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Das jüdische Blatt · 1913-08-01 · 31 (1.8.1913) · p. Seite 8

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
31 (1.8.1913)
Date
1913-08-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Nr. 31. Das jüdische Klatt. Amerika. Nochmals der Verband der orthodoxen jüdischen Gemeinden in den Vereinigten Staaten von Kanada. Wir haben bereits einen gedrängten Bericht über den Verlauf des Verbandstages der orthodoxen jüdischen Gemeinden in den Vereinigten Staaten und dessen Beschlüsse gebracht. Es war daraus die emsige, unverdrossene Tätigkeit zu erkennen, die dieser Verband aus dem harten Boden Amerikas für die Forderung des überlieferten Judentums entfaltet. Manche Länder Europas könnten von diesem wackeren Verbände lernen, wie unter den schwierigsten Bedingungen Ersprießliches für unser Judentum geleistet werden kann, wenn sich die zur Verfügung stehenden Kräfte zusammenschließen und Zusammenarbeiten. Der Verbandstag gab dem Nerv-Parker Rabbiner Dr. K l e i n Gelegenheit, in einer eindrucksvollen Ansprache den Anschluß an die Agudas Israel und ein Zusammenarbeiten mit dieser geplanten Weltorganisation zu beantragen. Auch die Brandkatastrophe in Preßburg war Gegenstand der Erörterung und es wurde den Mitgliedern nahegelegt, in Predigten die jüdischen Massen zur Hilfe für die bedrängte Jeschiwa in Preßburg anzusetzen. Besondere Beachtung verdient die auf dem Verbandstage gehaltene Rede des Präsidenten Dr. Pereira Mendes: Wächter, was ist's in der Nacht? frug der Sohn des Amos. In der langen Nacht unseres Exils war die Antwort zu oft Schluchzen und Tränen, denn Israel war heimatlos, hoffnungslos, hilflos, außer in bezug auf seinen ewigen Glauben, durch welchen auch der menschliche Hilfsschrei hindurchzieht: Woher kommt meine Hilfe? Die Antwort erfolgte: Meine Hilfe kommt von Gott, dem Schöpfer von Himmel und Erde. Ist die Nacht vorüber? Oder dauert die Finsternis weiter, die dicke „greifbare Finsternis", mit ihren Blutlügenschrecken, Vertreibungen, Schändungen und Progromen in so manchen Ländern, mit ihren Entrechtungen, durch welche Juden vom bürgerlichen, militärischen, akademischen und wirtschaftlichen Leben ausgeschlossen werden, mit ihrem Schreckbild des Hasses, ihrem Gespenst der Rechtlosigkeit, ihrem Alpdruck des Vorurteils in allen Landen. Gesetzt, alles dies wäre so, so singe ich doch das Lied, das der treue Glaube zu allen Zeiten angestimmt hat: „Du mußt nicht zittern vor dem Schrecken der Nacht — noch vor der Pest, die im Finstern schleicht." Ich schlage die optimistische Note an: „Das Tal der Angst führt durch das Tor der Hoffnung". Wir erwachen aus der Nacht mit all ihren Schrecken und Schatten, ihren Gespenstern und ihren Phantomen und ihrem Alpdruck mit der Hoffnung auf das Dämmern eines besseren Morgens, der bessere Bedingungen bringt für das jüdische Leben, die jüdische Erziehung, die jüdische Lage. Wir haben es gelernt, uns in jedem Lande zu organisieren behufs Förderung aller dieser Dinge. Seit dem Tage, als vor 50 Jahren Mortara von seinen Eltern gestohlen wurde, haben wir gelernt uns zu organisieren für das, was ich die alljüdischen Interessen nennen möchte. Jedoch für die besonderen Interessen eines jeden Landes ist seit vielen Jahren das Losungswort ausgegeben: Organisation. Dr. Pereira Mendes ging dann dazu über, die Tätigkeit des Verbandes in auswärtigen und heimischen Angelegenheiten zu besprechen. Unter anderm sagte er, daß er bei der Gelegenheit des Besuches der Kommission des englischen Hanfes der Gemeinen mehreren Mitgliedern in betreff der Lage der Juden in Rußland geschrieben und daß er sehr freundliche Antworten erhalten habe, u. ä. von Lord