Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 29 (18.7.1913)
- Date
- 1913-07-18
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 29. Das jüdische Statt 5 mit denen das zu erreichen ist, zeigt uns das Missionsblatt sehr deutlich. „Auf jeder der Stationen, so heißt es dort, besteht eine Schule, die fast ausschließlich von Kindern der Bekehrten besucht wird. An Samstagen besuchen sie oft die Falaschas in den umliegenden Ortschaften. An den Sonntagen werden Gottesdienste gehalten, die gut und regelmäßig von den Bekehrten besucht werden." Vom Feinde wollen wir, nach des Dichters Wort, lernen, was wir sollen. Auch wir müssen derartige Stationen gründen, Schulen errichten, die als Mittelpunkt in diesem Glaubenskampse bienen können. Dazu freilich sind weit größere Mittel nötig, als dem Pro Falascha-Komitee bisher zur Verfügung stehen. Jeder Glaubensgenosse, dem die gute Sache am Herzen liegt und der bereit ist, für die Erhaltung des glaubenstreuen Stammes beim Judentum mit einzutreten, muß es als Ehrenpflicht betrachten, für diese Bewegung sein Scherflein beizutragen. England. Auf dem V. Kongreß zur Unterdrückung des weißen Sklavenhandels war in der Donnerstagsitzung eine gehaltvolle Rede Claude Montefiores das Ereignis des Tages. Unter anderem sagte er: „Ich will noch auf etwas Hinweisen, wovon noch nicht gesprochen wurde. Eine starke Waffe gegen Sklavenhandel ist Mitleid mit Unglücklichen, Freiheit und Gleichheit für alle Völker, kurz Emanzipation." Indem er zu dem englischen offiziellen Bericht überging, fuhr er fort: „Es wird gesagt, daß die hauptsächlichsten Händler von weihen Sklaven in London eingewanderte Leute nrciner Religiou und meiner Rasse sind, der anzugehören mir zur Ehre und zum Stolze gereicht. Nehmen wir die Angabe als richtig an, obgleich ich bei der Prüfung der Namen eine große Zahl echt englischer Namen gefunden habe, allerdings auch jüdische Namen. Sie sind bestraft worden, glücklicherweise, sie sind schwer bestraft worden, wie sie es verdienten. Aber merkwürdig ist doch, daß unter allen Beschuldigten sich kein einziger englischer Jude findet. Wissen Sie auch warum? Weil in einem Lande, wo Juden große Freiheit genießen, wo sie der Freundschaft ihrer Mitbürger begegnen und diese wieder mit Freundschaft erwidern, da ist der Jude ein guter Bürger und seine Moral ist mindestens nicht minderwertiger als die allgemeine. Dis verurteilten Eingewanderten — diese kommen aus Ländern der Unterdrückung. Sie sind vieler menschlichen Grundrechte beraubt . nun hier haben sie das Ergebnis der Unterdrückung und Entrechtung. Die Beschuldigten müssen bestraft werden, strengstens bestraft werden, der Sllavenhandel muß international bekämpft werden, unter allen Völkern und in allen Ländern, ohne Unterschied der Religion und Rasse, in diesem Kampfe gehen wir mit Ihnen Hand in Hand, Schulter an Schulter. Vergessen wir aber nicht, überall und immer wieder zu wiederholen, daß Brüderlichkeit unter den Menschen, Freiheit in allen Ländern, Gleichheit für alle Völker, notwendigerweise zu einer höheren Kultur, zu einer höheren Moral führt." Großer Beifall belohnte diese ausgezeichnete Rede. Als nächster Ort des Kongresses wurde Petersburg gewählt. Das soll wohl eine Verbeugung vor dem befreundeten Rußland sein, das sich durch die Reden der beiden jüdischen Redner, des Ehief Rabbi Dr. Her z und Elaude Montefiores nicht geschmeichelt fand. Nun, in Petersburg wird der Kongreß judenrein fein: