Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 31 (1.8.1913)
- Date
- 1913-08-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 31. Das jüdische iHntt. y Teile wir bereits mitgeteilt haben, und ernannte Dr. Mendes Pereira ') wieder per Akklamation zum Präsidenten, obgleich dieser gebeten hatte, ihn von dem Amte wegen Differenzen mit anderen Mitgliedern des Vorstandes und aus Gesundheitsrücksichten zu befreien. Der Sabbatverband. Dr. D r a ch m a n n gab, wie bereits angedeutet, einen Bericht über die Tätigkeit des Sabbatverbands. Der Verband hat ein Bureau und ein Sekretariat. Er verschaffte etwa 1400 Juden und Jüdinnen Stellen, in denen sie am Sabbat frei sind. Er organisierte I u g e n d v e r e i n e zu dem Zwecke, die Liebe zur Heilighaltung des Sabbats aufrecht zu erhalten, und hielt Jugendgottesdienste innerhalb des Bundes zur Erziehung zur Selbstachtung. Der strenge Einwanderungskommissar Williams scheidet aus seinem Amte, das er jahrelang zum Schrecken der Einwanderer auf Ellis Island ausgeübt hat. Er hat mit so großer unerbittlicher Härte seines Amtes gewaltet, daß er nicht betrauert wird. Die Frage ist nur, ob sein Nachfolger besser sein wird. Und wir haben nicht den geringsten Grund zu überschwenglichen Hoffnungen. Die zweideutigen Reden, die der jetzige Präsident während der Wahlkampagne über die Einwanderungssrage gehalten hat, ermutigen nicht gerade zu großen Erwartungen. Das neue Sekretariat für Einwanderung unter W i l - s o n behandelt die Einwanderungsfrage vom engen Standpunkt der einheimischen Arbeiter, und der jetzige Generalkommissar für Einwanderung A. Caspinetti ist als Kalifornier ein Freund der Beschränkung der Einwanderung. Geradezu besorgniserregend ist der Umstand, daß zum Nachfolger Williams auf Ellis Island Byron H. Uhl ernannt werden soll, der würde die strenge Politik Williams einfach fortsetzen. m Korrespondenzen. || - Elsaß Lothringen. - Straßburg. Der Schwindel mit dem Schneeballengebet geht noch immer um. Jetzt zirkulieren dieselben auch in französischer Sprache, etwas erweitert und zwar ganz im Stile der Mission. In den Papierkorb damit. Straßburg. Bericht über die Herzlfeier der zionistischen Ortsgruppe zu Straßburg. Am 24. d. M. fand in den Räumen der Unitas-Loge zu Straßburg anläßlich der neunten Wiederkehr des Todestages des Volkssührers Herzl, dessen Werk sich immer noch vor unseren Augen weiterentwickelt, eine stimmungsvoll und würdig verlaufene Gedenkfeier der zionistischen Ortsgruppe statt. Man sah in der gutbesuchten Versammlung eine Reihe von bekannten jüdisch interessierten Persönlichkeiten; auch Nichtzionisten hatten sich eingefunden, um durch die Erinnerung den hinreißenden Zauber, den die Persönlichkeit Herzls auf die Juden aller Länder ausgeübt hatte, wieder auf sich einwirken zu lassen. Nach Eröffnung der Feier durch ein Präludium ergriff als erster Redner Herr Lucien Dreyfuß das Wort und schilderte das Leben, Wirken und Streben Herzls im Dienste des jüdischen Volkes: wie Herzls glänzende Künstlerseele, nachdem sie erst gefühlsmäßig wieder den Weg >) Herr Pereira ist im Gegensätze zu manchen seiner Kollegen der Meinung, daß man sich nicht von den übrigen Organisationen lossagen dürfe, sondern daß man im Sinne des überlieferten Judentums erziehend und bessernd auf sie einwirken müsse. zum angestammten Volke gefunden, sich mit aller Kraft, mit der glühendsten Ekstase wie mit der kältesten Berechnung, mit idealem Schwung und knappester Berechnung zugleich, mit feinem