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Das jüdische Blatt · 1913-08-08 · 32 (8.8.1913) · p. Seite 4

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
32 (8.8.1913)
Date
1913-08-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Nr. 32. Das jüdische Ktatt. hätten: Ja, wir haben 300 000 Frs. aufgewandt, diese 300 000 Frs. haben keinen Gewinn ergeben, aber sie haben den Erfolg gezeitigt, sie haben uns gezeigt, was wir zu vermeiden haben, sie haben uns Fingerzeige gegeben für das, was wir in Zukunft zu tun haben, — ein Mann, der so redet, ist der Verehrung und Bewunderung sicher sowohl von seiten derer, deren Geschäfte er verwaltet, als von seiten des Volkes im allgemeinen. Aber eine geriebene Verwaltung, die dies verschweigt, die, wenn sie Rechenschaft zu geben hat, diese in zweideutiger und unvollständiger Weise gibt, und die Kredit verlangt für Dinge, die nicht feststehen, eine solche Verwaltung begeht einen Kapitalirrtum. Gerade denjenigen, die sie unterstützen, die ihr wohl wollen, kommt die Pflicht zu, ihr zuzurufen: ' „('asse-cou!'' Ich bin nicht fest in Zahlen. Ich sagte ja bereits, ich sei kein Praktiker; darum will ich es nicht auf mich nehmen, herauszubringen, woran der Irrtum liegt. Aber unter uns gibt es doch Männer, die beruflich täglich mit Zahlen umgehen, die sind doch imstand zu sagen, was wir machen. Eine Kleinigkeit, die ich zu sagen habe, ist die — ich habe sie von direkter Quelle — ich hoffe, Sie werden heute Abend eine große Summe dazu beitragen. Ich selbst habe entsprechend meinen geringen Mitteln bereits meinen Beitrag geleistet, wir zahlen 7 Francs 50 für einen Oelbaum. Es wurde immer gesagt, und bis auf heute aufrecht erhalten, daß man für 7,50 Frs. einen Oelbaum kaufen kann, und nun höre ich ^Stimmen, die sagen: „Nicht 7,50 Frs., sondern 37 Frs. sind nötig." Ich erwidere: Ist dies wahr? Man antwortet mir lächelnd: Oh! es ist übertrieben. Nicht 37 Frs. Sicher aber auch nicht 7,50 Frs. Am Anfang war es teuer. In Zukunft wird es nicht mehr so teuer sein. Gegenwärtig können wir sagen, es ist so etwas zwischen 11 und 12 Frs. Gut! Aber warum sagen Sie das nicht? Es ist mir gesagt worden, daß Olivenbäume gepflanzt werden sollen. Aber sie sind nicht gepflanzt worden. Das ist ein zweiter Irrtum. Aber in Gottes Namen sagen Sie es doch! Glauben Sie, daß wir so großen Wert legen auf Olivenbäume oder aus 7,50 Frs.? Bäume wollen wir vor allem. Ob es Eucalyptusbäume sind oder Zedern des Libanon ist uns gleichgültig. Sagen Sie doch, es liegt ein Irrtum vor. Wir pflanzen dann keine Olivenbäume. Wir pflanzen andere Bäume, für welche bessere Bedingungen vorhanden sind und welche besser im Boden gedeihen. Das kostet aber mehr als 7,50 Frs. Soll es 12 Frs. kosten? Recht! Gut. Der Mann, der jetzt zwei Bäume spendet, wird nur einen spenden. Das hat doch nichts zu bedeuten. Aber um Gotteswillen, seien Sie aufrichtig, und fürchten Sie den Tag, wo ein Feind — ich bin keiner, und ich sehe auch keinen hier um mich —, aber wo ein wirklicher Feind, ein übelgesinnter Mensch, diese Tatsachen benutzt, um euch Mangel an Mut vorzuwerfen, unangenehme Dinge zu bekennen. Niemand hat das Recht, sich einer solchen Lage auszusetzen. Es wurde auch von einer Universität grsprochen. Eine ausgezeichnete Idee! . . . Gewiß, eine Universität ist eine gute Sache, besonders eine jüdische Universität. Es ist unnötig, dies zu beweisen, on predierait un converti. Natürlich wir Juden brauchen eine. Aber mit welchen Mitteln können wir unfern Wunsch erfüllen? Hätten wir große Philantropen wie sie Amerika hat, die Millionen geben, — neulich hat einer 400 Millionen für eine Universität gegeben — würde ich sagen: „Das ist ja großartig. Das brauchen wir gerade. Es gibt 3000 junge Juden in der Welt, die das Recht auf die besten Katheder in der Welt haben, und die können nicht lehren, weil sie Juden sind. Studenten gar! Mein Gott, wieviel wir haben! (Heiterkeit!) Aber Geld, woher sollen wir es bekommen? Man sagte uns: „Sic sind in Verlegenheit wegen Geld? Nun gut, die Olivenbäume des Herzlwaldes werden das Geld einbringen." (Erneute Heiterkeit.) Wohl, warten wir ab, bis der Herzlwald eine ausreichende Rente abwirst zur Unterhaltung einer Universität. An diesem Tage werde ich mit aller Kraft, die in mir zurückbleibt sagen — ich fürchte aber, der Tag ist nicht sehr nahe - wehe dem, der von diesen zwei Millionen einen anderen Gebrauch macht. Diese zwei Millionen sind heiliges Geld. Sie sollen dazu dienen, eine jüdische Universität in Palästina zu erhalten." Aber ich warte auf den Tag, wo uns der Wald die zwei Millionen bringt. Ich habe das