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Das jüdische Blatt · 1913-07-25 · 30 (25.7.1913) · p. Seite 10

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
30 (25.7.1913)
Date
1913-07-25
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 Das jüdische Matt. Nr. 30. gens allgemein gefallen hat), zur Probe kommen lassen dürfen. Ein solches Verfahren ist nicht gebräuchlich und ist zu verwerfen. Ueber das Wahlverfahren (Herr Wolfs erhielt 50, Herr Weil 8 Stimmen) erlauben wir uns, den Herrn Präsidenten anzufragen, wieviel Stimmen direkt durch Gemeindemitglieder abgegeben wurden und wieviel von seiner liebenswürdigen Erlaubnis Gebrauch gemacht haben, pur procura tion zu wählen. Der für hier sehr hohen Stimmenzahl zufolge scheint es uns, als ob bei ziemlich zahlreichen „membres honoraires", welche weder den einen noch den anderen Herrn gehört oder gesehen haben und sich für die Sache überhaupt nicht interessieren, letzterer Wahlwodus in Anwendung kam. Mancher, der diese Zeilen liest, wird wohl über unsre „demokratischen" Zustände erstaunt sein. Briefkasten. R. S. in Basel. Eingesandtes zu unserem Bedauern nicht verwendbar. Bücheröesprechnng. Foi et reveil. Revue Trimestrielle de la Doctrine et. de la Vie Juives. Directeur-Fondateur: J. Bauer. N° 1 Mai 1913. Paris Durlaclier, Editeur 142 rue du Faubourg Saint-Denis. Wer hätte es für möglich gehalten, jemand würde es wagen, in Frankreich einen „Reveil'-, eine Renaissance des Judentums zu erarbeiten und auf Erfolg zu hoffen? So wird jeder fragen, der in Frankreich das Land des religiösen Indifferentismus erblickt, jeder, der weiß, wie dieser Jndifferentismus in manchen jüdischen Kreisen zu einem direkten Haß gegen alles Jüdische ausgeartet ist. — Und doch entsteht vor unfern Augen eine „Revue", die sich zur Aufgabe macht, das alte Judentum wieder zu Ehre zu bringen. „Re euRe tidele et passionne de tous les tresors Jerusalemer Kinematograph. Schulszenen. Von Sara Bondi, Evelina de Rothschild School. Bild 1. T a m a r. Ein Gemach der Schule, das wenig einem Klassenzimmer gleicht, und wohl nicht so leicht in europäischen Tagesschulen zu finden ist. Sein Mobiliar: ein Glasschrank mit medizinischen Instrumenten, ein mit Zink beschlagener Tisch, ein mit Leder bezogenes Ruhebett. Das Krankenzimmer der Unterrichtsanstalt: Auf dem Ruhebett ein ungefähr zwölfjähriges Mädchen, sich in hoher Fieberhitze herumwälzend, vor ihm die verzweifelte Lehrerin. Alle Medikamente, die sie schon angewandt, wie Pulver, „kalte Essigabwaschungen" usw., nichts will helfen. Das Fieber steigt und steigt. Zwölf Uhr, die Glocke läutet. Eine kleine Mitschülerin der jungen Patientin kommt herein: „Bitte, Fräulein", sagte sie schüchtern, „es ist Mittagszeit, ich wollte Tamar rufen, doch herabzukommen, sie ißt doch von der Schule. (Ein Privileg für meist arme kleine Waisenkinder.) „Ja, aber siehst du denn nicht, daß Tamar hohes Fieber hat, jetzt kann sie doch unmöglich essen." „Das ist wahr, aber später wird schon alles weggeräumt sein, man wird ihr vielleicht nichts mehr geben und ich soll zwar nichts sagen, aber sie hat heute den ganzen Tag noch nichts berührt, auch nicht morgens, als sie noch kein Fieber hatte." „Gut, so de scieuce, de piete et de vie, de tout le patrimoine religieux et moral, philosophique et mystique amassc par nos ancetres, nous parait constituer la seule attitude digne d’un israelitc. Le judaisme qui a fait vivre nos peres cst encore celui qui peut et doit nous