Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 29 (18.7.1913)
- Date
- 1913-07-18
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Das jüdische Matt. Nr 29. trcibetjanbel zu fordern. Nach seiner Meinung zerstören die Juden den Handelsruf Rußlands im Ausland. Er beschwor daher die 500 Delegierten, diese Angelegenheit zu Herzen zu nehmen. In den folgenden Sitzungen rückten aber die Freunde der Juden die Sache ins richtige Licht, indem sie beglaubigte Tatsachen vorbrachten, die bewiesen, daß es den Juden zu danken ist, wenn der Getreidehandel in Rußland eine so ungeheure Entwicklung genommen hat. In der Provinz Ekaterinoslaw wurde den jüdischen Händlern verboten die Dörfer zu besuchen. Das Gesuch des Dorfes Wasilovka, das Dorf in Erinnerung an das 300 jährige Romanofjubiläum zu einer Stadt zu erheben, um es den Juden möglich zu machen, dort zu bleiben und den Ort wirtschaftlich höher zu bringen, wurde verworfen. Die Aufhebung des Schächlverbots in Finnland durch kaiserliche Verordnung. Wenigstens eine erfreuliche Nachricht aus dem Reiche des Zaren. Die Verordnung hat folgenden Wortlaut: „1. In Finnland wohnende Juden und Mohammedaner dürfen Haustiere nach jüdischem und mohammedanischem Ritus schlichten mit der Bedingung, daß nachstehende Vorschriften beobachtet werden. 2. Das Schächten soll ausgeführt werden von einer hierfür speziell ausgebildeten, von der zuständigen Behörde anerkannten Person, die zugegen sein muß, bevor das Tier gebunden wird. 3. Das Tier soll mit weichen nicht zu schmalen Riemen oder Stricken gebunden werden und muß unmittelbar möglichst vermittelst der Anwendung eines für diesen Zweck konstruierten Apparates auf eine weiche Unterlage umgeworfen werden. Das Umwerfen muß schonend vorgehen, so daß der Kopf nicht am Boden anschlägt und dem Tiere kein Schaden zugefügt wird. 4. Der Halsschnitt soll sofort nach Umwerfung des Tieres und mit einem möglichst scharfen Messer ausgesührt werden. Den Kopf des Tieres soll man gestreckt halten, bis der Tod eintritt." Die Angelegenheiten der projektierten jüdischen Emigrationsbank. Die Generalversammlung der St. Petersburger Gesellschaft für die Regulierung der jüdischen Auswanderung mit Anteilnahme der Repräsentanten der Gesellschaften des gegenseitigen Kredits wurde am 7. Juni eröffnet. Anwesend waren etwa 200 Personen, unter ihnen 100 Repräsentanten der Gesellschaften des gegenseitigen Kredits aus allen Städten des Ansiedlungsrayons. Die Eröffnungsrede hielt der bekannte Historiograph S. Dubnoff. Er wies auf die eminente nationale Bedeutung der projektierten jüdischen Emigrationsbank hin, die die entfernten Zentren jüdischen Lebens, europäisches und amerikanisches Judentum, einigen und eine Wohltat für die wandernden jüdischen Massen bedeuten wird. Der Präses der Gesellschaft, Rechtsanwalt B. Mandel, referierte über die Vorgeschichte und die Grundprinzipien der Emigrationsbank. Das Projekt basiert auf einer Kombination von kommerziellen und sozialpolitischen Grundlagen. (Das von einer speziellen Bankkommission ausgearbeitete Detailprojekt wird in Bälde veröffentlicht werden.) Herr D. Davidowitsch berichtete über das Interesse, das das Projekt der Emigrationsbank in London, insbesondere bei den Herren Meyer, A. Spielmann und H. Landau erweckt hat. Die Debatten erwiesen, daß die Idee der Emigrationsbank sich großer Popularität erfreut und starke Sympathien bei der jüdischen Bevölkerung ausgelöst hat. Von der Notwendigkeit der Emigrationsbank sind alle soweit überzeugt, daß man nur noch die Verwirklichungsart derselben diskutierte. In den gehaltenen Reden wurde darauf hingewiesen, daß die russischen Juden nicht auf ausländische Hilfe warten und mit eigenen Kräften zur Verwirklichung des Projektes schreiten müssen. Die Debatten wurden vom Abgeordneten der ersten Reichsduma, dem Herrn L. Bramsohn, geleitet. Nach Schluß der Debatten wurde eine Kommission aus den Mitgliedern der Kreditbanken gewählt mit dem Auftrag, gemeinsam mit dem Vorstand das Projekt der Emigrationsbank in den Details herauszuarbeiten und zum kommenden Herbst die Gründungsversammlung einzuberufen. Palästina. Jerusalemer Brief. Jerusalem. Wie mir der Verweser der Strauß'schen Volksküche, Rabbiner Salonwn Roth, eben mitteilt, sind in der Anstalt die Vorkehrungen bereits getroffen, den Armen nebst ihrer Speise auch das dazu gehörige Brot wieder zu geben. Wie seinerzeit ausführlich berichtet, war der Vorsitzende des vom Stifter eingesetzten Verwaltungsrates, Dr. I. Levy, gegen diese Anstalt voreingenommen. Er ging deshalb darauf aus, von der Stiftung einen möglichst geringen Teil der Volksküche, dagegen den Löwenanteil seiner Perlmuttergewerbeanstalt zuzuführen. Tatsächlich hat er es durchzusehen vermocht, nicht nur die Zahl der Speisenden von etwa 800 auf 300 herabzudrücken, sondern auch diesen 300 abwechselnd Speisenden das ihnen zur Speise zustehende Brot zu entziehen. Arme, die schon so weit heruntergekommen sind, daß sie um diese Almosenspeise einkommen müssen, bekamen also nicht einmal mehr das trockene Brot. Diese Brotentziehung wurde daher allgemein als Vergehen gegen die unmündige Armut angesehen und rief große Entrüstung hervor. Bankleiter Levy jedoch kümmerte sich um so weniger danach, als es nachträglich ihm auch gelang, die persönliche Billigung des Herrn Straus selbst für seine Handlungsweise zu erhalten, also für die vorgenommene Ablenkung des gestifteten Geldes vom ursprünglichen Zweck der Stiftung. Nun soll es einer Frau Lion, einer Verwandten des Straus'schen Ehepaars, die von diesem zur Besichtigung seiner verschiedenen hiesigen Institutionen hierher entsandt wurde, in ihrer ehrlichen Teilnahme an dem furchtbaren Lose dieser Aermsten gelungen sein, die Wiedergabe des entzogenen Brotes durchzusetzen. Diese Nachricht wird hier mit großer Genugtuung ausgenommen. Man will hierin ein Anzeichen erblicken, daß der Stifter seinem ersten Stiftungssinne zurückgewonnen wird, und hofft, daß auch bald die Zahl der Gespeisten wieder auf die frühere Höhe gebracht wird, die die Gesamtheit der vorhandenen Armut einschließt. Dann erst wird diese Volksküche eine echte Heilquelle für den ganzen Jifchuw überhaupt sein, der, von dem Ballast seiner so zahlreichen Aermsten behoben, mit umso größerer Energie seine aufgesparten Kräfte seiner gesunden Entwickelung vollauf widmen können wird. — Die Nachricht vom Ableben Dr. Israel R o o s' machte hier einen tiefen Eindruck. Als ''JOJ sowie als tatkräftigster Förderer des Schaarezedek-Hospitals hatte sich der Name Dr. Roos' hierorts eine sehr große Popularität erworben. Zu den vom Rabbiner Chaim Sonnen-