Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 30 (25.7.1913)
- Date
- 1913-07-25
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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"""UlC r,,l; . “ Di,* % lU. k,:\ «ic,* lsrii4 Nr. 30. Das jüdische Statt. 11 i n est le JUl ß8tamin *S «'kn fani jnet D°n 3lit, und jej; l ‘Jber ^ioctaUit a'*. an faii bien ,J Judai^e, ni piL. u,u' Milieus intellec- Sciences...... b sonmettre a taiteot pas ® kur edacation?**ndrt‘ les prophetes. i >'! des Maimonide, ‘üfrations et inspire Ivs plus herniqnes. üwmnce du judaisme culti\ces que dans s. wohl in vielen jüdischen Familien dos Interesse wachgerufen werden und „Foi et Re veil“ in jüdischen Häusern Eingang finden. Herr Alfred Lcvy, Grand Rabbin du Consistoire central de France, hat diesem Unternehmen in einem Brief, der an der Spitze der ersten Nummer abgedruckt ist, seinem Beifall warmen Ausdruck gegeben und dem mutigen Rabbiner Herrn I. Bauer die Zusicherung ausgesprochen, daß seine Kollegen an diesem Werke, diesem „oeuvre de foi, de verite, d’edifieation“ Mitarbeiten werden; dürfen wir darin einen Beweis erblicken, daß französische Klarheit die Rabbiner vor der Illogik eines sogenannten „liberalen" Judentums bewahrt hat. Herr Rabbiner Bauer faßt das Übel an seiner Wurzel, wenn er sagt: Nombreuses et coraplexes sont les causes de cet etat des choses. Mais la principale de toutes, c’est Pignorance. Wenn Herr Bauer in „notre Programme“ ankündigt: Le lecteur trouvera donc dans cette revue, ä cöte d’etudes sur nos croyances et nos pratiques, des articles varies inspires par les besoins actuels et par le mouvement religieux contemporain dans ses rapports avec le judaisme. II y verra aussi.En un mot nous n’entendons demeurer etrangers ä rien de ce qui interesse Paine d’Israel et sa religion, qui constitue sa veritable force et son bien le plus precieux“. Die erste, 96 Seiten starke Nummer kann als ein Beweis dafür gelten, daß, wie wir hoffen, dies Bersprechen kein leeres Wort ist. Es würde zu weit führen, alle einzelnen Artikel dem Inhalte nach anzuführen. Aus den Überschriften wird jeder schon die Reichhaltigkeit und Vielseitigkeit unserer Revue ersehen. Außer dem schon erwähnten Briefe vom Grand-Rabbin A. Levy und „Notre Programme“ von I. Bauer wird uns geboten: „Mus Juifs“ par M. Yexler, zerfallend in „Le Judaisme autour de nous et en nous“, „Quelques mots sur la Doctrine Juivc“, „Universalisme et Particularisme“, ein Abschnitt, in dem in klaren Worten der scheinbare Gegensatz zwischen Universalismus und Partikularismus im Judentum gelöst wird, besonders aber dem seichten Streben nach Egalisieren der sog. Modernen eine gesunde Antwort gegeben wird. Folgen dann „Sepbat Eber, safa liayia“ (die hebräische Spracke, eine lebende Sprache) vonLoctmol. „Israel et PHumanite“ von Elle Benamozegh. „Notre Sabbat“ von M. Liber. „Reveil d’fime“ von Loctmol, eine interessante Studie eines Mannes, der — vorher abseits von allem Jüdischen — den Weg ins Judentum wiedergesunden. Nun folgt eine Rubrik, die der freien Aussprache — dans l’esprit de notre revue — offen bleibt und so den Lesern Gelegenheit bietet, ihre Gedanken und Fragen der Diskussion anheimzugeben. Diesmal stehen unter der Rubrik die Artikel: „La missio» de la femmc juive“ von Gabrielle Bauer. Wie hoffnungsfreudig hören wir da eine Frau in Israel goldene Worte ausrufen: Nous venons de celebrer la Paque et nous savons qiril a ete dit que c’est grace ä la vertu des femrncs pieuses du temps de Moise que les Ilebreux ont ete delivres de la servitude d’Egypte. Puissions-nous nous convaincre qu'il est en notre pouvoir aujourd’hui de delivrer les israelites modernes de l’indifference religieuse! Mettons-nous a Poeuvre! Dasselbe Thema wird behandelt von L. Dorliat in einem Aufsatz, der mit dem Worte der Schrift schließt: Ilachmoth naschim banetha beitbah, la sagesse des femmes construit la maison; cs folgen noch zwei bemerkenswerte Artikel. Nicht hoch genug schätzen kann man — besonders in anbetracht des Mangels an guten Jugendschriften — die nun