Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 29 (18.7.1913)
- Date
- 1913-07-18
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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f e l d u. a. im Bethaus des Schaarezedek-Hospitals sowie in der Synagoge der Bote Machse abgehaltenen Trauerreden fand sich ein zahlreiches Zuhörerpublikum ein, das unter großer Rührung der Würdigung dieses so echt gvttesfürchtigen und latenreichen Mannes lauschte. — Das vor etwa 4 Jahren von den Rabbinen A. A. S o n n e n f e l d >4 und Samuel Weber und den Herren J^ I. I e l l i n und M. U h r e » st e i n begrünbete orthodoxe hebräische Blatt „ Nt oria " stellte vor einer kurzen Zeit sein Erscheinen ein. Abgesehen von seiner jüdischen Gesinnung, zeichnete sich „Moria" auch wegen seines feinen nwdernsten Stiles sowie wegen seines ernsten sensationsfremden Charakters aus, wodurch es sich nicht nur die Anerkennung gesinnungsgenössischer, sondern auch Respekt der Schriftsteller entgegengesetzter Richtung eroberte. Die Zukunft gehörte also sicher diesem auch journalistisch allen hiesigen Blättern vorausgehenden Blatte. Rur konnten die finanziell schwachen Herausgeber diese Zukunft nicht abwarten. Sie suchten daher ihrem Blatte verschiedene Hilfsquellen zu erschließen, um den Preis von Vormundschaften, die erst recht die Zeitung dein endlichen Sturze zuführten. Die Leser lehnten sich gegen den zuletzt angenommenen unnatürlichen Charakter des Blattes auf, und ließen es fallen. Da anderseits auch der radikalfreisinnige „Haor" (Chefredakteur Benjehuda) sein Erscheinen für unabsehbare Zeit einstellt, so bleibt „Hacherut", ein Sensationsblatt im ärgsten Sinne des Wortes, nunmehr die einzige hiesige Zeitung, wenn sie überhaupt diesen Namen verdient. I e r u s ch a l m i. JtcvlUtt. Ein interessantes Naturphänomen. Der Direktor der Alliance-Schule in Kermanschah in Persien hat an das Zentral-Komitee der Alliance-Jsraelite-Universelle in Paris, wie wir den jüngsten Mitteilungen dieser Organisation entnehmen, den folgenden interessanten Bericht erstattet. Bor etwa zwei Monaten war die Bevölkerrmg von Kermanschah Zeuge eines ganz merkwürdigen Phänomens. Sie entdeckte in der unmittelbaren Umgebung der Stadt Körnchen in großen Mengen zerstreut auf der Erde liegen. Diese Körnchen, die eine bis dahin unbekannte Form hatten, besaßen eine rindenartige Schale von grauer Farbe, während die Substanz weiß war und einen Geschmack ähnlich dem Mais hatte. Die Bevölkerung erblickte in dieser Erscheinung eine Offenbarung der Güte Gottes, dessen Mildtätigkeit sich der Bevölkerung von Kermanschah, die unter der ungeheuren Teuerung der Lebensmittel so schwer zu leiden hatte, kundtat. Für die Juden der Stadt war es eine ausgemachte Tatsache, daß diese Körnchen das Manna war, das ihre Vorfahren bei ihrem Auszuge aus Aegypten in der Wüste gegessen hatten. Möglicherweise hatteil sie recht, wie dies übrigens aus einer Mitteilung des Direktors der „Iio.vuI-li<»tr>ni<'-< Jan lens" in London an den englischen Konsul in unserer Stadt hervorgeht, der eine Anzahl dieser Körnchen nach England geschickt hatte. In diesem Gutachten heißt es: „Das Muster, das Sie uns eingeschickt haben, ist das unter dem Namen „beeanoi'n esculenta" bekannte „Manila", das in West- und Nordafrika vorzukommen pflegt. Diese Pflanze wächst in den gebirgigen Gegenden, doch pflegen sich Fragmente der Pflanze loszulösen, die dann in großen Massen durch den Wind in die benachbarten Gegenden getragen werden, wobei sie bei diesem Transporte ihren Umfang vergrößern. Man nimmt