Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 32 (8.8.1913)
- Date
- 1913-08-08
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/9052070-9096771-9052620--0555-9052622- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
2 Da» jüdische Klatt. Nr. 32. liehen Buchstaben wie Funke» des Gottesgeistes und flogen durch die Welt, und mit ihnen fliegt die Lebenskraft Israels. Sie halten und heben uns und tragen uns mit sich zur himmlischen Höhe, wo Gott uns Sonne und Schild ist. Hätte Jerusalem sich nicht an seinein Heiligsten versündigt, nie wäre der Feind und Wüterich durch seine Tore geschritten, nie hätte mein Volk im Elend der Heimatlosigkeit sein Brot unter Tränen gegessen, alle Wege der Welt mit seinem Blute gezeichnet. Mein Volk trauert. Gott tröstet mein Volk. Einst wird er es wieder Herstellen wie in der Vorzeit. Einst, wen» es von Gottesfurcht erfüllt, von Liebe und Gerechtigkeit durchdrungen ist und das Gottesgesetz zu seiner Lebensverfassung macht, einst wird es sich aus dem Staub erheben und im Lichte Gottes erstrahlen. Dann jubelt mein Volk. Die Abrechnung Kardans mit dem Zion. Aktionskomitee. An dein Kongreß der Zionisten, der vom 2. bis ll. September in Wien stattfinden wird,,.wird Herr Dr. Nord au nicht beiwohnen. Auch die übrigen Palatinen Herzls, die zugleich die Hüter der finanziellen Institute des Zionismus sind, sollen beschlossen haben, dem Kongreß fern zu bleiben. Diese Tatsache allein läßt auf scharfe Gegensätze schließen, die innerhalb der zionistischen Partei bestehen. Die gegenwärtigen Inhaber der Macht beanspruchen den maßgebenden Einfluß auf die Leitung der zionistischen Finanzinstitute, auf den sie aus dem letzten Zionistenkongreß verzichtet hatten und werden darauf abzielende Anträge aus dem Zionistenkongreß in Wien stellen. Nun hat Herr Dr. Nordalt bei der Herzlfeier in Paris eine Rede gehalten, die in die Tiefe des Gegensatzes zwischen den Männern der früheren und der jetzigen Leitung einen Blick gewährt. Dr. Nordau geißelt die nach dieser Hinsicht begangenen Fehler mit einer derartig rücksichtslosen Offenheit, daß man über die Tragweite von Nordaus beißender Kritik nicht im Zweifel sein kann. Wir halten die bedeutungsvollen Ausführungen Nordaus für wichtig genug, um die wichtigsten Stellen in extenso wiederzugeben. Sie dürfen wohl als die unentbehrliche Aufklärung gelten, die das Verständnis für die auf dem Kongreß zu erwartenden Kämpfe erschließen. Nachdem Dr. Jakobson, Präsident der Mebassereth Zion, und Dr. Günsburg, Präsident der Esras Zion, die Bedeutung Herzls gewürdigt hatten, sprach Dr. A. M a r m o r e k. Dr. Marmoreks Rede war das Geplänkel vor dem Gefecht. Er schilderte das große Verdienst Herzls, er habe den Zionismus ausgerüstet mit den nötigen Waffen, dem Kongreß, der Jüdischen Kolonialbank, dem Nationalfonds, er habe die diplomatische Methode eingeleitet und bei den höchsten Vertretern der Staaten die zionistische Politik vertreten. Und die Nachfolger, die jetzigen Leiter der Bewegung? fragt Marmorek. Sie haben es nicht verstanden, den Spuren des Meisters zu folgen, sie haben sein Werk gefälscht und geschwächt, antwortet Marmorek. Das Geld der Finanzinstitute wird in tausend Unternehmungen gesteckt, die die Führer erfolgreich durchzuführen nicht befähigt sind, und der daraus sich ergebende Schaden sei so groß, daß die Mittel gefehlt hätten, die großen politischen Ereignisse der letzten Zeit zugunsten des Zionismus auszunützen. So lange Herzls Werk in diesen Händen liegt, so schloß er, sei die Bewegung nicht länger als eine politische aufrecht zu erhalten. Dann folgte Dr. Nordau. Er verbreitete sich zuerst über die Entwickelung der zionistischen Bewegung und der Opposition gegen Herzl, die schließlich damit endete, daß die Opposition die Macht eroberte, die sie jetzt in Händen hat. Dann sagte er: Ich will mich auf die Tatsachen beschränken, wie ich sie sehe. Ich will nicht das Beispiel