Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Blatt · 1913-08-31 · 33 (31.8.1913) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
33 (31.8.1913)
Date
1913-08-31
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9052070-9096771-9052637--0580-9052647
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

10 Das jüdische Klalt. Nr. 33. 500 dl, sowie jeder der hiesigen Wohltätigkeitsanstalten je 300 dl zum Andenken on den teuren Entschlafenen als unveräußerliche Gabe überwiesen. Möchte dieses hochherzige Beispiel dieser edlen Familie recht viel Nachahmung finden. Straßburg. Das Probejahr hat mit Erfolg beendet Herr Dr. M. Bloch am Gymnasium in Zabern. Herr Moses Buttenwieser-Straßburg, bisher an der Israel. Realschule in Leipzig ist für Herbst an das Gymnasium in Hagenau einberusen, Herr Renn Levy, Jmlingen, bisher an der Israel. Höheren Töchterschule in Hamburg, an die Oberealschule in Metz. Duchsweiler. Unter 231 Schülern der hiesigen höheren Schule, Gymnasium mit Realschule, waren 38 Juden, ungefähr 14 %, ein Prozentsatz, der kaum von einer Schule des ganzen Landes erreicht wurde. An der Anstalt wirkten Herr Strauß und in Vertretung Herr Paul Levy-Mülhausen. Forbach. Rasch tritt der Tod den Menschen an. Der 49jährige Rechtskonsulent, Salomon Levy, fühlte sich Mittwoch unwohl, als die gepackten Koffer schon bereit standen für die alljährliche Badereise. Donnerstag Mittag hat er seine fromme Seele ausgehancht. L. ist ein rühriger Vertreter des traditionellen Judentums gewesen; treu hat er in Wort und Tat für seinen Glauben gekämpft. Die Armen verlieren in ihm einen allzeit zürn Geben bereiterr Wohltäter, sein Andenken wird stets in der hiesigen Gemeinde fortleben. Ungeheuer war die Beteiligung anr Leichenzug. Hoch und Niedrig schloß sich an, Anwälte und Richter erwiesen dem Verblichenen die letzte Ehre. Auf dem Gottesacker entrollte Rabbiner Dr. Dreyfuß-Saargernünd in meisterhafter und alle Umstehenden zu Tränen rührender Rede ein kurzes aber treffendes Lebensbild des Geschiedenen. L. hinterläßt eine Frau und 3 Kinder, wovon das älteste ein Knabe von 14 Jahren ist. .7.11. s Horburg. Run ist auch die hiesige israelitische Schule aufgehoben worden. Der bisherige Lehrer, Herr S t ü f f e l, ist vom 1. Oktober ab an die Knabenmittelschule nach Colmar versetzt. Die aufgehobene Schule wird in eine katholische Schule umgewandelt. Saarburg. Da in der Heilanstalt Lörchingen bereits mehrere jüdische Kranke verstorben sind, die in Saarburg beerdigt werden mußten, hat sich die Leitung der Anstalt entschlossen, einen jüdischen Begräbnisplatz, getrennt von den andern einzurichten. Herr Rabbiner Levy-Saarburg besucht monatlich die in der Anstalt befindlichen Kranken. Saarburg. Um die F r i e d h o f s ch ä n d e r , die in letzter Zeit wiederholt den israelitischen Friedhof heimgesucht haben, leichter ausfindig zu machen, hat die Verwaltung der israelitischen Gemeinde eine Belohnung von 100 Jt ausgesetzt. Hoffentlich gelingt es bald, die Täter der wohlverdienten Strafe zu übergeben. Saarburg. Das hiesige Gymnasium mit Realklasse war von 23 jüdischen Schülern unter 286 besucht. Saarburg. Bekanntlich war am Anfang des Jahres von einigen Herren ein „Jüd. Jugendbund" gegründet worden, dem eine ganze Reihe von aktiven und passiven Mitgliedern beitraten. Viele hofften, daß mit der Gründung des Vereins für jüdisches Wissen, Vorträge, Diskussionen gesorgt werde, um unsere Jugend, die in dieser