Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 31 (1.8.1913)
- Date
- 1913-08-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 31. Das jüdische Statt. 5 betroffenen Ländern Rumänien, Bulgarien und Serbien zu verzeichnen, während die Einnahmen aus der Türkei sogar ebenfalls eine bedeutende Steigerung erfahren haben. Vom Rhein. Die jüdischen G e i st l i ch e n in Rheinland und Westfalen geben sich seit Jahren alle erdenkliche Mühe, die Beaufsichtigung des Religionsunterrichtes in den Volksschulen ihres Bekenntnisses zu erlangen. Sie wollen so einen Einfluß auf Schulen und Lehrer gewinnen, der ihnen bisher nicht zustand und gegen dessen Etablierung sich die bedrohten Lehrer heftig sträubten. Leider haben die Bezirksregierungen in Einzelfällen diesen hierarchischen Bestrebungen ein gewisses Entgegenkommen bewiesen, das diese Behörden nun selbst in Verlegenheit bringen muß. Seit die liberale Richtung unter den Rabbinern ein sehr freisinniges Programm veröffentlicht hat, ist zwischen diesen Herren und ihren konservativen und orthodoxen Amtsgenossen ein Streit entstanden, der schon mehr das Aussehen eines Religionskrieges angenommen hat. Die Orthodoxen wollen religiöse Amtshandlungen der rabbinischen Unterzeichner der liberalen „Richtlinien" einfach. als ungültig ansehen. Nun suchen sich die feindlichen, int Machtstreben aber parallel gehenden theologischen Richtungen anscheinend auch die Jnspektionsstellen streitig zu machen. Die Orthodoxie hat damit im Aachener Bezirk den ersten Erfolg davongetragen. Wie die „Blätter für Erziehung und Unterricht" berichten, hat sich die Gemeinde Mechernich der Religionsschul- Jnspektion des Rabbiners Dr. Jaulus in Aachen entzogen, und sie fordert andere Gemeinden auf, ihrem Beispiel zu folgen. In dem Schreiben heißt es: „Wir haben Herrn Dr. Jaulus geschrieben, daß wir weiterhin auf eine Beaufsichtigung unserer Schule durch ihn verzichten und haben dieselbe dem Rabbiner des „Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands" (orthodox) übertragen. In der Annahme, daß auch Sie die Erziehung der Kinder einem Rabbiner, der „die Richtlinien" unterschrieben, nicht anvertrauen wollen, geben wir Ihnen von dieser Angelegenheit Kenntnis." Die Gemeinde Mechernich hat sich in dieser Sache auch an die Regierung in Aachen gewendet und hat von ihr den Bescheid erhalten, daß Herrn Dr. Jaulus niemals das Recht eingeräumt worden fei, die Religionsschulen zu beaufsichtigen, sondern, daß er nur mit der Beaufsichtigung des Religionsunterrichts in den Volksschulen betraut worden seif Wie werden sich nun die Regierungen zu dem Jnspektionsbegehren von rechts und links stellen? (Fränk. Ztg.) Frankreich. Paris. Herr Theodor Reinach, Mitglied des „Institut de Fnuice" und Deputierter für Savoyen, einer der Vizepräsidenten des gegenwärtig in Paris tagenden „Kongresses für religiösen Fortschrit t", ergriff am Schluß der Sitzung vom 19. Juli das Wort, um die Aufmerksamkeit der Versammlung auf den mitten im 20. Jahrhundert unternommenen Versuch zu lenken, eine das Judentum schwer schädigende Verleumdung, die Anschuldigung des Ritualmords, zu erneuern. „Nicht eine einzige Zeile in den religiösen jüdischen Schriften, führte er aus, nicht eine einzige wissenschaftlich begründete Tatsache geben den geringsten Anhalt für diese verabscheuungswürdige Legende, die früher ebenso ungerechtfertigter Weise dazu gedient hat, die ersten Christen zu verleumden und sie zu Tode zu martern. In der Affäre Beilis, die zurzeit die ganze Welt in Spannung hält, hoben die größten medizinischen Autoritäten verschiedener Länder