weder Dr. Herz noch Claude Montefiore werden als englische Delegierte den geheiligten Boden des dunklen Rußland betreten dürfen. Die christlichen Delegierten wenigstens werden Gelegenheit haben, die von Dr. Herz in London wiederholte Erklärung Prof. Miljukows zu prüfen, daß allein von allen Juden solche Jüdinnen außerhalb des Rayons wohnen dürfen, die mit dem berüchtigten „gelben Billett" ausgestattet sind. London. Der Gemeinderat der Stadt hat den Beschluß gefaßt, zum ehrenden Andenken an den verstorbenen Oberrabbiner von England, Dr. Hermann Adle r, der Union Street Com mercial-Road den Namen „Adler Street" zu geben. Rußland. Eine Bauernpekilion zugunsten von Juden. Vor kurzem haben die Moskauer Industriellen sich bei dem Minister für die Juden verwendet, indem sie geltend machten, welchen ungeheuren wirtschaftlichen Schaden die Judenvertreibungen verursachen, und erst jüngst hat in der Duma der gemäßigt liberale Abgeordnete Konowalow dieselben Gedanken in einer großartigen Rede behandelt, die einen tiefen Eindruck machte. Diesen Erscheinungen schließt sich als interessantes Dokument die Petition an, die die Bauern von Saget dark, einem Dorfe bei Pultawa, zugunsten von 16 jüdischen Familien, die vertrieben werden sollten, an die Behörde geschickt haben. In ihrem Gesuche setzen die Bauern auseinander, in welchem Maße die dortigen Juden das wirtschaftliche Leben entwickelt, wie sie den Produkten neue Märkte erschlossen, Handel und Industrie neue Werbekraft verliehen haben; die Bauern versichern, daß die Vertreibung der Juden ihnen den größten Schaden zufügen würde. Und um den Juden das rechtliche Wohnrecht zu verschaffen, bitten sie, ihr Dorf dem Ansiedlungsrayon einzuverleiben. Doch, was für eine Antwort von oben kommen wird, ist nach den nachdrücklichen aber erfolglosen Gesuchen eines so angesehenen Verbandes wie desjenigen der Moskauer Industriellen nicht zweifelhaft. Wie stark jetzt die judensresserische Flut in Rußland ist, zeigt der Gesetz gewordene Ausschluß jüdischer Studenten von der new eingerichteten technischen Hochschule in Moskau. Das ist das erstemal, daß der Ausschluß vou Juden von einer Schule ausdrücklich in das Gesetz hinein kommt. Umsonst betonte der Kadett N o w i k s w in der Duma, daß es bisher nicht üblich gewesen sei, die Prozentnorm in das Gesetz aufzunehmen, umsonst erklärte er es für ein Verbrechen gegen die Gerechtigkeit, talentvollen Jünglingen den Weg zur Bildung zu verschließen; umsonst erinnerte der jüdische Abgeordnete B o m a s ch an das oft wiederholte Versprechen, da die Judenfrage nur als Ganzes zu lösen sei, keine einzelnen Verbesserungen, aber auch keine neuen Beschränkungen einzuführen, umsonst machte der Literat S ch i nk a r i k o w darauf aufmerksam, daß die Entrechtung ganzer Bevölkerungsteile die Grundfesten des Reiches erschüttern müsse, umsonst bat er die Duma am letzten Sitzungstage, keinen solchen Schandfleck auf sich zu werfen, Gründe, Beweise, Warnungen, Bitten, alles war nmsonst, die Duma beschloß ihre Session nüt einer selbst in den Annalen der russischen Gesetzgebung noch nicht dageweseneil Entrechtung der Juden. Das war das letzte Wort der Duma. Ein russischer Bischof gegen die jüdischen Händler. Mail geht wohl nicht fehl, weiln man diese Unmenschlichkeiten auf die Geistlichkeit zurückführt. Wenigstens benutzte Bischof Agappit die Gelegenheit des Kongresses der Getreidehändler in Ekaterinoslaw, um die Verstoßung der Juden aus dem Ge-