faire vivre uous-memes et ce n’est le plus souvent que parce qu’on le connait mal qu’on songe ä lui en substituer uu autre“, heißt es in ihrem Programni. - Es sind zwar schon Symptome vorhanden, die beweisen, daß auch das jüdische Frankreich aus seinem Schlafe erwachen will; aber sie sind noch so gering, daß schon die Absicht, in einer religiösen Wüste seine mahnende Stimme vernehmen zu lassen, von Mut und Gottvertrauen zeugt. Große Anerkennung gebührt daher dem Mut und dem Gottvertrauen, das den Rabbiner von Rice, Herrn I. Bauer, den Begründer der neuen Zeitschrift und seine Mitarbeiter bei der Ausführung des Gedankens beseelt haben muß. Daß der Plan nicht aus blindem Optimismus heraus geboren ist, zeigt die unerschrockene Betrachtung der Tatsacken, die sich in „Notre Programme“ kundgibt: „Ilelas, c’est un fait bien connu. Nulle part, on n’est plus eloigne du judaisme, ni plus severe, ni plus injuste envers lui que dans nos milieux intellectuels. La, des hommes qui, dans le domaine des Sciences. auraient scrupule a emettre une opinion sans la soumettre prealablement a une critique rigoureuse, n’hesitent pas sur quelques vagues et incertains Souvenirs de leur edueation enfantine, a condamner une religion qui a engendre les proplietes, compte parmi scs pieux adeptes des Philon et des Maimonide, soutenu et reconforte des centaines de generations et inspire les devouements les plus enthousiastes et les plus lieroiques. Car, il taut avoir la hardiesse de le dire, .l’ignorance du judaisme n’est pas moins profonde dans nos classes cultivees que dans les autres.“ Keine Zeitung, die sich mit den Ereignissen des Tages beschäftigt, will „Pol et Reveil“ lediglich die Fragen, die den denkenden Juden aller Zeiten und besonders der heutigen Zeit bewegen, in jüdischer Weise und in modernem Gewände behandeln, sie will „ranimer ou entretenir dans les cieurs israelites l’amour et le respect de notre foi“. Da „Foi et Reveil“ —■ wie die erste Nummer zeigt — die Probleme in gemeinverständlicher Weise und mit viel Geschick behandelt und dazu in einem klaren und anziehenden französischem Stil geschrieben ist, dürfte gehe du nur schnell und sage, daß man ihr Essen (bestehend aus einem Stück Brot und einer Tomate) für später aufhebt." Damit beugt sich die Lehrerin über die kleine Kranke: „Sag einmal, Tamar, hast du heute nicht gefrühstückt?" Ein verneinendes Kopfschütteln. „Warum kommst du denn ohne Frühstück zur Schule?" Keine Anwort. „Tamar kannst du es mir nicht sagen?" Verlegen richtet sich der fieberheiße Blick des Kindes auf die Lehrerin und zögernd kommt es von den trockenen Lippen: „Meine Mutter gab mir 1 Metalik (ungefähr 4 Pf.) mir ein Stück Brot zu kaufen, aber ich habe gedacht, ich kann auch einmal ohne Frühstück aushalten, ich kaufe mir lieber einen Federhalter, rneine Aufgaben schreiben zu können." Bild 2. Mirjam. Ein paar Sunden später. Derselbe Raum. Auf einem Stuhle vor dem Tisch sitzt eine Krankenschwester. Vor ihr stehen eine große Anzahl Kinder. Sie behandelt die armen drachomakranken Augen der Zöglinge nach gegebenen Vorschriften des Arztes. Run kommt die Reihe an Mirjam. Mirjam ist das ärmste, aber lustigste Mädel der Klasse. Sie ist ungemein beliebt bei den andern; voller Frohsinn, immer lachend und zu allen Streichen und Scherzen zu haben. Dabei hat sie nur Fetzen auf dem Körper, wenn sie nicht zufällig wegen irgend einer kleinen Leistung, als Preis in der

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