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Das jüdische Blatt · 1913-09-12 · 37 (12.9.1913) · p. Seite 4

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
37 (12.9.1913)
Date
1913-09-12
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Das jüdische Statt. Nr. 37 jüdische Nationalbewußtsein." Dafür ist Palästina das Zentrum-Ideal, der Impuls. Der sicherste Weg ist nationale Erziehung. Das zweite und letzte Referat des Eröffnungsabends hielt Dr. S ch m e r j a L e v i n, Direktor der im Entstehen begriffenen technischen Hochschule in Haifa. Er schilderte, wie vor etwa 30 Jahren die „Bilu"leute (Haus Jakob kommt, wir wollen gehen) „diese babylonischen Rückwanderer" des 19. Jahrhunderts den Anstoß zum neuen Iischub gegeben haben. Die Zahl der Arbeiter, die ihnen folgten, sei nicht in wünschenswertem Maße gewachsen. Wir haben aber die Pflicht, unaufhörlich zu verkünden, daß der Orient zu neuem Leben erwacht ist, und daß, wenn wir uns nicht beeilen, gerade die Pionierarbeit dort zu verrichten, andere kommen und das Land erwecken werden. Der neue Iischub ist heute ein positiver Faktor. Unsere Kolonien, sagt er, geben allen rinseren Bestrebungen einen greifbaren Inhalt. Eine nationale Renaissance könne nicht von heute auf morgen erwachsen, sie müsse durch allmähliche Arbeit verwirklicht werden. Nach Worten der Anerkennung für die ersten Pioniere der Palästinaarbeit, der „Bilu"leute, feiert der Redner die unsterblichen Verdienste des Barons Edmund von Rothschild für die Kolonisierung des heiligen Landes und betont, daß in den letzten 30 Jahren der neue Iischub ein bedeutender Faktor in der Renaissancebewegung geworden ist. Der neue Iischub verlangt jetzt, daß er der Mittelpunkt, das Ziel der ganzen zionistischen Tätigkeit werde, Zweck und Ursache der zionistischen Institutionen und „wir werden diese Ansicht annehmen müssen, denn der neue Iischub zwingt uns dazu". Die andere Forderung des neuen Iischub ist, daß die Erziehung des in Palästina Heranwachsenden Geschlechts keinesfalls anderen Organisationen überlassen werden dürfe, auch wenn die an deren Spitze stehenden Männer sich mit den Forderungen des neuen Lebens einverstanden erklären. Die Erziehung muß ganz im Geiste der jüdischen Renaissance stattsinden. Vorbildlich ist dem Redner in dieser Hinsicht das Hebräische Gymnasium in Jaffa. Die Zionistische Organisation hat die ernste Pflicht, in dieser Richtung auf die kulturelle Entwicklung des neuen Iischub Einfluß zu gewinnen. Auch in sozialer Beziehung hat die Zionistische Organisation für den neuen Iischub zu wirken: für die Besserung der Lage des jüdischen Arbeiters zu sorgen, für menschenwürdige Wohnräume, Leihkassen, Volkssteuer, Bibliotheken, gesundes Wasser. Vor allem sind Menschen nötig, für die Menschen Boden, für den Boden Geld. Mit einigen Schlußworten des Präsidenten Prof. Marburg wurde die Eröffnungssitzung geschlossen. Zweite Sitzung: Mittwoch, 3. September, vormittags 10 Uhr. Nach stürmischen in Vorversammlungen stattgefundenen Debatten, in denen der Kampf zwischen dem früheren Präsidenten der Zionistischen Organisation, David Wolfsohn, und Dr. Tschlenow hin und her wogte, einigte man sich endlich auf W o l s s o h n. In der Mittwochsitzung wurde dieser denn auch fast einstimmig gewählt. Zu Vizepräsidenten wurden gewählt: Der frühere ReichsratLabgeordnete Stand, Oberrabbiner Dr. G a st e r - London, Julius Simon- Mannheim, Iustizrat Dr. Bodenheimer- Köln und M. U s s i s ch k i n - Odessa. Dr. H a n t k e erstattete darauf den Bericht des Aktionskomitees über die Tätigkeit in den letzten zwei Jahren der 1911 neu Gewählten der Berliner Leitung. Die Arbeit zerfalle in zwei große Arbeitsgebiete: Das eine umfasse die Politik, die Palästina-Arbeit, die kulturelle Tätigkeit, die Arbeiten des Nationalfonds, der Banken und der Palästinagesellschaften. Das andere umfasse die Organisation, die Propaganda, das Finanzwesen. Die politische Arbeit änderte ihren Charakter infolge der großen politischen Umwälzungen in Nordafrika, auf der Balkanhalbinsel und infolge des Einflusses, den diese Ereignisse auf die Stammlande des türkischen Reiches ausübten. All das konnte die Zionisten in der Erkenntnis nicht wankend machen, daß die Entwicklung des jüdischen Elementes in Palästina mit dem Schicksal des türkischen Reiches verknüpft ist, daß die jüdische Arbeit in Palästina für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des türkischen Reiches von hohem Wert ist. Man habe nach diesen Richtungen nicht ohne Resultate gearbeitet. Nicht