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Das jüdische Blatt · 1913-08-22 · 34 (22.8.1913) · p. Seite 8

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
34 (22.8.1913)
Date
1913-08-22
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Nr. 34. Das jüdische Statt. Es geht eben wie immer in Rumänien, wenn es sich um Juden handelt. Zunächst die schönsten Versprechungen, die man jedoch durch die fadenscheinigsten Ausreden gleich wieder in ihr Gegenteil zu verdrehen weiß. Wie die Franks. Ztg. mitzuteilen weiß, hieß es zunächst, alle Militärdienst verrichtenden Juden sollen zu Bürgern gemacht werden, was man ihnen vor der Mobilisation versprochen hatte; später schwächte man das Versprechen ab und behauptete, nur den im Felde stehenden 30 000 dieses Geschenk zukommen lassen zu können. Jetzt gar heißt es, daß nur die im Kampfe für das Vaterland Gefallenen des rumänischen Bürgerrechts würdig seien. Das letztere mag ein schlechter und roher Witz sein, allein er liegt durchaus im Gedankenkreis der herrschenden Klasse. Die erbittertsten Antisemiten sind übrigens nicht einmal an der obersten Stelle zu suchen, sondern sie finden sich mehr noch bei der kleinen Bourgeoisie, aus der die Beamtenoligarchie ihre Elemente holt. Die Beamten aber fürchten durch eine Zulassung der Juden zu den Aemtern eine vernichtende Konkurrenz. * Uom tJitlhnn. Die Juden in Serres. Das Preßbureau in Saloniki veröffentlicht folgende amtliche Mitteilung: Die provisorische Regierung von Serres und Umgebung drückt den wärmsten Dank der gesamten griechischen Bevölkerung an die jüdischen Mitbürger für die brüderlichen Gefühle aus, welche diese unter den schwierigsten Verhältnissen, die wir soeben mitgemacht haben, an den Tag gelegt haben. Das offizielle Organ gibt zu diesem Dokumente folgende Erklärung: Dank den Juden ist eine große Anzahl griechischer Notabilitäten, gegen welche sich bekanntlich die Wut der Bulgaren besonders gerichtet hatte, dem sicheren Tod entronnen. Mit wahrer Todesverachtung haben die Juden die Griechen in ihren Häusern verborgen gehalten und sich selbst in Lebensgefahr gestürzt, als die Bulgaren die Häuser der Juden untersuchten, ob sie keine Griechen dort fänden. Die Juden haben sogar unterirdische Gänge hergestellt, durch welche die verborgenen Griechen bei Gefahr auf ein gegebenes Signal entweichen konnten. Wird dieser papierne Dank von seiten der Griechen auch in die Tat umgesetzt werden? Keineswegs ermutigend in dieser Beziehung wirkt die soeben aus Madrid eintreffende Depesche, daß die jüdische Gemeinde in Saloniki sich an die spanische Regierung gewandt habe, um ihren Schutz anzuflehen gegen die griechische Regierung, die im Gegensätze zu der toleranten türkischen Regierung schweren Druck gegen die jüdische Bevölkerung ausübe. Sie bitten daher, Spanien möge zu ihren Gunsten in Athen intervenieren. Ein jüdischer Held. Unter dieser Ueberschrift bringen Belgrader Zeitungen ausführliche Berichte über die Waffentaten eines jüdischen Reserveoffiziers, Friedr. Pops. In zahlreichen Gefechten stürmte er todesmutig an der Spitze seiner Kompagnie gegen den Feind und führte sie von Erfolg zu Erfolg. Pops ist Advokat in Belgrad und Präsident der dortigen aschkenasischen Gemeinde. Er ist ein Verwandter Th. H e r z l s. m Korrespondenzen. || Mp - GllÄK-Lottirrnaen. - Allkirch. Zu einem wahren Festtag gestaltete sich für unsere Gemeinde der letzte Sabbat. Nach sechs Monaten — so lange hatten die Renovierungsarbeiten in Anspruch genommen — bezogen wir wieder unsere Synagoge. Aus diesem Anlaß fanden Freitag abend und