an, daß biefe Frucht mit dem Manna der Israeliten identisch sei. Im übrigen variiert ihre Form sowohl bezüglich ihres Aussehens als! auch ihres Umfanges in ganz außerordentlichem Maße. Die j Botaniker haben bereits eine ganze Anzahl Manna-Spezies fest- I gestellt. Ein erst jüngst erschienenes Werk behauptet jedoch, daß es sich bloß um verschiedene Formen der bekannten Familie Lecanora esculenta handle." Diesem Berichte war auch eine Sendung von dieser seltenen Frucht beigelegt. Amerika. Baltimore. Am p^vq«* haben wir hier eine Frav. zu Grabe gebracht, deren Tod ein schwerer Verlust für die gesetzetreue Judenheit dahier ist. Eine p**\v$ ist dahin gegangen und ein echt jüdisches Haus ist verödet. Frau Rifka Adler, geb. Selz, war 1849 in Niederstetten (Württemberg) geboren und zog nach dem Tode ihres Mannes, Selig Adler pwy des Sohnes des Burgpreppacher Rabbiners I. G. Adler b1' mit sechs Söhnen und zwei Töchtern nach unserer Stadt. Sie hat es verstanden, ihre Kinder zu tüchtigen Menschen und zu begeisterten - \S'T' zu erziehen. Ihr Haus war allen geöffnet, die nach Baltimore kamen und ein jüdisches Heim suchten, es herrschte dort eine patriarchalische Gastfreundschaft und viele, die aus Europa kamen, denken mit wehmutvoller Erinnerung der schönen Stunden, die sie in diesem Hause verlebten. Wie leuchteten ihre Augen, wenn p-yip ■np” das Mahl würzten, und wie war sie beseligt, wenn 3" ihr kamen. Unbegrenzt war ihre Wohltätigkeit, verschämte Arme in seiner Weise zu unterstützen und weite Kreise für sie zu interessieren war ihr Herzensbedürfnis. Es ist ihr gelungen, ihre Töchter an fromme Männer zu verheiraten und ihre wackeren Söhne, deren geschäftliche Tätigkeit verlangt, fast den ganzen Kontinent zu durchreisen, sind trotz der enormen Schwierigkeiten in diesem Lande eifrig bemüht, alle pV]^ zu erfüllen: nach hartem Tagewerk ist ihre Erholung, ein Blatt zu lernen. Was das vorbildliche Wirken dieser edlen Frau in diesem Lande bedeutete, kann nur der ermessen, der mit den jüdischen Verhältnissen Amerikas genau vertraut ist; darum ist ihr Tod ein schwer zu ersetzender Verlust. rT'D^'p. Die Generalversammlung des Verbandes orthodoxer Gemeinden von Amerika fand jüngst in New-Pork statt. Rabbiner Dr. Mendes hatte den Vorsitz. Eingeleitet wurden die Verhandlungen durch ein wirkungsvolles, vom Augenblick eingegebenes Gebet des Rabbiners Dr. Philipp Klein. 71 Gemeinden waren, vertreten. Die meisten Delegierten waren von auswärts, manche aus weiter Ferne gekommen; es waren Rabbiner oder andere hervorragende Persönlichkeiten. Rabbiner Dr. D r a ch m a n n erstattete Bericht über den amerikanischen Sabbatverband, dessen Vorsitzender er ist. Dr. Mendes berichtete über die erfolgte Einrichtung von K o s ch e r k ü ch e n in Spitälern und anderen Wohltätigkeitsanstalten. Nur das M o u n t - S i n a i - H o s p i t a l (ein jüdisches Spital!) habe sich geweigert, koscheres Fleisch für orthodoxe Patienten einzuführen, und einen gleichen Mißerfolg hatten ähnliche Verhandlungen gehabt, die mit dem Krüppelheim für das von Juden übervölkerte East End New-Uorks gepflogen worden seien. Gegen das Mount-Sinai-Hospital hatte der Berichterstatter mit vollem Rechte bittere Worte der Entrüstung. Der umfangreiche Bericht Dr. Mendes gab ein anschauliches Bild der angestrengten Tätigkeit des Verbandes im Interesse der orthodoxen Judenheit. Die von ihm formulierten Anträge wurde» angenommen. Unter ihnen auch dieser: In allen Gegenden sollen die auf dem Boden des gesetzestreuen Judentunis stehenden Gemeinden zum Anschluß an de»