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Das jüdische Blatt · 1913-08-31 · 33 (31.8.1913) · p. Seite 7

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
33 (31.8.1913)
Date
1913-08-31
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Das jüdische glatt. 7 ein tztz | :r^ Kiarirfe f ::;:ai. tl a;;:^? M fein Äc^rl Ki:;■ —••: sarclBirt in Mi j Nr. 33 wohnen blieb, wo sie als Alteingesessene unantastbares Wohnrecht hat. Eine ebenso nette Geschichte kam vor im Kolnger Gouvernement. Tie dortigen Bauern kauften von einein Gutsbesitzer ein Stück Land. Als man über den Preis einig war, kamen die Bauern zusanunen zum Notar, um den Kauf zu verschreiben. Toch der brave Kaiserliche Notar weigerte sich, den Kauf zu verschreiben, weil dieser durch einen jüdischen Makler vermittelt war, der zufällig in jenem Gouvernement kein Wohnrecht hatte. Tie Bauern mochten beteuern, daß sie das Land gekauft haben und nicht der Jude, vergeblich. Ter Kauf wurde wegen des beteiligten Inden rückgängig gemacht. Getauften Juden geht es oft auch nicht besser. 1912 tauften sich drei Kursker Inden in Helstngfors. Bis zur Taufe wohnten sie alle drei ungestört in Kursk und niemand fand an ihnen etwas anszusetzen. Nach der Taufe begann sich die Kursker Verwaltung zu fragen: Haben die Christen, die früher Juden waren, das Recht, außerhalb des Rayons zu wohnen? Und die Kursker Polizei hat herausgefunden, daß diese Nenchristen in Kursk kein Wohnrecht haben. Tie vorgebrachten Gründe verdienen einiges Interesse: Ta die obengenannten Juden die Taufe angenommen haben ohne Erlaubnis der Regierung, und den lutherischen Glauben angenommen haben ohne Ermächtigung des Ministers des Innern, haben sie nicht Anspruch auf alle Rechte, die die Juden haben, die sich in gesetzlicher Weise taufen lassen. Tie hereingefallenen (getauften erbaten vom Minister eine kurze Frist, um ihre schwebenden Geschäfte abzuwickeln. Nicht einmal dies wurde ihnen gebilligt, sondern ihre Angelegenheit bem Senat überwiesen. Der Veilisprozeß. Das Kiewer Kreisgericht hat nun den Verteidigern des Beilis einige Konzessionen gemocht, indem cs fast alle Zeugen zuließ, die die Verteidiger vor laden. Der Prozeß soll am 23. September beginnen, 260 Zeugen sind bereits geladen. Tie Geschworenen, die im Beilisprozeß Mitwirken, dürfen auf Anordnung des Gerichts das Gerichtsgebäude nicht verlassen; sie müssen dort auch übernachten. Das Gericht hat den Staatsanwalt in Mobilow, Laschkaref, als Zeugen geladen, damit zu bezeugen, daß das Gericht nicht die Absicht hatte, den Prozeß zu unterdrücken! Dagegen hat sich das Gericht bis jetzt geweigert, den Berliner Univerfitütsprofessor Strack, wie es der Verteidiger Ulianski verlangt, ,ni laden. Der katholische Geistliche P r a n e i t i s hat nämlich in seinem Gutachten auf verschiedene Schriften hingewiesen, die sich in der Petersburger Kaiserl. Bibliothek befinden sollen. Nun hat aber gerade Professor Strack im Jahre 1873 in der Petersburger Bibliothek in den dort befindlichen jüdischen Büchern gearbeitet und darüber ein besonderes Werk erscheinen lassen. Das Zeugnis Stracks wäre daher für die Verteidigung besonders wertvoll. Das Gericht verschließt sich aber bis jetzt allen vernünftigen Darlegungen der Verteidigung und weigert sich, Professor Strack sogar'auf Kosten Beilis zu laden. Das Gericht hat den Verteidigern auch eine Bescheinigung abgeschlagen, die sie in den Stand setzen könnte, auf der Petersburger Bibliothek alle von Praneitis angeführten Bücher nachzuschlagen. wrrhl des „Ehacham" der karäer. Den 29. August soll erneut die Wahl des geistlichen Oberhaupts der Kartier vorgenommen werden. Vor einem Jahre verlief diese Wahl ohne Ergebnis, weil der unter anderen angesehenen Kandidaten gewählte Advokat aus Simferopol, D u b a n, die Wahl ausgeschlagen hat und die anderen Kandidaten ihre Kandidatur zurückgenommen haben. Auch jetzt ist die Auswahl nur auf zwei Herren beschränkt, auf den Architekten P a m p u - low aus Odessa und den Moskauer Anwalt K a s a s. Das religiöse Niveau ist eben unter den Karäern so gesunken, daß der Männer sehr wenige sind, die geeignet wären, die geistliche Führung der Sekte zu übernehmen. Neben diesen sozusagen offiziellen Kandidaten besteht immer :: r: :::i ."ffi ii . - .