Beziehung noch sehr viel nachzuholen hat, für „Jüdisches" zu interessieren. Aber die zwei Vorstandswahlen führten zu solchen Reibereien, daß viele aus dem Verein austraten. In den letzten Tagen haben nun zehn Mitglieder des Jugendbundes, ohne Befragung der übrigen Mitglieder den Verein in einen „Jüd. Turnverein- Bad Kochba umgewandelt. Hoffentlich wird der Verein unter seinem neuen Namen bald an die Öffentlichkeit treten und für die sportliche und wissenschaftliche Ausbildung seiner Mitglieder sorgen. Präsident des Vereins ist Herr Roders Jakob, der sich mit großem Interesse dieser Vereinsgründung angenommen hat und dem wir einen vollen Erfolg wünschen. Preuße». Berlin. Wie Glieder einer großen Familie sammelten sich am Rüsttage zu Tischo beaw, auf dem Adaß-Jisroel- Friedhof Angehörige, Freunde und Bekannte, um einer durch Adel der Gesinnung und tiefinniger Frömmigkeit ausgezeichneten Frau das letzte Geleite zu geben. E st h e r C a l v a r y ist nicht mehr, nur schwer konnte man diese Trauerkunde fassen. Drei Jahrzehnte lebte und wirkte Frau Calvary in Messingwerk, wo sie allseitiger Verehrung und Liebe sich erfreute. Ihrem großen Vater, Rabbi Esriel Hildesheimers hatte sie die herrlichsten Tugenden abgelauscht und sich zu eigen gemacht. Vor allem die Hmdioh scliel mizwoh, welche die Sabbat- und Festtage in ihrem Heim mit einer unaussprechlichen Innigkeit ausstattete und ihr auch in den letzten Jahren ihres Lebens bei der Ausübung ihrer Pflichten die Rührigkeit und Schnellkraft eines Jünglings verlieh. Der Reichtum ihres Herzens äußerte sich in überströmender Fülle und überhäufte den Fremden mit Liebeserweisungen und beglückender Freundlichkeit. Mit dieser Herzensinnigkeit verband sie eine ungewöhnlich große Rührigkeit des Geistes und diese überaus glückliche Verquickung verlieh der Heimgegangenen ein eigenartiges, von der täglichen Schablone abweichendes Gepräge. Sie war die Beschützerin des Messingwerker Gemeindslebens und mit ihr ist ein bedeutungsvolles Stück Geschichte dieses Kehillolebens zu Grabe getragen worden. An der Bahre sprachen Rabbiner Dr. E. Munk und Dr. Hildesheimer; letzterer, ein Bruder der Verstorbenen, nahm tränengerührt von dem „Kleinod" und „Heiligtum" in der Familie Abschied. Weit herrlicher aber als prächtiges Blumengewinde, ranken sich um die Bahre der Verklärten die Kränze der Liebe und Verehrung, die all die, die ihr im Leben nahegestanden, denen sie Belehrung, Anregung und Trost gespendet, in ihrem Herzen entgegentragen werden. Aessen. Guntersblum (Rheinhessen). Die Eheleute David L i p p - mann feierten ihre goldene und Herr Simeon Mayer und Frau ihre silberne Hochzeit in voller körperlicher Frische. Daderr. Freiburg. Der ord. Honorarprofessor Dr. Edwin G o l d - m a n n , Chefarzt der chirurgischen Abteilung des Diakonissen-. Hauses, starb hier nach längerem Leiden im Alter von 51 Jahren. Karlsruhe. Wie verlautet, soll als Nachfolger des Herrn Rabbiner Tr. Jul. Zimels Herr Rab. Dr. L o e b aus Dresden, ein gebürtiger Bruchsaler, in Frage kommen. Herr Dr. Loeb hielt bereits am j-Qjy seinen Probegottesdienst ab. — f — Karlsruhe i. B. Hier starb hochbetagt Herr Leopold I o st, der länger als X Jahrhundert die Dienste eines Synagogendieners der Israel. Religionsgesellschaft in treuer Pflichterfüllung versehen hat. — Ferner entschlief nach längerem Leiden Frau Jakob Ettling er, geb. Lang aus Zürich.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.