Unglück, ein ausgezeichnetes Gedächtnis zu besitzen. Ich erinnere mich, vor 10, 11 Jahren begeisterte junge Männer gesehen zu haben, die die eine Entschuldigung hatten, die Farbe ihres Haares, die die unserige nicht mehr hat. Sie hatten nicht ein einziges weißes Haar. Diese jungen Leute sprachen auch von einer jüdischen Universität. Sie hatten infolge eines außerordentlichen Glücksfalles, deren die Geschichte des jüdischen Volkes so reich ist, in einem einzigen Zuge 10 000 Fr. beisammeu. Dann wurden mehrere großartige Reisen unternommen. Diese Reisen dauerten so lange wie die 10 000 Fr. Und als die 10 000 Fr. darauf gegangen waren -- und sie haben gewissenhaft den letzten Centimes darauf verwendet —, hörten die Reisen auf, und die Vorträge ebenfalls. Seither haben wir nichts mehr von der jüdischen Universität gehört. Ich schaue mich um, rechts und links, ob wieder neue 10 000 Fr. — vielleicht ein wenig mehr — gesammelt werden. Was mich beängstigt ist, daß ich die gleichen Fehler entdecke bei der neuesten Bewegung um die jüdische Universität, Reisen, frische Vorträge, bis wieder kein Geld mehr übrig bleibt. Nein, nein, praktisch auf diese Art dürfen wir nicht sein. Laßt uns praktisch sein wie Herzt es war und wie Wolffsohn es war. Wir wollen doch nicht zuviel auf einmal unternehmen. Wir sollten doch nicht Dinge unternehmen, von denen wir wissen, daß wir sie nicht ausführen können. Wir sollten doch nur Dinge unternehmen, die in Wirklichkeit nützlich sind, nützlich zunächst unserem Rufe, dann unserer Sache. Ich sage unserem Rufe. Das ist tatsächlich ein Erbe, auf das wir sehr acht haben müssen, denn was für praktischen Wert hatte bis jetzt unser Werk in Palästina? Tatsächlich hat es die wirtschaftliche Lage von im ganzen 50 000 Juden verändert. Ich bin ja bescheiden genug, einzugestehen, daß dies schon sehr wichtig ist. Jeder dieser 50 000 Juden — ich nehme die Schätzung hoch an —, die jetzt in Palästina leben und mit ihrem Los zufrieden sind, ist für mich ein Gegenstand der Verehrung, des Neids, der Bewunderung. Nur 50 000 im ganzen, von 12 Millionen und von sechs bis sieben Millionen, die in schrecklicher Not sind und sofortige Hilfe bedürfen! Das ist doch furchtbar wenig! Trotzdem ist der Nutzen groß, denn wir können doch etwas zeigen. Wir können der Welt sagen, die unseren Enthusiasmus nicht versteht, unsere Hoffnungen nicht versteht, wir können ihr sagen: Sehen Sie, wir leben nicht in den Wolken, wir sind ein Volk, das wirkliche Taten vollzieht. Wir sind nicht Träumer, wir haben ein Programm. Wir haben begonnen, es zu verwirklichen. Gehen Sie nach Palästina und sehen Sie ein Heim, das ein sauberes Aeußeres und ein europäisches Aussehen hat, und fragen Sie: Was ist das für ein Haus? so wird man Ihnen antworten: Es gehört einem Juden, einem Zionisten. Sehen Sie in einem Ort mitten im Schmutz eine sauber gehaltene Straße und fragen Sie erstaunt, wer hat die Straße gemacht, so erhalten Sie die Antwort: Ein Jude, ein Zionist. Sehen Sie Leute, die anständig gekleidet sind, die ihren Kopf hoch halten, die fleißig den Boden bebauen, und gehen Sie mitten in der Wüste, wo kein Schatten ist, über einen Platz, wo Bäume sind, und Sie fragen: Wer hat diese Bäume gepflanzt, erhalten Sie die Antwort: „Ein Jude, ein Zionist hat das gemacht." Das macht Eindruck, und der Besucher, der drei-, viermal die gleiche Antwort erhalten hat, verläßt Palästina mit einem Respekt vor unserer Tüchtigkeit und Würde. Das ist immerhin ein praktisches Werk. Es ist zwar ein theoretisches Werk, das in Wirklichkeit nur einer kleinen Anzahl nützt, in Wahrheit aber durch seinen Wert als Muster und Beispiel uns allen reichen und edlen Gewinn bringt. Ich komme zum Schluß. Die neue Verwaltung, die die Macht erlangt durch Bekämpfung des politischen Zionismus nennt sich selber politisch. Sie hat wenige positive Erfolge erzielt. Es ist nicht ihr Fehler. Aber ich konstatiere mit Vergnügen, daß diese Körperschaft geworden ist, was sie hat sein sollen. Sie nennt sich praktisch und wir sehen, daß sie nichts zu dem Werk hinzugefügt hat, das begonnen war. Sic hat zweifellos gewisse Dinge geplant, aber diese sind gefährlich, weil wir nicht die Mittel haben, sie auszuführen. Sie verfolgt eine Politik voll Gefahren, die darin besteht, daß sie sagt: Wir wollen mal irgend etwas anfangen, Gott spendet die Mittel. Ich meine, das ist nicht praktisch. Was uns angeht, so sind wir über das eine sicher. Wir bleiben treu beim Ideal Herzls, d. i. für das Wohl des jüdischen Volkes als ganzes zu sorgen. Dieses Ideal kann nicht untcrgchen.

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