-,V '%"c" ‘ '•■•mir to 86y Hi iuü: ß '•*": JiSC 2(2? ‘ tr„ - ■ 10 t - .. starker Schneewind, und viel Schnee war schon gelegen. Der Wind jagt uns der Schnee in das Gesicht, daß wir fast blind sind geworden und haben kein Ort gesehen, bis mir darinnne waren. Alle Minute sein mir in ein Graben gefallen; von den Kleider ist alles steif gewesen, gefroren, nebstdem sein mir naß gewesen von Schweiß. Mir sind alsgemach in Hagenthal angekommen, da habeil mir gehabt eine Freundin, die hat eine gute warme Stube gehabt, und haben uns wieder herausgepflegt und trocken gemacht. Mir haben gemeint, mir sind in Gan-Eden (Edengarten). Ich und mein Vater gehen wieder fort, aber ungern. Im Leib haben mir wohl gehabt, aber nichts auf dem Leib, denn die Kinder stin mehr sommerig gewesen als winterig. Mir steigen in dem Wetter Gottesnamen fort, in dem Schnee durch Berg und Tal-noch drei Stund bis nach Dürmenach. Mir waren im nämliche Zustand, als wie vorher, wie mir nach Dürmenach gekommen sind. Mir haben kein Freund da gehabt, wie mir uns pflegen haben können. Steif sind mir gewesen für Kälte. Sind mir gekommen zum Meier Maier, der war ein reicher Mann. Mein Vater fragt um Arbeit, der Meier Maier sagt, er hat ein Matratz zu machen. Ter Platz war in einem finstren Stall. Kann man sich vorstellen, wenn man mit die gefrorene Kleider und mit dem leeren Magen an kaltem Winter in dem Stall sitzt, wie die Arbeit einem Kooch (Kraft) gibt. Die Matratz wird fertig bis Nacht am 10 1>hr. Ich habe gemeint, ich bin reich, wie ich wieder in die warme Stnb bin gekommen, und etwas in den Leib und in das Bett. Mein Vater Hab ich um den Leib gefaßt mit einer großen Freud. Morgens früh sind mir aufgestanden in einem betrübten Gemüt, beweil mir die Kälte und der tiefen Schnee vor uns sehen, der Lohn von der Matratz war schier nicht hinreichend für Unkosten für heimzukommen. Mir machen uns auf den Weg wieder in einem bösen Wetter. Mir kommen dreiviertelstund von derheim, kommen mir an ein gefrorenes Wasser, mein Vater nimmt sein Stock und klopft auf das Eis, für darüber zu gehen, da fallt er hinein bis an den Kopf. Ich laß ein jämmerlich Geschrei aus und spring auch hinein, für mein Vater sein Tod nicht zu sehen. Mir stecken in Eiswasser bis an den Hals. Die Eisschollen schlagen über uns. Neben nieinem Vater fahrt ein Eisschollen, und er kommt glücklich über das Wasser. Hernach langt mir mein Vater den Stock, und ich fahr hin, und mein Vater zieht mich aus der Grub. Jetzt könnt ihr euch einbilden, in was für einen Zustand als wir waren, unser Arbeitsgeschirr haben mir mit großer Mühe auch wieder erlangt. Mir kommen endlich Nach Haus, mein Stiefmutter Nahrung für eine halbe Su ist vorhanden; so geschwind als man denken kann, liegen mir in das Belt, für unsere Kleider vom Leib zu bekommen. Als ich lag im Bette ein paar Stunden, spüre ich weh im Hals, bekomme ich ein Geschwür an den Hals als wie ein Gansei, ich bekonnn groß Stechen lind Schmerzen, fast nicht auszuhalten. Keiil Mensch Hab ich gehabt, der mir ein Tropfen Wasser gegeben hat. Ich stehe auf in meinen Schmerzeil und gehe zu unserem Balwirer, der hat Keller geheißen, er lebt jetzt nicht mehr. Ich

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