Künstlersinn und entschlossenem Zupacken auf seine Aufgabe warf und die sieben Jahre, die er wirken durfte, zu einer historischen Epoche machte. Es folgte ein Vorlesen von Briefen Herzls durch Herrn stud. rer. pol. A. Schwarz. Hieraus schilderte der bekannte jüdische Dichter Berthold Feiwel, ein persönlicher Freund Herzls, in seiner hinreißenden Art und in unmittelbarer, jeden Anwesenden wie persönliche Erlebnisse packenden Rede Erlebnisse mit dem Verstorbenen, wie dieser durch sein, des Redners, Leben gegangen. Nach diesem stimmungsvollen Erinnerungskultus mahnte der Vorsitzende, Herr Professor Dr. Dreyfuß, die Versammlung wieder an die Gegenwart, indem er den Rednern und der Versammlung dankte und auf die bittere Notwendigkeit jüdischer und zionistischer Gegenwartsarbeit hinwies. — Für den neu anzulegenden „Straßburger Oelbaumgarten" in Palästina wurden -4 Oelbäume gesammelt. Der „Elsässer Oelbaumgarten" ist bereits seit einiger Zeit komplett. Weh. Notar L e v y von Gorze ist in gleicher Amtseigenschaft auf den 1. August nach hier versetzt. Bayern. Ansbach. Wie uns berichtet wird, hat von zwei Zöglingen des Talmud-Thora-Jnstituts in Schwabach, die am Kgl. Progymnasium daselbst absolvierten, der eine das Examen so gut bestanden, daß ihm öffentlich eine Prämie zuerkannt wurde. Dies verdient umso mehr registriert zu werden, als der betreffende Schüler am Samstag vom Unterrichte gänzlich befreit war und der Schule fernblieb. Hieraus ergibt sich wieder einmal deutlich, daß nicht in dem rastlosen Treiben und Hasten, das weder Sabbat noch Festtage kennt, der Segen liegt, sondern daß man wohl in sechs Tagen seine Arbeiten verrichten und am siebenten ruhen kann. Wir freuen uns dieses Erfolges auch darum, weil jeder Jude, der etwas tüchtiges leistet, dazu beiträgt, die Bewertung seiner Glaubensgenossen in den Augen des Nichtjuden zu heben. Der Tribut des Dankes fei bei diesem Anlasse dem Kgl. Rektorate gezollt, das in seiner weitgehenden Toleranz stets ein volles Verständnis für die Interessen auch der israelitischen Schüler bekundet und in reichstem Maße betätigt. Durgpreppach. Eine seltene Ehre wurde heute der israel. Präparandenschule Hierselbst zuteil. Se. Exzellenz der Herr Regierungspräsident von Unterfranken und Aschafsenburg, Staatsminister a. D. von Brettreich, der gegenwärtig wieder eine mehrtägige Informationsreise durch seinen Amtsbezirk unternimmt, beehrte in Begleitung des Kgl. Bezirksamtmannes Heim von Hofheim die Schule mit seinem Besuch. Am Eingang durch deren Vorstand, Herrn Distriktsrabbiner Dr. Cohn, empfangen, wurde derselbe in den Musiksaal der Anstalt geleitet, woselbst sich die Lehrer und Schüler versammelt hatten. Nach einem vom Schülerchor vorgetragenen Liede dankte Herr Distriktsrabbiner Dr. Cohn in einer Begrüßungsansprache namens der Verwaltung wie der Lehrer und der Schüler für die große Ehre, die der hohe Gast durch seinen Besuch der Schule erwiesen habe und gab der Freude Ausdruck, dis alle Beteiligten ob dieser Ehrung erfülle. Die Schule verfolge die gleichen Ziele wie die Kgl. Präparandenschulen und suche ihre Zöglinge gleichermaßen mit einem möglichst umfassenden Wissen auf religiösem Gebiete wie mit allen denjenigen Kenntnissen auszustatten, die durch das Normativ für Lehrerbildunganstalten von höchster Stelle verlangt werden. Wenn er Se. Exzellenz zu einem Rundgange durch die Räume der Anstalt einladen dürfe, so bitte er ihn, bei der Beurteilung keinen allzustrengen Maßstab anzulegen, bedenkend, daß