Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 29 (18.7.1913)
- Date
- 1913-07-18
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 Das jüdische Statt. Nr. 2'). wie ausgegrnben und herbeigeschafft werden konnte. Ein prächtiger und festgefügter Bau ist aus ihnen errichtet worden, darinnen alte, die sich ihm anvertrauen, alt und jung, Lehrer und Schüler, sich recht behaglich fühlen werden. Aufbau und Anordnung, Auswahl und Einteilung, alles verrät den praktischen Sinn der „Baukonnnission" mit dem bekannten Meister an der Spitze. Äon den Bausteinen will ich nur einige hcrausholen und an dem geistigen Auge des Lesers vorüberziehen lassen. Aus biblische Geschichte: „Josefs Sarg" von Albert Kat; (2. Mos. 13, 19) und „Der Durchgang durchs Note Meer" von G. Ebers. Auch das Gedicht „Pharao" von M. v. Strachwitz wäre hier einzureihen. — Aus jüdischer Geschichte: „Äon Ihren Leuten wohnt hier keiner mehr" von I. Löwenberg, „Ein verlassenes Gotteshaus" von Dr. W. Münz, das erstere in gebundener, das letztere in ungebundener Sprache die Folgen der Landflucht, der Abwanderung vom Lande in die Stadt ergreifend schildernd. Auch das „Getauft" von I. Löwenberg, den Renegaten gewidmet, verdient hier ermähnt zu werden, und nicht zu vergessen des gar zierlich geschriebenen Stückes „Die drei Konfessionen" von Karl Eltlinger, das mit den Worten beginnt „Am meisten aber hat's nrich geärgert, daß da ä paar gewesen sin, wo mer auf der Straß nachgerusen haben: „Judd! Iudd!" — Und aus jüdischem Leben möchte ich, derweil es gerade ein schwäbischer Dichter ist, nämlich Berthold Auerbach, dessen herzerfrischende Erzählungen „Der Sabbat im Elternhaus", „Freiwilliges Fasten", „Wohin kommen die zerlesenen Gebetbücher" und „Lederherz" herausgreifen. — „Zur Einführung" des Jugendbuches haben die Herausgeber einige Sätze vorangeschickt, von denen ich hier einen anführe und mit dem ich allen Freunden der Jugend die Anschaffung des Buches angelegentlichst empfehlen möchte: „Mögen die Eltern an den Abenden, an Sabbaten oder Festtagen die „Bausteine" zur Hand nehmen, daraus vorlesen oder erzählen und so in die Seele ihrer Kinder hinein sagen und sprechen Liebe und Freude an jüdischem Leben, ihr leuchtend Auge schauen lassen das unbegrenzte Meer der göttlichen Liebe und der göttlichen Vorsehung, die sich auch in Israels Geschicken wiederspiegele, und sie ahnen lassen den beispiellosen Kampf, den unsere Vorfahren für ihre Religion haben dulden und kämpfen müssen." — Schließlich sei pflichtgemäß noch festgestellt, daß, wie es von dem bekannten Verlag von I. Kauffmann, Frankfurt a. M., nicht anders zu erwarten war, die innere und äußere Ausstattung des Buches nichts zu wünschen übrig läßt. N. H. in Schm. Hall. -^-- - Der Entdecker des Petroleums?) Von Hermann Blumenthal, Wien. Abraham Schreiners Hütte lag in einer Talsenkung am Nordrande des Gebirges und in seinem Keller versiegte die Erdölquelle niemals. Von seinem Vater hatte er das Geheimnis geerbt, dickflüssige Wagenschmiere zu erzeugen, indem man den Quellschlamm vor dem Aufkochen mit feinem Sand vermischte. Da zu dieser Zeit die Wagenschmierindustrie in Boryslaw sehr groß war und Schreiner für sein Erzeugnis einen besseren Preis als die anderen erzielte, erwarb er soviel, daß er sich bescheiden ernähren konnte. Schreiner war in der Gegend der einzige, der eine schwarze Stiefelwichse herstellte, und für einen Scheinkreuzer konnte sich jeder bei ihm seine Stiefel schnticren. Auch schien der gereinigte Schlamni für Heilzwecke besonders geeignet, und die Bauern benützten ihn zum Auflegen auf Wunden. >) Hermann Blumenthal, der Verfasser der Romantrilogie „Der Weg der Jugend" veröffentlich soeben einen neuen Roinan unter dem Titel „Der Weg zum R e i ch t u in " (Verlag Felix Lehmann, Berlin \\\35), Preis brosch. di 3.