des Aktionskomitees nachahmen, das sich das Bergnügen map versagen kann — ein Vergnügen, das niir nnt dr: Eigenschaft eines Präsidiums unvereinbar scheint — uns zu kritisieren. In dem offiziellen Organ der Bewegung hat man dura) den Mund von Bortraasreisenden, die von dem Aktionskomitee in die verschiedenen Gegenden gesandt morden sind, in ziemlich ossiz.cller Weise, ich möchte sogar sagen, geradezu offiziell, die unschuldigsten und natürlichsten Dinge kritisiert, die wir einfach im Glauben auf unser Recht als Zionisten getan haben. Letzten Herbst wurde eine Versammlung in Paris vereinbart, zu der ich bereitwilligst meine Zustimmung gegeben habe, obgleich die Initiative nicht von mir ausgegangen ist. Ohne jede Geheimtuerei kamen wir zusammen, um die Lage des Zionismus besonders vom politischen Standpunkt zu besprechen, und um zu sehen und zu beraten, ob wir nicht nützliche Ideen finden. Zu dieser Konferenz war das Aktionskomitee in privater Eigenschaft eingeladen worden. Es mar auch so freundlich, einige Herren des Aktionskomitees zu delegieren, um an den Beratungen teilzunehmen. Darauf wurde gesagt und mußten wir lesen, daß wir eine ungesetzliche Handlung begangen haben. Ungesetzlich? Freie Bürger, freie Mitglieder einer öffentlichen Bewegung, die sozusagen öffentlich zusammentreffen, oder wenigstens vor den Augen aller derer, die die Sache angeht und die sich offen über die Dinge des Tages aussprechen! Ungesetzlich ist wohl ohneZweifcl diese Konferenz, zu der Sie eingeladen wurden, um Reden zu hören, die den verstorbenen Führer des Zionismus betreffen, Reden über die gegenwärtige und zukünftige Lage? Nun, wenn man schon einmal von Ungesetzlichkeit sprechen will, so hätte man diese Bezeichnung vielleicht mit viel größerem Rechte anwenden können in bezug auf die Ungesetzlichkeit einer gewissen Konferenz in Charkow, die nicht öffentlich war, zu der Herzl nicht eingeladen war, und bei welcher die Einrufer gewisse Beschlüsse faßten. Wir aber, wir kamen vor aller Welt zusammen, ohne Oppositionsgedanken, in der natürlichen Absicht, uns zu besprechen, und ohne den geringsten Wunsch, zu Beschlüssen zu gelangen, die gegen die Personen und die Partei, die gerade die Macht hat, feindselig gewesen wären. Nein, nein, das war nicht ungesetzlich. Das mar ganz gesetzlich, und das offizielle Organ war im Unrecht, dies zu tadeln. Etwas später wandten sich einige Freunde, gute englische Zionisten zur Zeit der Botschafterkonferenz in London an mich, und sagten mir im Glauben, daß es nützlich sei, daß auch wir unsere Stimme erheben, wenn auch nur zu dem einzigen Zwecke, die Aufmerksamkeit auf uns zu lenken: „Die Stunde ist da, zum europäischen Publikum zu reden, dem Publikum, das wir noch nicht erreicht haben, das vom Zionismus von weitem gehört hat, das vielleicht den Namen kennt, die Sache aber nicht versteht." Ich antwortete sofort: „Die Idee ist gut. Es ist durchaus unnötig, daß wir einen Aufruf erlassen, wie Sie es wünschen, jedoch ich glaube, wir können ruhig unserem Werke eine größere Oeffentlichkeit verschaffen." Darauf setzte ich mich in meiner Eigenschaft als Publizist allein hin, als ein Mann, der die Gewohnheit hat, von der öffentlichen Tribüne der Presse aus zu sprechen und schrieb einfach, klar, ich möchte fast sagen trocken, und tat meinem Temperament Gewalt an und erklärte in der „Times", was Zionismus ist, was er will, was er erhofft. Sie können mir glauben, daß ich jedes Wort abwog, d 'ch .ch, gab, nicht eir Wort auszusprechen, das bei der Partei Und.H hat! erregen können, daß ich mich hütete, von Europa etwa n - ulo, gen, was cs uns nach meiner Ueberzeugung nicht geben *"m-f;'. auch wenn es wollte. Nun ich hatte das Vergnügen, darau^m in dem offiziellen Organ unserer Bewegung, einen Artikel zu?cfcr>. de. >hne meinen Namen zu nennen, ihn jedoch durch eine Andeulnm a . roßartiger Durchsichtigkeit erraten lieh, von einem Manne -■■nuh, der