die Basis der Selbsthilfe und eines Uebereinkommens gedacht ist, in welchem es klar zum Ausdrucke kommen soll, daß der Staat Texas die Ueberzeugung hat, durch eine Kolonisation zu gewinnen und andererseits die zu kolonisierenden Juden sich von vornherein dessen bewußt werden, daß sie in Texas prosperieren und in jeder Beziehung sich frei entwickeln werden. Aber ebenso energisch lehnt Direktor Loeb den Gedanken ab, die rumänischen Juden in die Industriestädte zu verteilen, denn wie er sagt, gebe es in Amerika auch jetzt schon viel zu viel Ghetti. Diese zu vermehren wäre ein Verbrechen. Palästina. Ein jüdisches Ariedensgericht mit Ausschluß des Rabbinats. Der „Tog" meldet aus Jaffa: Schon seit langem existiert in Jaffa ein jüdisches Friedensgericht, das sich die Ausgabe gestellt hatte, in Streitfällen zwischen Juden in Jaffa das Friedensrichteramt zu übernehmen. Diese Institution war bisher eine private Schöpfung des Palästinaamtes in Jaffa. Nun wurde dieser Einrichtung ein mehr öffentlicher und offizieller Charakter dadurch verlieheu, daß die 23 Mitglieder derselben aus Vertretern der verschiedenen jüdischen Institutionen und Organisationen in Jaffa gebildet wurden. So gehören diesem Friedensgerichte jetzt an: das Palästinaamt, die Chowewei-Zion, Hapoel-Hazoir, der Verband der jüdischen Handwerker, Vertreter der Kolonien usw. Bezeichnend für den Geist und die Richtung dieses Amtes ist, daß bloß eine Körperschaft aus diesem kleinen Synhedrion ausgeschlossen wurde, und zwar gerade diejenige, welche seit uralter Zeit nicht nur im Orient, sondern auch in Europa für viele Juden das inappellable Richteramt darstellt, nämlich das Rabbinat und das Beth Din. Weder das sephardische noch das aschkenasische Rabbinat wurden aufgefordert, ihren Vertreter in dieses rechtsprechende Kollegium zu entsenden. Allerdings wurde es auch zum Prinzipe erhoben, bei den Rechtssprüchen den Schulchan-Aruch und die jüdischen Dezisoren unberücksichtigt zu lassen. Amerika. Eine Statistik der jüdischen Soldaten in Amerika. Die Newyorker „Hebrew Sheltering and Immigrant Aid Society" hat soeben einen Aufruf erlassen, in welchem sämtliche Juden, die in Amerika im Militärdienst zu Lande oder zur See stehen, aufgefordert werden, sich zu melden, um eine genaue Statistik über die Juden im amerikanischen Heere zu erlangen. Diese Aktion ist dadurch hervorgerufen worden, daß in den Newyorker führenden Blättern in jüngster Zeit die Diskussion darüber geführt wurde, ob die eingewanderten Juden ihrem neuen Vaterlande auch wirklich eine opferwillige Liebe entgegenbringen. Ein hoher Militär hat nun in dieser Diskussion die Behauptung aufgestellt, daß die Juden in viel größerer Anzahl im amerikanischen Heere vertreten sind, als es ihrer Verhältnisziffer zur allgemeinen Bevölkerung entsprechen würde. Pietätvolle Auswanderer. Aus Newyork wird uns geschrieben: Auf dem Schiffe „George Washington", das dieser Tage, von Bremen kommend, in Newyork landete, starb während der Ueberfahrt ein junger jüdischer Auswanderer namens Isaak Singer im Alter von 32 Jahren. Den Vorschriften gemäß hätte die Leiche des Verstorbenen ins Wasser versenkt werden sollen. Als die Mitreisenden jüdischen Auswanderer hievon erfuhren, veranstalteten sie unter einander sofort eine Sammlung, als deren Ergebnis sie zunächst dem Kapitän 700 Jl zur Deckung der Einbalsamierung des Leichnams mit der Bitte übergaben, von der Versenkung ins Meer abzusehen und zu gestatten, baß Singer in Newyork nach jüdischem Ritus begraben werde. Den Rest der Sammlung von 300. li übergab man dem Kapitän mit der Bitte, diese Summe mit der Verständigung von dem Todesfall an die junge, in der alten Heimat zurückgebliebene Witwe gelangen zu lassen. Der Kapitän, gerührt von diesem Akt der Pietät, willfahrte den Wünschen der jüdischen Passagiere, und so wurde Isaak Singer nach Einlaufen des Schiffes in Newyork auf einem jüdischen Friedhof daselbst zur ewigen Ruhe bestattet. gg Korrespondenzen. 11 - Elsa st-Kotlirtnge«. - Straßburg. Einen schweren Verlust hat die Straßburger Gemeinde erlitten durch das plötzliche Hinscheiden des Herrn Lucien Reishofer. Er war ein guter Jehudi. Als Knabe von 14 Jahren wanderte er nach Ceara in Brasilien aus, wo er es in 30jähriger -Tätigkeit durch Fleiß und Treue zu ansehnlichem Wohlstände brachte. In diesen 30 Jahren unterließ er es nicht, alle 2 Jahre nach der Heimat zu reisen, um Kibbut Av weem zu üben; dieses Gebot übte er in geradezu vorbildlicher Weise mi2. Vor 12 Jahren ließ er sich wieder in Straßburg nieder. Herr Reishofer wurde sofort in das Wohltätigkeitskomitee gewählt, wo er ein Feld so ganz seinen Neigungen entsprechend vorfand. Voriges