—, in dem er uns auck> das tragische Schicksal Abraham Schreiners, des Entdeckers des Petroleums, vorführt. Abraham Schreiner, der der Welt das Licht geschenkt hat, ist im Finstern gestorben Gegen Ende Oktober des Jahres achtzehnhundertdreiundfünfzig hatte es zu schneien angefangen und es war plötzlich Winter geworden. Als Schreiner eines Morgens erwachte, hatte der Wind von den Bergen den Schnee so hoch vor seine Hütte geweht, daß er nicht auf die Gasse hinaus konnte. Das Verhungern brauchte er nicht zu fürchten, denn in der Kammer lagen bereits die Vorräte für den Winter, bestehend aus einigen Säcken Mais, Kornmehl, Buchweizen und Kartoffeln, und so war es nur das Fehlen eines Brennstoffes, das ihn zur Verzweiflung trieb. Schreiner hatte als Knabe Talmud studiert und als er älter wurde, wußte er am Abend keine bessere Zerstreuung, als in den heiligen Büchern zu lesen. Schon am ersten Abend war das Öllämpchen ausgegangen und der junge Mann lag lange auf der Ofenbank, ohne Schlaf finden zu können. Früh brach jetzt die Nacht herein, aber auch am Tage herrschte in der Stube durch die angehüuften Schneemassen eine trübe Dämmerung, so daß Schreiner nur schwer den kleinen Druck lesen konnte. In den Nächten floh ihn der Schlaf und er blickte verzweifelt in die undurchdringliche Finsternis, während er durch den offenen Kamin das Heulen des Sturmes hören konnte. In solch einer schlaflosen Nacht war es, daß Schreiner auf den Gedanken kam, die weiche Erdmasse aus seinem Keller bezüglich ihrer Verwendbarkeit als Brennmaterial zu prüfen. Er riß einige Fäden aus seiner Barchentweste, rollte sie zusammen und knetete in den so erhaltenen Docht eine Kugel aus dem Schlamm. Die Baumwollfäden saugten die Fettigkeit ein, und als er sie am Abend anzündete, erhellte eine rote Flamme die Stube. So sah die erste Lampe aus, die der Vater des Petroleums, Abraham Schreiner, in den ersten Wintertagen des Jahres achtzehnhundertdreiundfünfzig hergestellt hatte. Erst zwei Jahre später glückte es einem Amerikaner, das Erdöl zu Brennzwecken zu verwenden, zu einer Zeit also, da die Erfindung Schreiners in einem großen Teile Oesterreichs bereits bekannt geworden war. Als Schreiner das rote Licht emporflackern sah, schrie er laut auf vor Freude und tanzte wie besessen um den Tisch. Dann schleppte er einen Folianten herbei, und als er sich überzeugt hatte, daß er bei der neuen Beleuchtung sehr gut seheu tonnte, war er auf seinen Einfall recht stolz. Er setzte sich hin, blickte unverwandt in die Flamme und eine stille Freude erfüllte ihn. Doch ahnte er in jenen Dämmerungstagen, da ihm seine Entdeckung soviel Genuß verschaffte, nicht, welchen Dienst er der Menschheit erwiesen hatte; er sah es schon als ein Glück an, daß er von nun an das Geld für Beleuchtung ersparen werde und daß ihm in seiner Einsamkeit die Belehrung und Erbauung aus den heiligen Büchern nicht fehlen werde. In den folgenden Tagen befaßte sich aber Schreiner mehr mit seiner „Lampe" als mit dem Talmud. Vor altern beschäftigte ihn der Gedanke, wie er das Fett, das im Schlamm enthalten war und das eigentliche Leuchtmaterial bildete, absondern könnte. In der Pasternikschen Brennerei hatte er oft beobachtet, wie man aus der Kartoffelmaische Spiritus destillierte, und er beschloß, mit dem Schlamm einen ähnlichen Versuch zu machen. In der Küche entdeckte Schreiner einen alten eisernen Topf, der ihm für seinen Zweck geeignet schien. Im Vorhause