Weardale, dem Präsidenten der Kommission, vom Grafen Beauchamp und von Lord Hugh Cecil, Mitglied des Parlaments. Die Proteste der größten Gelehrten Europas gegen die Blutlüge, sagte er, waren ein einzigartiges Zeugnis von historischer Bedeutung. Ich hätte nur gewünscht, daß eine jede jüdische Organisation, die unserige einbegriffen, eine Abschrift davon geschickt hätte an jedes Mitglied der russischen Duma, einen jeden hohen russischen Beamten in und außerhalb Rußlands, einem jeden europäischen Konsul in den Gegenden der griechisch-orthodoxen Kirche, außerdem an alle nur erreichbaren Herausgeber von Zeitungen und Zeitschriften. Wenn auch nur 100 von Zehntausend die Sache erörtert hätten, wäre es schon ein bemerkenswerter Gewinn gewesen. Wenn wir wollen, daß die Gerechtigkeit, die Freiheit, die Brüderlichkeit, die Gleichheit ins wirkliche Leben übergehen, müssen wir die öffentliche Meinung erziehen, müssen wir Propaganda treiben, und es ist die Pflicht aller jüdischen Organisationen, dabei mitzuhelfen. Als die zukünftige Aufgabe des Verbandes bezeichnete Dr. Pereira Mendes: Veröffentlichung und Verbreitung von Flugblättern in Jiddisch oder Englisch und unentgeltliche Verbreitung derselben in allen orthodoxen Gemeinden, wo sie nützen können, und zwar folgenden Inhalts: 1. Notwendigkeit, englische Predigten zu halten, und zwar regelmäßige, wenn irgend möglich, wenigstens aber gelegentliche; für die ältere Generation, die das Englische nicht genügend beherrscht, möge Jiddisch beibehalten werden. 2. Ein edler Gottesdienst, um die Anhänglichkeit der Söhne und Töchter, die bereits im amerikanischen Milieu ausgewachsen sind, zu erhalten. 3. Hebung der Lage der Chassanim, damit sie bei der Erziehung mithelsen und Respekt einslößen können. 4. Lebensversicherung der Rabbiner und Chassanim für ein bestimmtes Lebensalter. 5. Zusammenarbeiten für religiöse Interessen und Hebung derselben. 6. Bildung jüdischer Mittelpunkte, um unsere jungen Männer und Frauen an der jüdischen Erziehung, am jüdischen Leben, an der jüdischen Pflicht festzuhalten. 7. Bildung von Landesverbänden nach Staaten als Distrikte für Wanderpredigten und Wanderbesuche von Rabbinern. 8. Organisation von hebräischen und Rcligionsschulen mit den nötigen Unterlagen wie Schulbücher und methodischen Anweisungen, mit besonderer Hervorhebung der Notwendigkeit der hebräischen und religiösen Belehrung von Knaben und Mädchen. 9. Fortbildung der religiösen Erziehung für Knaben nach der Barmizwa und für Mädchen bis zu einem Alter, wo beide Geschlechter imstande sind, ihre Pflichten selbständig zu verstehen und auszuführen, und Stolz zu empfinden über jüdische Geschichte und die jüdischen Ideale. 10. Die Zusammenstellung einer Liste zuverlässiger koscheren Restaurants in den Vereinigten Staaten und in Kanada zur Benutzung für die jüdischen Reisenden. 11. Veröffentlichung eines Jahrbuches mit der Liste der orthodoxen jüdischen Anstalten für Kranke, Waisen, Arme, Taubstumme und andere Gebrechliche, mit der Hoffnung, Beiträge für diese Anstalten von orthodoxen Einzelpersonen, die in den Vereinigten Staaten zerstreut sind, zu erhalten, und besonders über diese Anstalten Kenntnis denjenigen zu bringen, die sie benutzen wollen, z. B. jüdischen Taubstummen. Alles dies verlangt einen großen Fonds für Propaganda, Druck, Vertreibung, Bureau, Personal, und Gelder müssen aufgebracht werden für Stipendien an Jünglinge, die sich die Hatoras Hauroo (Rabbinerdiplom) erwerben wollen, und für Errichtung von Anstalten für intensives Thorastudium. Die Versammlung schloß sich den Vorschlägen ihres Präsidenten an durch Annahme der Resolution, deren wichtigsten

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