Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 32 (8.8.1913)
- Date
- 1913-08-08
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Das füdifche Klatt Nr. 32. Galizien. Der Anteil der Juden an der Galizischen Landwirtschaft. Nach den Ergebnissen der jüngsten Statistik hat sich die Beteiligung der Juden an der Landwirtschaft in Galizien um 5 % vermehrt. 70 % der Galizischen Grundbesitzer sind Polen, 20 % sind Juden, den Rest bilden Deutsche und Ruthenen. Die Zahl sämtlicher Grundbesitzer in Galizien beträgt 2244, davon sind 439 Juden. In Wirklichkeit ist der Anteil der Juden an der Landwirtschaft in Galizien viel größer, da die obengenannte Statistik nur die Gutsbesitzer, nicht die Pächter umfaßt. fitttttitttmt* In dem Senat hat Lahovary verlangt, daß alle unter der Fahne befindlichen Juden naturalisiert werden und der Finanzminister hat dies im Namen der Regierung auch zugesagt. — Indessen wird in Amerika von den dort befindlichen rumänischen Juden an der Bearbeitung der öffentlichen Meinung weiter gearbeitet. Am 20. Juli hatten sie eine Versammlung in Newyork, an der 100 Delegierte von 70 Vereinen teilnahmen. Unter, anderem wurde beschlossen, den Kaiser Wilhelm zu ersuchen, für die Jnnehaltung des § 44 des Berliner Vertrags durch Rumänien einzutreten. Das Kongreßmitglied $). M. Goldfogl berichtete über die auf Betreiben des Amerikanisch-Rumänischen Komitees vom Hause der Repräsentanten gefaßten Resolution für das Bürgerrecht der Juden in Rumänien einzutreten. Es wurde eine Kommission von 7 Mitgliedern gebildet, um Mittel und Wege zu finden, die wirtschaftliche Lage der Juden in Rumänien zu verbessern. Türket. Der Grandrabbin beim türkischen Kronprinzen. Der Chacham Baschi war unlängst vom türkischen Kronprinzen in den prächtigen Sommerpalast in Tschamlidja zum Tee eingeladen. Ihre Kaiserliche Hoheit war sehr zuvorkommend, und sprach Ihre Anerkennung über die Fähigkeiten und die patriotische Treue des jüdischen Volkes aus. Die Wiederheimbringung der Flüchtlinge. Nachdem die türkischen Truppen einen großen Teil von Thracien wieder besetzt haben, benachrichtigte der Chacham ' Baschi, daß die Wiederheimbringung der Flüchtlinge in ihre früheren Wohnsitze beginnen könne. Zehn Monate sind es jetzt her, daß diese unglücklichen Menschen durch die Straßen der Hauptstadt heimatlos irren. Man kann sich vorstellen, was für eine Freude diese glückliche Botschaft bei ihnen ausgelöst hat. Die Regierung ersuchte den Chacham Baschi, Rabbiner und Verwalter anzustellen, die die Heimkehrenden begleiten und betrauen sollen. Es sollen Listen aufgestellt werden über die infolge der bulgarischen Okkupation erlittenen Verluste, dann soll die Regierung den am härtesten Betroffenen zu Hilfe kommen. Cltuadlt. Die Zahl der Juden in Canada hat sich um mindestens 30 % vermehrt. In Montreal allein wohnen 40— 50 000 bei einer Gesamtbevölkerung von Million; die sonstwo in Canada noch wohnenden Juden darf man getrost noch auf 100 000 schätzen; sie sind meistens Russen und Rumänier. Das Kleidergewerbe ist hauptsächlich in ihren Händen. Der Beweis ihres steigenden Wohlstandes sind die von ihnen errichteten Häuser. Auch in der Landwirtschaft sind etwa 5 bis 6000 tätig. Es wäre noch mehr Platz für sie auf diesem Gebiete. Die „Jca" macht sich um die Verbreitung des Ackerbaues unter den Juden in Canada sehr verdient. In letzter Zeit hat es in Canada zwar Anzeichen von Antisemitismus gegeben. Ein Notar, Plamondor, verbreitete das Ritualmärchen und die „Libre Parole" in Ouebec unterstützt diese Treibereien. Ein Privatmann klagte wegen'Beleidigung, es kam zum Prozeß, Rabbiner Abramowitz war Zeuge, ebenso ein anglikanischer Geistlicher, Canon Scott. Dieser erklärte vor Gericht die Verleumdung als gefährlich für die Personen und Vermögen der Juden in Canada und bewies die Hinfälligkeit des Märchens, für die er 7 päpstliche Bullen als Beweis brachte. Das Urteil wird noch erwartet. Im übrigen Lande, außer Quebec und Montreal ist nicht die Spur einer antisemitischen Strömung und gerade in diese Gegend des Westens von Canada begeben sich Tausende von jüdischen Einwanderern. gg Korrespondenzen. 11 als - Msast-Lothrinaen. -- ais Straßburg. Am Montag, den 4. d. Mts., wurde der frühere Lehrer Josuö Wiener zu Grabe geleitet. Der Verstorbene war Lehrer in Sulz u. Wald, dann in Bischheim und zuletzt während 30 Jahren Lehrer in Pfalzburg gewesen: er war ein bekannter auch wissenschaftlich hervorragender Pädagoge. Im Trauerhause würdigte Herr Rabbiner Dr. Marx die Tugenden des Verblichenen, im Trauerzuge bemerkte man einige Kollegen, am Grabe nahm der Sohn, Herr Rabbiner Dr. Wiener in Antwerpen, in ergreifender Weise Abschied von seinem verklärten Vater mit dem Versprechen, in seinem Sinne wirken zu wollen. Bischweiler. Vergangene Woche veranstaltete hier der „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" eine Propagandu-Versammlung zwecks Gründung einer Ortsgruppe. Rechtsanwalt Dr. Kehr-Kaiserslautern sprach über „der praktische, wirtschaftliche und soziale Antisemitismus in Deutschland"; nach ihm Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil- Straßburg über „den Zentralverein und die Juden in Elsaß- Lothringen". Auf diese Referate, welche die ungeteilte Aufmerksamkeit der zahlreichen Zuhörer erregten, folgte eine stellenweise sehr lebhafte Diskussion, an der sich die Herren Dr. Levy, Hauser, Brunschwig-Straßburg, I. Meyer-Hagenau und Dr. Lehmann beteiligten, welch letzterem der Vorsitz über die Versammlung übertragen war. Eine zirkulierende Liste ergab 22 Unterschriften für den Zentralverein. Die Konstituierung des Bureaus der neuen Ortsgruppe wurde wegen vorgerückter Zeit für später Vorbehalten. — Gestern lud der hiesige „jüdische Literaturverein" seine Mitglieder zu einem Lichtbildervortrag des Herrn Dr. E. Cohn-Wiener, Dozent an der „freien Hochschule in Berlin" ein. Der Redner sprach in geistvoller, anziehender Weise über „das Judentum in der Kunst". Ausgehend von dem Satze, die Kunst ist der Ausdruck der Empfindungen, gab der Referent an der Hand sorgfältig ausgewählter Lichtbilder (Denkmäler und Bilder) eine von tiefer Sachkenntnis zeugende Darstellung des Judentums und der Juden in der bildenden Kunst der Völker zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Ländern. Reicher Beifall folgte den interessanten, anderthalbstündigen Vorführungen, und mit Genugtuung konnte der Vereinspräsident, Dr. Lehmann, sich der angenehmen Pflicht unterziehen, dem