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Das jüdische Blatt · 1913-08-08 · 32 (8.8.1913) · p. Seite 11

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
32 (8.8.1913)
Date
1913-08-08
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 32. Das jüdische Mall. 11 Druckfelileröenchlitjuttg. In dem Artikel „Weltreligion" in Nr. 31 sind zu nnserein Bedauern sinnentstellende Druckfehler vorgekommen. Im dritten Absatz Zeile 8 von oben muß es heißen: Die beiden ersten sind nach ihm für die Herde. Ebenda Zeile 7 von unten muß es heißen: Mit noch größerer Entschiedenheit. vermischtes. Die Kraft des Judentums. Der auch in Europa bekannte amerikanische Gelehrte und gewesene Präsident der Harvard-Universität in Boston, Prof. Charles Elliot, hielt dieser Tage eine interessante Vorlesung über „Die ftraft des Judentums". Laut der Ansicht des Professor Elliot sei das Judentum deshalb zivilisatorisch so erfolgreich gewesen, weil es seine alten Ideale festgehalten habe. Diese Ideale sind. Der Glaube an die Einheit Gottes, für welche die Juden so viele Märtyrerqualen erlitten, zweitens die Reinheit des Familienlebens, die einen. Teil der Religion bilde, und drittens die Ethik der Bibel, welche die Juden der Welt geschenkt haben. Der Gelehrte schloß seine Vorlesung mit der Bemerkung, daß die Juden, welche erfreulicherweise sich der amerikanischen Freiheit bedienen, setz, ihrem alten Namen schuldig sind, daß die Juden nicht nur von Freiheit träumen, von Freiheit singen und für die Freiheit sterben, sondern auch in Freiheit als Juden leben und wirken können. Die Vorlesung hat in der gesamten amerikanischen Presse sympathischen Widerhall gefunden. Ein jüdischer Wunderknabe in Petersburg. Micha Atlas, ein jüdischer Knabe von nur 5 Jahren, Kind armer Eltern, erregte durch seine wunderbaren geistigen Fähigkeiten die Aufmerksamkeit der Petersburger Professoren Bechtreff rind Szakof. Er besitzt bemerkenswerte Kenntnisse in Astronomie, Zoologie, Chemie und Literatur. Er kennt alle Trainbahnwege der Hauptstadt samt ihren Haltestellen, ebenso hat er alle Namen der Dumaabgeordneten im Gedächtnis lind kennt die Parteien, denen sie angehören. Wücheröesprechung. Familie Mehl m ann, Roman eines Konvertiten von Friedrich S t r e i ß l e r. bei Herinann Costenoble, Jen a. Jawohl von einer Familie Mehlmann berichtet uns der Verfasser, wir konnten wirklich im ganzen Bande von einer Mischpoche Mehlmann kein einziges Mitglied auffinden, schade, denn die Mehlmann'sche Familiengeschichte ist interessant. Sehr nüchtern und schmucklos erzählt Streißler, wie ein junger Mann, Heinrich Mehlmann, aus Geschäftsrücksichten sich taufen läßt, wie er aber bald einsehen muß, daß die paar Tropfen Taufwasser allzuschnell verdunstet sind, wie derselbe junge Mann zum Judentum zurückkehrt und als Belohnung für seine Umkehr die schöne, wohlhabende Anna Löwenberg zur Braut erhält. Soweit ist alles schön und gut, aber nun kommt ein großes Aber! Während Streißler so energisch gegen die Taufe auftritt, findet er es ganz selbstverständlich, daß ein jüdisches Mädchen ohne Bedenken einen christlichen jungen Mann heiratet. Ganz seelenruhig läßt er Rosa Mehlmann sich mir dem protestantischen Robert Blume verloben, ohne der sonst so fronim sein wollenden Mutter Mehlmann ein einziges Wort des Widerspruchs in den Mund zu legen; im Gegenteil, der wohlhabende Schwiegersohn ist ihr sehr willkommen. Trotz der etwas kühlen Darstellungsweise fesselt das Buch durch Reichtum der Handlung und durch treffende Charakterisierung der verschiedenen Personen. 8. W. Hedal'jat). Bilder aus der jüdischen Vergangenheit von Caroline Deutsch. (Fortsetzung.) „Euer Schwiegersohn sprach mir davon und versprach mir auch, das Ereignis zu erzählen," sagte der Naphthalite zu Abner, „erlaubt Ihr es?" „Wenn er es Dir versprochen und es Dein Wille ist, muß er's tun, o Gast! denn wir werden nichts vollbringen, wgs er frug sie: Sagt mir, Fresnde, was ist geschehen, daß Gott mich begehrt, vor ihm zu erscheinen? Lange schwiegen die Sterne. Sie scheuten sich, Mose das Leid anzukündigen. Endlich aber sprach die Sonne: Weißt du nicht, Mose, was geschehen ist? Dein Werk ist vernichtet. Gebrochen hat Gott den Bund mit Israel. Vertrieben hat er es aus seinem Land. Der Tempel ist in Schutt und Asche und einsam geht Gott herum. Im Himmel ist er nicht — darum ist unser Licht getrübt. Und auf der Erde unter den Menschen ist er nicht — darum herrscht das Schlechte um und um. Erhoben haben sich die bösen Mächte und drohen Gottes Stelle einzunehmen. Das Gesetz scheint tot und Gott verbirgt sein Gesicht. Geh, Mose ben Amram, stelle das Gesetz wieder her zwischen den Menschen der Welt, zwischen den Gelleren des Waldes, den Gewächsen des Feldes. Für alle haben wir Licht. Geh, bring Gott der Welt zurück." Als Mose diese traurige Kunde vernahm, verabschiedete er sich von seinen alten Freunden und sagte zu Jeremia: Führ mich zu den Juden ins (Bolus hinein. Da ging er mit dem Propheten über die Fluren Judas, sieben Meilen jeder Schritt, den feurigen Hirtenstab in der Rechten. Erschrocken schauten die Berge ihn, nach und duckten sich vor ihn, und wichen zur Seite. Die Erde streckte ihre Arine aus, faßte ihn beim Saunie seines Mantels und bat ihn flehentlich: O, An,rams Sohn, erlöse die Juden aus der Fremde, bring mir meine Kinder zurück. An den Ströinen Babylons traf Mose die Juden. Ihre Harfen hingen an den Zweigen am Bach, ihre Geigen lagen zerbrochen am Baden, ihre Blicke waren ängstlich aus das Wasser gerichtet. Da dachten sie an des Jardens Fluten, an des Schiloach leises Flüstern, hören wollten sie aus dem Wasser Wasser einen stillen Gruß, den die Wellen ihnen aus der Heimat bringen sollten. Zions Gesänge forderte der Feind von ihnen. „Wie sollen wir Zions Gesang singen auf fremder Erde? Verdorren soll die Rechte, bersten sollen die Harfen, wir schwören den Schwur ewigen Gedenkens." Das Wasser zitterte, als es Israels Schwur vernahm. Und auf seinen Flügeln trug der Wind den Schwur nach Zion hin und streute ihn aus wie einen Tau über Jerusalems Fluren. Und verschlungen hat Zions Boden Israels Wort. Seither trägt er es wie eine göttliche Frucht in seinem Schoß. O, einst läßt er den göttlichen Samen keimen, tragen wird er einst die goldene Frucht des göttlichen Samens. . . .

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