Sabbat Festgottesdienste statt, von denen besonders der am Freitag abend auf alle einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen hat. Bis aus den letzten Platz war die Synagoge von den Gemeindemitgliedern und den zahlreich erschienenen Gästen gefüllt, die tief ergriffen der eindrucksvollen Feier lauschten. — Besonderer Dank gebührt unserm gut geschulten Chor sowie dem Solisten, die zur Erhöhung der Feier mit beigetragen. — Am selben Tage beging Herr Kantor Weil die 25. Wiederkehr seiner hiesigen Tätigkeit, die ihm von seiten der Gemeinde-Verwaltung und Gemeindemitgliedern zahlreiche Aufmerksamkeiten eintrug. Ein wohlgelungener Ball mit Festessen beschloß am Sabbat-Abend den denkwürdigen Tag. Grussenheim. In seiner letzten Sitzung beschloß der hiesige Gemeinderat mit allen gegen eine Stimme die Aufhebung unserer israelitischen Schule. In der katholischen Mädchenschule sollen bauliche Aenderungen vorgenommen werden, wozu die Gemeinde aber nicht die nötigen Mittel hat. Nun will man, wie das Elf. Tgbl. berichtet, den bequemeren Weg beschreiten, indem man die eine Mädchenklasse im bisherigen jüdischen Schulhause unterzubringen sucht. Die Aufhebung der Schule soll nächste Ostern schon erfolgen. Da die Schule noch von 16 Kindern besucht wird, so hoffen wir, daß das Konsistorium dafür sorgen wird, daß die Schulbehörde diesen seltsamen Gemeinderatsbeschluß nicht genehmigt und die israelitische Schule in Grussenheim bestehen bleibt. kuhenhausen b. Sulz u/W. Ein fast unübersehbarer Trauerzug gab am vergangenen Sonntag dem in seinem 54. Lebensjahr verstorbenen M i ch e l M a r x das letzte Geleit. Der Verstorbene, der sich allgemeiner Beliebtheit erfreute, war seit einiger Zeit leidend gewesen; er starb einen Tag vor seinem silbernen Hochzeitstag, den er im Kreise seiner Familie zu feiern hoffte. Er hatte stets eine offene Hand für wohltätige und religiöse Zwecke. Er war ein frommer Jehudi, ein guter Vater und vortrefflicher Gatte. Möge der Allgütige der trauernden Familie, insbesondere der Gattin, die ihren Gatten in unermüdlicher Aufopferung pflegte, seinen Trost spenden. Mölsheim. Nach langen und schweren Leiden starb Sonntag früh Herr Isidor Weill in seinem 69. Lebensjahre. Sein Leben, der Arbeit gewidmet, war von äußeren Erfolgen begleitet, aber durch schwere Unglückssälle in der Familie getrübt. Er war seit Gründung der hiesigen Gemeinde deren Vorsteher. Am Dienstag fand die Beerdigung statt, zu der sehr viele Fremde herbeigeströmt waren. Auch die nichtjüdische Bevölkerung war stark vertreten. Von der Kreisdirektion, an der ein Sohn des Verstorbenen tätig ist, war ein Regierungsassessor erschienen, ebenso der Bürgermeister und viele andere. An Stelle des noch erkrankten Rabbiners Dr. Goldstein hielt Dr. Bloch-Oberehnheim die Trauerrede. Möge der Allmächtige die trauernde Witwe sowie die Söhne und Töchter trösten. Bayern. Regensburg. Zu den Jubelfestlichkeiten in Kelheim ist auch Herr Distriktsrabbiner Dr. S. Meyer- Regensburg geladen. Mndsbach. Eine selten edle Frau, in der wir eine Verkörperung der besten Traditionen unserer Gemeinde zu erblicken uns gewohnt hatten, ist nicht mehr. Wir haben Frau Fanny Weinschenk zu Grabe getragen. Die Tränen, die an diesem Sarge flössen, waren echt. Das Leichenbegängnis legte Zeugnis ab von der großen Liebe und Verehrung, deren sich die Verklärte erfreute. Herr Distriktsrabbiner Dr. Kohn aus Ansbach gab sowohl hier als in Georgensgmünd dem Schmerze und dem Danke Ausdruck. Ihr Angedenken ist und bleibt ein Segen.

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