Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 33 (31.8.1913)
- Date
- 1913-08-31
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 33. Das jüdische Klatt 5 jedoch nicht ernähren. Sie behielt sie aber dennoch einige Zeit, bis ihr schließlich, da sie nach ihren Angaben selbst Not litt, die Mittel fehlten. Nun wandte sie sich an ein Polizeirevier, wo ihr geantwortet wurde, die Polizei könne nichts machen, sie solle die drei.Kinder nach Köln schicken. Dies wollte die Frau jedoch bei der großen Jugend der Kinder nicht tun. Da sie sich keinen Rat wußte, führte sie die Kinder vor das Polizeipräsidium in der Hauptstraße zu ^pchöneberg. Dort bat sie eine Frau, die zufällig dort stand, auf die Kinder zu achten, bis sie eine Besorgung erledigt hätte. Von dieser angeblichen Besorgung kehrte Frau Braun jedoch nicht wieder zurück, sondern überließ die Kinder ihrem Schicksal. Die Frau nahm an, daß die öffentlichen Armen- und Fürsorgebehörden die Kinder in ihre Obhut nehmen würden. Dem ältesten der Kinder hatte die Frau den oben wiedergegebenen Brief seines Vaters in die Hand gegeben, durch den Leute, die sich der Kinder annehmen würden, über deren traurige Lage orientiert werden sollten. Die Kinder gelangten in die Obhut der Schöneberger Armendirektion und diese gab die Kinder auf städtische Kosten der christlichen Zionshilfe in Pflege, wo sie zunächst bleiben durften, da der inzwischen aus Köln zurückgekehrte Vater der Armsndirektion glaubhaft versicherte, daß er zurzeit nicht in der Lage sei, für die Kinder zu sorgen. Glücklicherweise fand sich dann doch noch ein jüdisches Institut, das selbst armen „ausländischen" Kindern Unterstützung zu gewähren bereit ist. Die drei Kinder werden auf Veranlassung des Vorstehers des israelitischen Waisenhauses in Bad Ems, Rabbiner Dr. Weingarten, in dem genannten Hause untergebracht werden. Belgien. Brüssel. Ein aus dem Elsaß gebürtiger, hier wohnhafter Herr hat jüngst hier die bisher im Elsaß wohnhafte mit einem Kinde gesegnete Witwe seines Bruders geheiratet. In seiner Geburtsgemeinde konnte er keine p&’Hp erlangen. Doch in Brüssel kann man mehr als im Elsaß. In Brüssel kann man auch ohne den ganzen Richtlinienapparat die Thora mit Füßen treten. In Brüssel erhielt diese Ehe den Segen der Religion. Der Grand Rabbin von Brüssel, Herr Bloch, hat die Trauung vorgenommen. Er soll sogar in seiner Rede erklärt haben, man dürfe solche Personen, die eine derartige religiöse Trauung nachsuchen, nicht zurückweisen. Hat der Herr Grand Rabbin gewußt, daß er sich über ein biblisches Eheverbot hinwegsetzt, welche eine solche Ehe, wie sie in Brüssel geschlossen wurde, mit der „Kores"strafe belegt, diese Ehe also als blutschänderisch erklärt? Hat der Herr Grand Rabbin gewußt, daß etwaige aus einer solchen Ehe hervorgehende Kinder nach dem Gesetz der Thora als „Mamserim" zu gelten haben und deshalb in der Gemeinde Israels nicht heiraten dürfen? Hat das Thoragesetz für den Herrn Grand Rabbin keine Geltung mehr? Auf welches Gesetz beruft er sich dann bei seinen religiösen Entscheidungen? — Man sieht, der Herr Grand Rabbin von Bruxelles wagt allein, wozu die Richtlinienrabbiner als Korporation in Deutschland trotz ihrer Richtlinien noch nicht recht den Mut haben. Der Herr Grand Rabbin ist kühn fürwahr! England. Chanlage auf Lord Rothschild. Eine Rothschild-Sensation haben die letzten Tage gebracht. — Da kommt ein deutscher Jüngling nach London, namens Kremmerskarten, in der Absicht, schnell reich zu werden. An Geld war er arm, reich nur an Ideen. Er geht hin und