Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 37 (12.9.1913)
- Date
- 1913-09-12
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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6 Das jüdische glitt Die letzten zwei Generalredncr, M v sz k i n und W e i z m ci n n, sprechen für den Bericht, d. h. für die Forderung der Leitung, die Macht über die Banke» zu erlangen. Motzkin meint, die Opposition habe cs bisher versäumt, aus eigener Initiative Besseres zu schaffen. Eine solche Leistung wäre nützlicher als bloße Kritik. Der Leitung gebühre vielmehr Dank für ihre mutvolle und erfolgreiche Arbeit. Dagegen verdiene die Leitung weniger Anerkennung in ihrem Verhalten gegenüber den Parteien innerhalb der Bewegring. Sic dürfe niemand zurückstoßen, sie müsse alle anzichen. Als Letzter sprach Dr. W e i z m a n »-Manchester. Die Opposition verlange, man solle sich an die Großmächte wenden. Die erste Großmacht, an welche der Zionismus sich gewendet hat, sei das jüdische Volk. Politik sei notwendig. Aber oft bedeute die Begründung einer Schule eine politische Tat. Auch er fand für die vom Aktionskomitee geleistete Arbeit warnie Morte der Anerkennung. Das Aktionskomitee dürste in der Verwaltung der Banken den, Aufsichtsrate nicht untergeordnet sein. Dr. H a n t k c erhielt das Schlußwort zu seinem Bericht. Er sagte, die Leitung stelle kein Ultimatum. Sollte sie zurücktreten, so wäre der von ihr herangezogene Nachwuchs im Stande, die Geschäfte in absehbarer Zeit zu übernehmen. Die A b st i in m u n g. Sechs Resolutionen werden hereingetragen. Die meisten enthalten neben der Vertraucnskundgcbung die Bestimmung, das Aktionskomitee müsse einen entscheidenden Einfluß auf die N a t i o n a l b a n k und den Nationalf o n d s haben. Die P o a l c Zion beantragen die Teilung der Resolution, nämlich zunächst das Vertrauen auszusprechen und die Frage wegen der Macht über die Finanzinstitute bis nach dem Bericht über die verschiedenen Institute zu verschieben. Dr. Simon- Mannheim spricht sich in seinem Namen und im Namen der Russen für die Teilung der Resolution aus: „Nicht als ob wir unsere Forderung wegen der Banken zurücknähmen, sondern wir warten ab, ob nicht eine Verständigung möglich ist." Dr. M arg u lies ist gegen Teilung, „wir müssen uns sofort für das Prinzip aussprechen". W o l f s o h n ist für die Teilung. Geschieht dies nicht, so wird ein großer Teil der Delegierten dem Aktionskornitce kein Vertrauen aussprechen. Leidenschaftlich ruft er: „Ihr wollt uns durch einen Trick majorisieren!" Proteste und Widersprüche erheben sich gegen diese Aeußerung. Wolfsohn nimmt sein Wort zurück. Sj. Struck steht für sich und im Namen der Misrachisteu auf dem Standpunkt der Poalc Zion und ist für Teilung. Große Unruhe herrscht im Saale, man schreit, man klascht Beifall, man protestiert, die Redner können sich schwer verständlich machen. Der Antrag, die R e s o l u t i o n zu teilen, geht durch. Der erste Teil der Resolution gelangt zur Abstimmung: Der 11. Zionistcnkongrcß öriieft dem Engereu Aktionskomitee v o l l st e s Vertrauen und seinen tief st en Dank für die von ihm aus organisatoris ch e m, politische m, kolonisatorischem und finanziellem Gebiete geleistete fruchtbringende Arbeit aus und erteilt ihm D e ch a r g e. Die Resolution geht einstimmig durch. Enthalten haben sich die Poale Zion. (Fortsetzung folgt.) Dentschlind. Ein Erfolg der Zentralisation der Armenkassen. Unter den Bedenken, die van altjüdisch fühlender Seite von Anfang an dem Plane der Zentralisation der sogenannten „Wanderarmenfürsorge" entgegengehalten wurde, war eines der schwerwiegendsten Momente die Befürchtung, die Armen könnten bei dieser Regelung zu kurz kommen. Entgegen allen Beschwich¬ Rr 37. tigungsversuchen glaubten wir an dieser Anschauung festhalten zu müssen. Die Entscheidung in dem Kampf der Geister konnte nur die Erfahrung bringen. Sie hat gesprochen! Bor uns lieg! der Verwaltungsbericht des Verbands-Ausschusses des Bezirks-Gemeindeverbandes Breslau-Liegnitz für 1912/13, der zugleich die Verwaltung der „Provinzialkasse für Wanderarmenfürsorge" übernommen hat. Der Bericht konstatiert, daß die seit 1. Oktober 1610 bestehende Organisation „sich bewährt hat". Denn in den meisten Gemeinden seien „sowohl die Zahl der Manderarmen als auch die Ausgaben für diese gegen früher bedeutend zurückgegangen". Also: Der Erfolg der Zentralisation besteht in der Derminderung der unterstützten Armen und der Verminderung der für sie aufgewandten Beträge. Wodurch es wohl gelungen ist, die Zahl der Deutschland aussuchenden Armen herabzusetzen? Daß die Kasse deren Lage in der Heimat verbessert hätte, in welchem Falle die geringere' Zahl der Wanderarmen allerdings ein Erfolg wäre, ist nicht anznnehmen. Das hätte der Bericht und mit Recht — nicht verschwiegen. Also ist das Elend geblieben — in Anbetracht der allgemeinen Lage muß man sagen: „noch gewachsen - und die Zahl der Unterstützten ist geringe r. Und die Organisation hat sich „bewährt". Wer dieses Ziel erstrebt, er trete eiligst bei. Aber wer das fTütf ”p 'VP N*? lTETN anders auffaßt, wer nicht engherzig an seine Tasche und seine Bequemlichkeit denkt, wer nach altjüdischer (und, will uns bedünken, auch menschlicherer) Auffassung das Elend nicht durch Schließen der Augen hinweggeräumt zu haben glaubt, sondern ihm tatkräftig steuern will der bleibe fern! Betrachten wir nun die Versorgung der Armen, die so „glücklich" waren, von der Kasse unterstützt zu werden. Es waren nach Ausscheidung von 162 Personen, die an die „Peah" überwiesen wurden, und von 283 als unwürdig Abgewiesenen, 1876 Arme. Für diese wurden für Fahrkarten verausgabt 3546,85 dl und Barunterstützungen 1486,60 dl, d. h. pro Kopf durchschnittlich 90 Pfennig. Wenn früher die Armen, denen die Rot den Wanderstab in die Hand drückte, die Beschwerden des Weges auf sich nahmen und unter Mühsal und Entbehrungen, indem sie oft die Pfennige sich am Munde absparten, ihren Familien in der Heimat Unterstützungen senden und vor dem quälenden Hunger sie retten konnten, versorgt die „bewährte" Organisation sie mit --- - 60 Reichspfennigen. Und das bei verminderter Armenzahl! Wer weiß, ob nicht unsere verhältnismäßig günstige Lage in den Westländern ein Lohn ist für die den armen Brüdern aus dem Osten gewährte Zedokoh! Auch um euer und des eurigen Glückes willen bewahret euch die werktätige Menschenliebe und lasset euch nicht das Recht auf Zedokoh-Geben rauben! Beurlaubungen von Militärpersonen. Frankfurt a. M. Das Bureau der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" ersucht uns, darauf hinzuweisen, daß die jüdischen Militärpersonen gut daran tun, ihre Beurlaubung zn den bevorstehenden Feiertagen rechtzeitig zu beantragen. Der Urlaub wird seitens der Vorgesetzten, soweit nicht im einzelnen Falle wichtige dienstliche Interessen entgegen stehen, erteilt werden. England. Die englischen Rothschilds und die „Renn Tage". Die Londoner Zeitungen verzeichneten vorige Woche die Meldung, daß die Pferde Leopold de Rothschilds in dem dieswöchentlichen Rennen nicht starten werden. Die Blätter fügen seltsamerweise als Begründung hierfür hinzu, daß Leopold de Rothschild,