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Das jüdische Blatt · 1913-07-11 · 28 (11.7.1913) · p. Seite 12

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
28 (11.7.1913)
Date
1913-07-11
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 Das jüdische Statt. Nr. 28. haftenden Eigenschaften besitzen, eine Schlußfolgerung, die überdies durch jetzige Tatsachen und Zahlen beweiskräftig unterstützt wird. Der Feldprediger der jüdischen Soldaten in A l d e r s h o t hat vor einiger Zeit statistische Angaben veröffentlicht über die Zahl der Israeliten, die in den verschiedenen europäischen Heeren dienen, und diese Zahlen ergeben die erstaunliche Auskunft, daß verhältnismäßig eine größere Anzahl von jüdischen Soldaten in Europa vorhanden sind, als christliche Soldaten. Die Gesamtzahl*) der Juden in allen fünf Erdteilen beziffert sich gegenwärtig auf 8 Millionen, wovon ungefähr 500 000 in Afrika, 750 000 in Asien und 200 000 in Amerika leben. Die 6 650 000 Juden in Europa liefern den Armeen Europas nicht weniger als 350 000 Mann. Der Kaiser von Rußland entnimmt eine viel größere Proportion von Leuten zum Dienste in seiner Armee seinen jüdischen Untertanen als dem Reste der unter seiner Herrschaft stehenden Bevölkerung, und obgleich dies nicht als eine Auszeichnung von denjenigen geschätzt werden mag, die ihrer teilhaftig werden, so ist es doch augenscheinlich gewiß, daß die Juden nicht so bevorzugt würden, wenn sie als Soldaten nichts taugten. Die Anzahl der Juden im russischen Heere beläuft sich nach offiziellen Angaben des russischen Kriegsministers auf 171 000 Mann. Im ganzen russischen Reiche leben 3 650 000 Juden. jDiese Angabe ist irrtümlich. Die Zahl wird gewöhnlich auf 5 bis 6 Millionen angenommen. D. Red.j Der Abgeordnete Roditschew eiferte in der Duma gegen den erwähnten Antrag, die Juden von der Militärpflicht zu entbinden und dafür eine jährliche Steuer von diesen zu erheben. Nur in einem Sklavenstaat könnte ein solcher Vorschlag verwirklicht werden. Vor allem betonte Roditschew, daß die Juden bei der Ableistung der Wehrpficht bisher ungerecht behandelt wurden; man sollte keine kranken Juden ausheben, dann würden keine unglücklichen jüdischen Soldaten vorhanden sein. „Die Befreiung einer Klasse von Staatsangehörigen vom Militärdienst", sagte Roditschew weiter, „führt zum Verfall. Die Erfahrung hat gezeigt, daß die Juden tapfere Soldaten sind und alle staatsbürgerlichen Pflichten ebenso gewissenhaft erfüllen wie die übrigen Bürger. Nicht die Juden haben Rußland zur Niederlage von Tsuschima geführt. Dagegen war der General, der für Rußland die zentralasiatischen Provinzen eroberte, ein Jude von Geburt. In England, Italien, Frankreich dienen eine Unmenge Juden; sie geben zu keiner Klage Anlaß. Gebt dem Juden Rechte; ihr könnt ihnen alsdann noch mehr Pflichten auferlegen. Betretet den Weg des Rechts und der Gerechtigkeit; das ist der Weg, ein starkes und mächtiges Rußland, eine starke und mächtige Armee zu schaffen." (Langanhaltender Beifall.) Soweit der christliche Dumaabgeordnete Roditschew. Einige der ausgezeichneten Soldaten, deren Namen in den militärischen Annalen Frankreichs verzeichnet stehen, waren Juden oder jüdischer Abstammung — die Marschälle Soult, Ney, Massen«,und andere. Ney hatte sich den Namen „le brave des braves" und Massena denjenigen des „enfant de la victoire" erworben, Titel, die sie wohl verdienten. Auch in Frankreich liefern heute die Juden verhältnismäßig eine größere Anzahl von Angehörigen zur Armee, als die Christen. Während der Dreyfus-Affäre ereignete sich in Paris folgender Vorfall: Eine Menge von Antisemiten hielten eine Versammlung unter freiem Himmel ab, als sie einen General und einen Oberst gewahr wurden, die auf sie zukamen. „Vive I'annee!" - schreien und die beiden Offiziere erfassen, auf die Schultern heben und im Triumph bis ans Ende der Allee tragen, war schnell geschehen. Doch plötzlich wurde der General von einem Antisemiten erkannt, es war der General