gründet eine anarchistische Partei, deren einziges Mitglied er selber ist. Er wählt sich zum Komitee und zum Präsidenten. Im Namen des Komitees schreibt er an Lord Rothschild einen Brief und verlangt 608 000 J( für die Parteikasse. Sollte Lord Rothschild das Geld verweigern oder die Sache der Polizei melden, oder wenn er das Geld schicken, den Empfänger des Geldes aber durch die Polizei festnehmen lassen wollte, so wäre er von vornherein schenk von der Freundschaft war nicht hinreichend, für uns Kinder zu erhalten, dann hat sie für Mangel schier alles versetzt und verkauft. Wie mein Vater heimkam mit seiner Frau bei Nacht, bekommt er ein Charivari, daß man sein eigen Wort nicht hört. Es war aber bei andere auch so, wenn zwei heiraten und daß nicht alle zwei ledig sein, dan haben sie Charivari bekommen. Dann hat man ihnen müssen Geld geben, bis daß sie zufrieden sein gewesen. Den ersten Morgen ist meine Stiefmutter liegen geblieben bis gegen Mittag. Die Freundschaft hat sich verwundert. Meine Großmutter geht zu der Stiefmutter, sagt zu ihr: „Es wundert mich von ein neue Frau, die in ein solche Haushaltung kommt, und fo lang liegen bleibt." Dann gibt sie zur Antwort: „Ich Hab kein Mann genommen, als ich schaffen will, ich will mir jetzt lassen wohl sein." Dann hat meine Großmutter zu Antwort gegeben: „Wohl bekomm's, Ihr werd das Wohlsein erfahren." Mein Großmutter hat ihr Fleiß getan, so lang als sie gelebt hat. Sie ist gestorben, ich bin alt gewesen sechs Jahre. Dann habe ich gar kein Hilf mehr gehabt, es ist mir sehr ungewohnt gewesen. Die Leute und die andere Freunde haben mir es angesehen, haben sie mir gesagt: „Dein Großmutter kommt mif deiner Mutter, sie holt sie ab." Dann Hab ich gefragt, woher als sie kommt, dann haben sie mir gezeigt, zu welcher Straß als sie hereinkommt. Ich lauf einige Tag zu, unserem Dorf hinaus und warte als bis Nacht, daß kein Mutter, kein Großmutter kommen wollen. Mein Schwester, die war in Dienst eingetreten nach Belfort: dann Hab ich kein Mensch mehr gehabt als mein Vater, und mein Vater, der ist nur an Schabos (Sabbat) als daheim gewesen. Mein Onkel, der war Lehrer, der war selbst ein armer Mann, der hat mir das Olef-Bös (a-b-c) gelernt und öfters ein Stückchen Brot gegeben. Der Vater hat wohl etwas daheim gelassen, wenn er an Sonntag fort ist, zum Zehren, nur die Stiefmutter hat es behalten für sie. Dann kann man sich vorstellen, wie es ist, wenn ein Kind kein Nahrung hat, kein Sauberkeit, kein Erziehung. Das Elend, das war mir als ein Kind satt. Wenn mein Vater fort ist am Sonntag, habe ich alle Stunde gezählt, bis mein Vater wieder heim kommen ist, nebst dem als mir ferme geklopft sind worden. Wie unser Vater heim ist gekommen, dann hat mein Stiefmutter in mein Vater den Kopf voll geplaudert, als wenn wir ihr hätten alles Böse angetan. Sie hat Furcht gehabt, mir sagen über ihr Bosheit, dann ist sie immer vorgekommen. Ich bitte immer mein Vater, daß er mich mitnehmen soll zum Arbeiten, dann gibt er mir zur Antwort: „Du bist zu elend gekleidet, ich schäme mich für die Leute." Ich habe mich um diese Antwort sehr bekümmert. Mein Vater geht Sonntag darauf wieder fort. Ich mache mir als ein Kind von sieben Jahre alt Gedanken, wie ich Kleider hernehme. Ich gehe auf unsere Bühne, da ist gelegen ein großer Haufen zerrissener Kleider von aller Sorten. Meine Stiefmutter, die ist nicht hinaufgekommen auf die Bühne, die hat sich nichts flicken können, verschweigen in andere. Ich suche mir heraus ein viertlicher Sach, ich bringe ihn dem Schneider für ein paar Hosen