Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 33 (31.8.1913)
- Date
- 1913-08-31
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 33. y Das jüdische Matt. Rimmnien. Die Verbalnote der Vereinigten Staaten. Die Verhandlungen über den Friedensvertrag von Bukarest rrurden durch eine Episode unterbrochen, die die Aufmerksamkeit des jüdischen Publikums verdient. Amerika ließ nämlich in der Sitzung vom 5. August eine Verbalnote überreichen, die der rumänische Ministerpräsident, Majorescu, verlas. In dieser Verbalnote drückt Amerika den Wunsch aus, daß in den Bukarester Vertrag eine Bestimmung ausgenommen werde, durch welche volle Freiheit und voller Genuß der bürgerlichen und religiösen Rechte denjenigen Teilen der Bevölkerung zuerkannt werden, die von einem Lande getrennt und einem anderen einverleibt werden. Der Präsident bemerkte dazu, dies sei schon Staatsrecht in jedem der beteiligten Länder. Die Chefs der übrigen Missionen stimmten dem zu, „daß es überflüssig sei, eine besondere Klausel darüber im zukünftigen Vertrag in Erwägung zu ziehen". Wie stolz diese Worte in dem Munde des Rumänen klingen, der in der Judenunterdrückung ein würdiger Bruder des Russen ist. Vielleicht ist es diesmal etwas aufrichtiger gemeint wie bei dem Berliner Vertrag. Vielleicht hat der siegreiche Krieg die gewohnte Entrechtung der Juden untergraben, sodaß die rumänischen Juden besseren Zeiten entgegensetzen dürfen. Jedenfalls verdient das Eintreten der amerikanischen Regierung für die Menschenrechte der Juden die ungeteilte Anerkennung. Amerika ist der einzige Staat in der Welt, der es heute wagt, die Gerechtigkeit zu vertreten, auch da wo sie Juden gegenüber zu handhaben ist; Amerika beschämt durch seine humane Politik die aufgeklärtesten Staaten der Welt, England und Frankreich. Ein Pendant zu diesem Verhalten der amerikanischen Regierung ist die Erklärung des Multimillionärs A st o r aus New- Pork, dem Exekutivkomitee der von Henri Green ins Leben gerufenen amerikanischen Liga zur Emanzipation der rumänischen Juden beizutreten. Astor erklärte, daß er bereit sei, für diese Sache, die des Schweißes der Edelsten wert sei, nach Kräften einzutreten. Palästina. Ein internationales Gesundheitsamt in Jerusalem. Ende Mai d. I. wurde in Berlin unter dem Schutze der deutschen Kaiserin die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Malaria in Jerusalem errichtet. Dem Zentralvörstand der Gesellschaft gehören von jüdischen Persönlichkeiten u. a. folgende Herren an: Dr. James Simon, Vorsitzender des Hilfsvereins der deutschen Juden, Ballin, Generaldirektor der Hamburg-Amerika-Linie, Exzellenz Ehrlich, Frankfurt a. M., Geheimrat Landau, Berlin, Geheimrat v. Wassermann, Berlin, Professor Marburg, Vorsitzender des Aktions-Komitees der zionistischen Organisation, Berlin, Justizrat Dr. Bodenheimer, Vorsitzender des Jüdischen Nationalfonds Köln. Vor kurzem wurde eine Vereinbarung getroffen zwischen der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Malaria in Jerusalem, dem Jewish Health Office (Stiftung des amerikanisch-jüdischen Philanthropen Nathan Strauß) und der Gesellschaft jüdischer Aerzte und Naturwissenschaftler für sanitäre Interessen in Palästina. Die genannten Gesellschaften begründen unter dem Namen „Internationales Gesundheitsamt in Jerusalem" ein gemeinsames Institut. Dieses wird durch ein Kuratorium, das aus je einem Delegierten (bzw. dessen Stellvertreter) der beteiligten Gesellschaften besteht, verwaltet. Das Internationale Gesundheitsamt arbeitet in der Weise, daß für besondere Zwecke einzelne Abteilungen eingerichtet werden, und zwar zunächst: 1. Abteilung für Malaria. Leiter: Professor Dr. Mühlens. Unterhalten von der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Malaria in Jerusalem; 2. Hygienische Abteilung. Leiter: Dr. Brünn. Unterhalten vom Jewish Health Office; 3. Serologische und Wutschutzabteilung. Leiter: Dr. Beham. Unterhalten von der Gesellschaft jüdischer Aerzte usw.; 4. Bakteriologische Abteilung. Leiter: Dr. Goldberg. Unterhalten vom Jewish Health Office. Ferner werden Unterabteilungen für eine arabische Fürsorgestelle in der inneren Stadt und eine Station zur Bekämpfung der Augenkrankheiten eingerichtet. Die Oberleitung sämtlicher Abteilungen liegt in den Händen eines Direktors, der auf die Dauer von zwei Jahren vom Kuratorium aus der Mitte der Abteilungsleiter gewählt wird. Die Wiederwahl ist zulässig. Zum ersten Direktor wird Professor Dr. Mühlens gewählt. Die Honorierung des Direktors geschieht lediglich durch die Abteilung, der er zugehört. Die allgemeinen Kosten des Internationalen Gesundheitsamts werden auf drei Gesellschaften verteilt. Vom Dezember 1913 ab sollen alle Abteilungen in einem gemeinsamen Hause untergebracht werden. Ueber die Aufnahme neuer Gesellschaften oder Organisationen entscheidet das Kuratorium. Beiträge, die dem Internationalen Gesundheitsamt gewährt werden, werden zu gleichen Teilen den bestehenden Abteilungen zugewandt. Es sei hier noch beigefügt, daß es alljährlich in Palästina ziemlich viel Tollwuterkrankungen gibt. Die Gebissenen waren bisher angewiesen, entweder nach Kairo oder nach Konstantinopel zur Behandlung zu reisen. Seit dis Tollwutstation in Jerusalem besteht, hat die französische St. Joseph-Universität auch in Beirut eine solche errichtet. m Korrespondenzen. lg SSE - Gllaß-Locklirtnaerr. - SIS Straßburg. Dem 13. Jahresbericht der Religio nssch ule der isrnelit. Gemeinde über das abgelaufene Schuljahr entnehmen wir folgende Daten. Die Schule wurde besucht von 353 Kindern; 178 Knaben und 175 Mädchen, die Unterricht erhielten in 7 Knaben- und 6 Mädchenklassen in der Religionsschule selbst, außerdem in sechs Klassen der Lindnerschen und der Köbigschen höheren Mädchenschule, an welchen beiden Anstalten die Kultusgemeinde in diesem Jahre einen besonderen Religionsunterricht eingerichtet hat. Die Religionsschule wird geleitet von Direktor Grombacher, neben ihm unterrichten noch Rabbiner Dr. Arthur Weil, Kantor Kaufmann und Frl. Therese Levy, an der Köbigschen Schule auch noch Bernh. Bochner. Die Schüler rekrutieren sich aus beinahe allen höheren Schulen. Nur muß immer wieder darauf hingewiesen werden, daß dieselben möglichst frühzeitig in die Religionsschule eintreten und sie bis zum Abschluß ihrer Studien besuchen sollen, damit der Unterricht an derselben ihnen auch von dauerndem Erfolg sein könne. Die israelitische Volksschule war von 81 Knaben und 84 Mädchen besucht, die in 3 geschlechtlich gemischten Schulklassen von Herrn M. Schwab und den Fräulein Julie und Joh. See unterrichtet wurden. Straßburg. Die Familie des seligen Herrn Cers D r e yf u s hier, hat dem Israeli tischen K r a n k e n h a u s e