Liebermann. Er und der Oberst waren Juden. Statt des „Vive *) Die Gesamtzahl wird auf etwa 12 Millionen geschätzt, und die in Amerika auf 2 Millionen. l’armde" ertönte sofort: „A bas les Juifs!" In Italien ist einer der beliebtesten Heerführer, der General Ottolenghi, jüdischer Herkunft, und die italienische Armee besitzt außerdem viele andere Juden, welche dem Vaterlande vorzügliche Dienste geleistet haben. In Deutschland haben 5417 Kombattanten an dem Kriege von 1870/71 teilgenommen, von denen bekanntlich ein recht beträchtlicher Prozentsatz mit dem eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde. Die deutschen Juden erfüllen ihre militärischen Pflichten mit derselben biederen und loyalen Treue und Hingabe, welche den Geist des ganzen deutschen Volkes charakterisiert. In Oesterreich-Ungarn dienen verhältnismäßig zweimal soviel Juden als Christen im Heere. Auch in der Flotte, obgleich sie klein ist, dienen viele Israeliten. Der Sultan Abdul Hamid hat den Ausspruch getan, „daß er auf alle seine jüdischen Untertanen in Kriegszeiten bestimmt rechnen könne". Als der Krieg mit Griechenland April 1897 ausbrach, stellten sich aus allen Teilen der Türkei Juden freiwillig dem Heere, genau wie es 1877 im Kriege gegen Rußland der Fall war. Bei Domokos stand nur eine aus Juden gebildete größere Abteilung den griechischen und italienischen „Freiwilligen" gegenüber. Letztere wurden geschlagen. Nach Beendigung des Krieges wurden 42 Juden vom Sultan mit der nur spärlich verliehenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Die Juden sind stets mit Achtung, ja sogar mit Gunst und Gewogenheit von den Türken behandelt worden, hauptsächlich auch ihrer Bereitwilligkeit wegen, ihre Dienste bei Kriegszeiten dem Sultan anzubieten; sonst sind sie, da nur Mohammedaner zur Armee genommen werden, von der Wehrpflicht befreit. In den Vereinigten Staaten von Amerika wurde während des Krieges mit Spanien die gleiche Opferwilligkeit und Hingebung bewiesen. Der erste Freiwillige, welcher sich meldete, war ein Jude und der erste Amerikaner, welcher auf dem Felde der Ehre fiel, war ein Jude. Es muß bemerkt werden, daß die amerikanischen Generäle über den Mangel an Drill und Disziplin sehr beunruhigt waren, der den ganzen Tausenden von Freiwilligen leider anhaftete. Nur die kleine reguläre Armee war im Stande, sofort ins Feld zu rücken. Von den jüdischen Freiwilligen jedoch wurde sogleich ein Regiment Kavallerie und ein Regiment Infanterie gebildet, und zwar von solchen Leuten, die in Rußland und Deutschland gedient und eine vortreffliche soldatische Schulung erhalten hatten. Die meisten von ihnen befanden sich in eigenem Besitz und ausreichender Vermögenslage, als ihr Adoptivvaterland ihre guten Dienste begehrte. Der Oberst (später Präsident) Roosevelt hat in Ausdrücken höchsten Lobes von den Juden gesprochen, die in seinem Regiment „Rauhe Reiter" standen. Er erwähnt namentlich einen jüdischen Sergeanten, der ihm bei einem Gefecht das Leben gerettet hat, aber leider bei dieser Gelegenheit getötet wurde. Mehrere hundert Juden befanden sich unter dem Besatzungskorps auf den Philippinen, wo sie sich in vielen Gefechten und Scharmützeln brav benommen haben. Britische Juden haben nicht in geringerer Zahl an dem Kriege gegen die Buren teilgenommen. Sie waren in nicht weniger als 25 Regimentern (die Hochländer und die Garden mit eingeschlossen) vertreten. In einem Berichte des Oberst Harris, der die Kimberley-Rifles befehligte, heißt es: „Die in meinem Regiment befindlichen Juden sind in ihrem Kern und Wesen militärisch veranlagt, sie sind gehorsam und tapfer. Ihre Schlauheit und Gewandtheit macht sie zu Führern und Patrouillen sehr geeignet. In dem Feldzüge an der indisch-afghanischen Grenze sind zwei jüdische Offiziere gefallen, deren Mut gerühmt ward. Don der jüdischen Gemeinde in Bombay werden viele junge Leute Soldaten und ein starker Teil von ihnen avanciert zu Osfizieren.

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