folgende Rubrik „La page des jeunes“. In „Le chagrin de Samuel“ wird durch eine fesselnde Schilderung Jung-Israel Selbstbewußtsein eingeflößt. Daran schließt sich in sinniger Weise die Rubrik „Dans les tresors du passe“ an; die unmittelbare Kenntnis unserer unübersehbaren Literatur ist ja das beste Mittel, alle Juden mit Stolz auf ihre (ungekannte, oft verkannte) Vergangenheit zu erfüllen. In dieser Nummer finden wir unter dem Titel „La vraie piete“ eine Übersetzung eines Abschnittes aus „Mesillas Jescliorim“ v. Luzatto. Einen würdigen Abschluß bildet die hoch anzuschlagende Abteilung „Varietes Litteraires“, in der Erzeugnisse der neuhebräischen Literatur geboten werden sollen, diesmal eine ansprechende Übertragung zweier Gedichte von Bialik. Betonen wir noch die Wärme des Tones und die tiefjüdische Empfindung, die durch die ganze Revue hindurchzieht, so mag diese Aufzählung zur Genüge zeigen, wie segensreich eine solche Revue wirken kann, wenn sie, in echt jüdischem Geiste geschrieben, fleißig gelesen wird. Wir geben uns daher der Hoffnung hin, daß in allen französischen Kreisen „Foi et Reveil“ die weiteste Verbreitung finde. R. B. NB. Les abonnements sonl req.us soit ä Nice, chez M. Barach. 5 rue Gioffreclo, soit ä Paris ä la librairie Durlacher. Das neunte r ‘ ‘ ‘ der jiid.-liter. Gesellschaft?) Das Erscheinen eines neuen Jahrbuches der Frankfurter jüd.-literar. Gesellschaft ist in den Kreisen, die an jüdischer ‘) Jahrbuch der jüd.-liter. Gesellschaft IX 1911 — 3672. Frankfurt a. M. 1912. I. Kauffmann. Preis: brach. 10 M. Schule ein Kleid erhält. Im Winter kennt sie wohl selten so etwas wie trockene Füße; ihre Schuhe find nur Lappen. Trotzdem kommt sie bei Wind und Wetter dahergetrappt und sie ist immer guter Dinge. Und doch ist sie so arm, so schrecklich arm, nicht nur daß sie in Lumpen herumläuft, das wäre noch gar nichts, aber sie trägt noch ein viel, viel größeres Elend mit sich herum. Mirjam hat nur ein Auge. Das andere hat ihr die Drachoma dahingerafft, und dieses ist auch schon stark angegriffen. Wenn es nicht höchst sorgfältige Behandlung erhält, wird es auch bald seine Sehkraft verloren haben. Dann wird Mirjam ganz blind sein! Aber das weiß sie nicht, oder sie sorgt sich nicht. Vielleicht glaubt sie nicht daran — unbekümmert und fröhlich lacht sie in die Welt hinein. Aber nun wird Mirjam, die immer heitere, ernst. Man sagt ihr, daß ihr Auge, solange es sehr schlimm ist, eine Gefahr für ihre Mitschülerinnen ist, daß sie die Schule für einige Wochen meiden müsse. „Nicht in die Schule kommen, nicht um alles! Nicht um die Welt will sie die Schule vermissen!" Man sagt ihr, daß sie ja doch nicht lesen und schreiben könne, solange ihr Auge so böse sei, — aber Mirjam ist verzweifelt! Und plötzlich erinnert man sich: das Mittagsbrot, das Mirjam in der Schule erhält, Brot und Suppe, oder Brot und ein Stück Käse, oder Obst, wenig wie es ist, es ist häufig die einzige Nahrung, die Mirjam den ganzen Tag zu sich nimmt. Wenn Mirjam nicht in der Schule ißt, gar manchen Tag wird sie hungern! Bild 2. Die Suppe kommt! Wieder ist es Mittagszeit, aber diesmal ist der Ort der Handlung» im Souterrain, wo sich die sogenannten Speisesäle der Schülerinnen befinden. In dem einen Raume sind diejenigen, die sich ihr Mittagsbrot von zu Hause mitbringen, in dem anderen jedoch solche, die es von der Schule erhalten (meist Waisen, oder Kinder erblindeter Eltern, geschiedener Frauen), bei weitem die größere Anzahl. Eng gedrängt sitzen sie auf Bänken vor einfachen Holztischen. Alle schwingen sie seelenvergnügt einen Löffel in der Hand. Heute gibt es Suppe, das kommt nicht so oft vor (denn dazu reichen die Mittel nicht). Lachende, lachende, glückliche Augen sind der Türe zugewendet. Die tut sich nun auf, und herein kommt, grinsend, Hadj, der Neger, und schleppt einen großen Kessel schöner, warmer Suppe vor sich her. Und während alle, groß und klein, den strahlenden, erwartungsvollen Blick auf die volle Schüssel richten — brrr, der Vorhang füllt, das Licht flammt auf. — die Kino-Vorstellung ist beendet. 2709