weniger Aufmerksamkeit als den Interessen im türkischen Reiche habe man den politischen Verbindungen mit anderen Machtfaktoren geschenkt. Dr. Hantke fuhr dann fort: „Die Voraussetzung für alle Arbeiten aus dem Tätigkeitsgebiete der Zentrale ist das Gedeihen unserer Organisation. Wir haben der Propaganda besonders große Aufmerksamkeit zugewandt. Ein 15 jähriger Kampf hat uns bewiesen, daß unser Ziel nur durch eine systematische Erziehungsarbeit an der Gesamtheit unseres Volkes erreicht werden kann. Unsere Propaganda muß radikal in der nationalen Tendenz und abhold jedem Kompromisse in der Idee sein. Menschen, nicht Geld — gilt die Losung. Es ist befriedigend für uns, daß wir Ihnen schon jetzt gewisse Erfolge zahlenmäßig vorführen können. Die Zahl der an die Zentrale abgelieferten Schekel ist um 50% gestiegen. Nicht ganz so stark, aber doch nicht gering ist die Vermehrung der überhaupt gesammelten Schekel, also die Ausdehnung des Kreises der Zionisten. Während in den Kongreßjahren 1908/09 und 1910/11 an gesammelten Schekeln nur 106 221 und 104 364 eingingen, haben wir in diesem Jahr über 130 000 Schekel erhalten. Dieser Steigerung entsprechen die Zahlen unserer Sammlungen. So sind die eingelaufenen Spenden für den Nationalfonds von 500 612 Jl im Jahre 1910/11 auf 713 444 Jl\ im Jahre 1912/13 gestiegen. Dementsprechend ist das Vermögen unserer Institutionen in den letzten zwei Jahren von 8 658 000 Jl1 auf 9 866 000 Jl gestiegen. Die Gesamtsumme der Einnahme aller zionistischen Organe kann man auf mindestens zwei Millionen Mark im Jahre schätzen. Die Zentrale hat sich nicht damit begnügt, den Landes- und Sonderoerbänden gute Ratschläge zu erteilen, sondern dje Leitung aller Propagandaarbeiten selbst in die Hand genommen. Die organisatorischen Neuerungen, die der 10. Kongreß geschaffen hat, haben sich durchaus bewährt. Unsere Finanzen waren geordnet. Für die neue Kongreß- Periode wird es unseres Erachtens im Interesse unserer Arbeit liegen, wenn sie auf Grund der Tendenzen der letzten zwei Jahre fortgesetzt wird. Nur eine Aenderung erscheint uns notwendig. Es müssen dein großen Aktionskomitee die Machtmittel der Organisation zur Verfügung stehen. Entsprechende Anträge werden Ihnen vorgelegt werden. Es ist anzunehmen, daß auf diese Anträge sich das Hauptinteresse des Kongresses konzentrieren wird. Nachdeni dann der Kongreß dem Ingenieur Ussischkin, einem Führer der russischen Zionisten, zu seinem fünfzigsten Geburtstage eine begeisterte Huldigung dargebracht hatte, erklärte als erster Diskussionsredner Julius Simon- Mannheim seine volle Zustimmung zu dem vom Aktionskomitee erstatteten Bericht. Für seine Arbeit gebühre dem Aktionskomitee der Dank der Organisation. Wenn man aber mit seinen Arbeitsmethoden übereinstimme, so habe man auch die Verpflichtung, dafür zu sorgen, daß der Leitung diese Arbeit dadurch möglich gemacht wird, daß die finanziellen Machtmittel der Bewegung in einen engeren Zusammenhang mit ihr gebracht würden. Adolf Böhm- Wien sprach dann ebenfalls seine freudige Zustimmung zu der von der Leitung geleisteten Arbeit aus und betonte besonders, daß das Aktionskomitee die Mitarbeit aller Anhänger zu gewinnen verstanden habe. Wenn er noch Wünsche habe, so seien es nur solche für die Hebräisierung der Institutionen der Bewegung und die Forderung nach Schaffung einer Revue, die nach dem Zentralorgan „Die Welt" der Propaganda der Idee dient. Redner beantragte sodann, dem Aktionskomitee das Vertrauen auszusprechen. Dr. Pasmanik stellt den Antrag: Der Kongreß beauftragt den Permanenzausschuß, in der morgigen Sitzung Vorschläge für die Zusammensetzung folgender Kommissionen zu machen: 1. Eine P a l ä st i n a k o m m i s s i o n: in dieser werden die verschiedenen Fragen, die nicht mehr theoretischer Natur sind, sondern die die größte Bedeutung für die unmittelbar praktische Tätigkeit haben, besprochen und beurteilt werden müssen. 2. Eine Kulturkommission: Sie wissen, daß der Kongreß ' eine Universitätsfrage besprechen wird. Ich wünsche, daß diese Frage nicht in Hurrastimmung, sondern nach kalter Ueberlegung vom Kongreß entschieden werde. 3. Eine Kommission für Gegenwartsarbeit: Herr Sokolow hat gestern eigentlich ein Programm der Gegenwartsarbeit gegeben; wenn Sie die zweite Hälfte seiner Rede genau analysieren, werden Sie sich leicht davon überzeugen. Die Fragen der Gegenwartsarbeit sind jetzt an der Tagesordnung. Ich beantrage ferner, daß die Palästina-Kommission aus 33 Mit-

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