die Schlußfolgerungen der Untersuchung der russischen Sachverständigen formell widerlegt, und die höchsten Autoritäten auf dem Gebiet der Sittenlehre, darunter ein englischer Kardinal, haben bei dieser Gelegenheit wiederum entrüsteten Einspruch erhoben. Herr Reinach sagte zum Schluß, er sei sicher, der Interpret aller Anwesenden zu sein, wenn er auch ihren Protest zum Ausdruck bringe. Diesen Worten des Herrn Reinach wurde einmütig lebhafter Beifall gespendet. Vier Rlillionen Entschädigung für Marokkanische Juden. Im französischen Parlament kam vorige Woche das Gesuch der Juden von Fez zur Verhandlung, die einen Schadenersatz von 10 Millionen Frcs. für die an ihnen im vorigen Jahr verübten Plünderungen verlangten. Der Finanzminister beantragte, den Antragstellern vier Millionen Frcs. zu gewähren. Dieser Antrag wurde auch mit großer Majorität angenommen. Schmer;. Das Basler Volksblatt über die verflossenen 50 Jahre der Judenemanzipalion. In den 50 Jahren ihrer Freiheit haben die schweizerischen Juden eine Epoche des ökonomischen, sozialen und geistigen Aufstieges erlebt, über den ihre Ahnen staunen würden, könnten sie ihn sehen. Aus der ärmsten, gedrücktesten Schicht des Volkes sind sie eine der wohlhabendsten und einflußreichsten geworden. Und nicht zum Schaden des Landes. Ihre Intelligenz, ihr Organisationstalent sind nicht bloß ihnen zugute gekommen; am Aufstieg unserer Industrie und unseres Handels, wie auch an der geistigen Produktivität der Schweiz haben sie ihren vollen, ihren ehrenvollen Anteil gehabt, den kein Vernünftiger ihnen absprechen wird. Ihr Beispiel hat gezeigt, welch immense Kräfte in unterdrückten Menschen brach liegen. ... „Nicht umsonst bewahren wir den tapferen Vorkämpfern für die Emanzipation ein treues Andenken, nicht umsonst prangt das Bild Augustin Kellers in vielen jüdischen Familienhäusern neben denen von lieben Abgeschiedenen. Nicht umsonst stellen wir uns .mit Rat und Tat der Oeffentlichkeit zur Verfügung, wo wir verlangt werden. D a s ist die Assimilation, wie wir sie uns denken." Albersweiler (Rheinpfalz). Auf dem hiesigen israelitischen Friedhof wurden eine größere Anzahl Grabsteine umgeworfen und zum Teil vollständig zerschlagen. Es ist dies jetzt schon das zweitemal innerhalb weniger Jahre, daß solche Schändlichkeit hier geübt wird. England. Der Gesetzentwurf über die Sonntagsruhe. Der Gesetzentwurf über die Sonntagsruhe (The Sunday (Tosinji’ Hill) ist dieser Tage allen Mitgliedern des Parlaments zugestellt worden. Der Entwurf gestattet denjenigen Juden ihre Geschäfte am Sonntag morgen bis 11 Uhr zu öffnen, die ihr Geschäft von Freitag Abend bis Sonntag Abend geschlossen halten. Jedoch dürfen sie nur an Juden verkaufen. Die letztere Bestimmung hebt die ganze den am Sabbat geschlossenen Geschäften gewährte Erleichterung wieder auf. Wieviele jüdische Geschäfte gibt es, die fast ausschließlich von nichtjüdischer Kundschaft leben, besonders an Plätzen, wo wenig oder sonst gar keine Juden wohnen. Oder sollen etwa die Verkäufer gehalten sein, die Käufer nach ihrer Religion zu fragen, und wenn diese ihre Religionsbekenntnisse nicht angeben wollen, was dann? Das sind ganz unhaltbare Bestimmungen, die der Staatskunst der Gesetzgeber nicht zur Ehre gereichen. Der Entwurf wird wohl erst in der Wintersession zur Verhandlung kommen und es ist zu hoffen, daß derartige unsinnige Bestimmungen wieder ausgemerzt werden. Dankschreiben an den Chief Rabbi. Die „Jto" von Paris hat an den Chief Rabbi für sein mutiges Auftreten auf dem Londoner Kongreß gegen weißen Sklavenhandel folgendes Dankschreiben gerichtet: