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Das jüdische Blatt · 1913-07-11 · 28 (11.7.1913) · p. Seite 13

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
28 (11.7.1913)
Date
1913-07-11
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 28 Das jüdische Statt. 13 Und wir müssen ferner erwähnen, daß das mächtigste Bergvolk Afghanistans an der Nordwestgrenze von Britisch-Jndien, die Asridis, welche über 6000 waffenfähige Männer ins Feld stellen, mit Stolz ihre Abstammung von den Hebräern rühmen, eine Abstammung, die nicht nur durch ihre streng markierten jüdischen Gesichtszüge, sondern auch durch andere Zeugnisse und Augenscheinlichkeiten zweifellos bewiesen ist. Die stämmigen, handfesten jüdischen Bergbewohner von Daghestan und Kaukasien machen die Waffenhandhabung zu ihrer Hauptbeschäftigung und sind so gefürchtet von ihren Feinden, daß diese sie gern in Ruhe lassen, und es mag noch gesagt werden, daß ein Stamm von Juden unter dem ungestüm kämpfenden Volke des Atlasgebirges die herrschende Rasse bildet. Alles bisher Gesagte gibt nur eine schwache, aber allgemeine Idee von dem Anteil, den die Juden jetzt in der Welt als Kämpfer und Krieger nehmen; aber wäre es unsere Ausgabe, ihre Laufbahn von den Tagen ihres Gesetzgebers Moses an zu schildern, so würde sich die Tatsache ergeben, daß sie niemals und in keinem Zeitalter sich unwürdig gezeigt haben ihres großen Kriegers und Helden, des Königs David. Hedaljah. Bilder aus der jüdischen Vergangenheit von Caroline Deutsch. Wirklich nahte eine Schar bewaffneter Männer, die von einem eisenstarken Krieger mit einem wilden, bärtigen Gesichte ausgeführt wurde. Vor dem Throne teilte sich der Zug und aus seiner Mitte trat ein kleiner, untersetzter Mann hervor, der ein geist- und ausdrucksloses Gesicht hatte, der aber auf dem Haupte die Krone trug und von dessen Schultern der Königsmantel herabfloß. Der König stieg die Stufen zum Throne hinauf und als er oben war, standen alle Räte, Fürsten und Kriegsführer auf und neigten sich vor ihm, während die Leibwache zu beiden Seiten des Thrones trat und in der Menge herrschte tiefes Schweigen. „Warum tritt der Bruder Deines Weibes aus den Reihen seiner Gefährten und geht auf die andere Seite?" fragte der Naphthalite plötzlich und mit leiser Stimme. Der Jerusalemer konnte es sich selbst nicht erklären und beugte sich vorwärts; er sah ihn auf einen schwachen gebückten Greis zutreten, der sich zitternd auf seinen Stab stützte, ihn bei der Hand ergreifen und ihn mit allen Zeichen der Ehrfurcht und Liebe durch den ganzen Kreis auf seinen Sitz führen, der sich in der Mitte der übrigen Kriegsführer befand. Unter diesen erhob sich über diese Nachbarschaft lautes Murren, denn der Greis war ärmlich gekleidet, ja selbst bittere Reden, denen mancher wütende Blick folgte; doch all diesen Aeußerungen einer hochadeligen Schar begegnete der junge Kriegsmann mit edler, festen, ja heiteren Ruhe; aus der Menge aber rief eine Stimme: „Ein braver Sohn ehrfürchtet seinen Vater." Der Ausrufer gebot Stille, sie wäre auch so erfolgt, denn die ägyptischen Gesandten erschienen in Begleitung des Dolmetsch und jedes Auge und Ohr richtete sich auf sie. Die Botschaft der Aegypter, die der Dolmetsch übersetzte, war kurz: „Apries, der weise und mächtige Beherrscher des Nillandes sei ausgestanden, die Macht und den Uebermut Nebukadnezers zu brechen, Phönizien habe er ihm schon entrissen, sei in Syrien ein^gedrungen und verfolge mit unbezwinglicher Macht seinen Siegeslauf. Den König von Judäa lade er zu einem Schutz- und Trutzbllndnis ein, damit derselbe das Joch und die Oberherrschaft Babyloniens von sich werfe. Er zweifle gar nicht, daß der jüdische König diesen wichtigen Augenblick ergreifen werde, das Unglück vergangener Tage an den Syriern zu rächen; sie, die Boten, erwarteten die Antwort darauf. Es war dies kein Gegenstand, der sich in einigen Minuten entscheiden konnte; er mußte überlegt und beraten werden, und zwar nicht im Beisein der Fremden; so wurden denn diese wieder nach der Stadt, gebracht; dann wurde die Beratung eröffnet. Der König sprach zuerst, aber so wie sein Gesicht keinen bestimmten Ausdruck trug, so seine Worte keine ausgeprägte Gesinnung. Er hatte Furcht vor den Babyloniern und Furcht vor den Großen; er suchte sich auf beiden Seiten zu decken, indem er sich da und dort ein Hintertürchen offen ließ, und so klang seine Rede verworren und unverständlich. Klar und fest, ja trotzig war die Rede Menaschehs, der als erster Kronbeamte nach dem Könige das Wort nahm. Stolz, fest, hart, flog sein Blick über die Versammlnug, als er sprach, und ein Ausdruck von Sicherheit, ja Willkür lag in seinem Wesen und seiner Stimme, an dem sich jeder Widerstand zu brechen schien. „Der König kennt die Gesinnung seiner Räte und Großen des Landes über diesen Gegenstand", sagte er, „und es ist nicht das erste Mal, daß wir darüber verhandelten. Bevor die fremden Boten in unserm Land erschienen, waren wir für ein Bündnis mit Aegypten, und wir hätten Männer nach Aegypten geschickt, wären nicht diese zu uns gekommen. Die Zeit ist endlich da, das syrische Joch zu brechen, Nebudkadnezers Oberherrschaft abzuschütteln, dessen Bundesgenossen wir heißen und dessen Knechte wir sind. Einmal hat uns schon der König von Babel mit Krieg und Tod umzogen, unser Land verwüstet, unfern König gefangen fortgeführt. Sollen wir warten, bis er wieder kommt? Und kommen wird er, wenn sein Hunger nach Land und Schätzen wieder erwacht; darum sag ich Friede und Bündnis mit Aegypten und Krieg mit Babel." „Friede mit Aegypten, Krieg mit Babel," wiederholte der größte Teil der Räte und Kriegsführer, die alle zu seiner Partei gehörten. „Warum sollen wir Fürsten diesen Zwang länger dulden?" fuhr Menascheh fort, „Abgaben lasten auf unfern Häusern, Abgaben auf unfern Feldern und Weingärten. Die reiche Frucht der Erde kommt nicht in unsere Vorratskammern, sondern wandert in Gold verwandelt in die Schatzkammer des Babyloniers." „Du irrst, Fürst Menascheh", sprach eine ernste, tiefe Stimme, und ein blasser, junger Mann, mit einem sanften, fast mädchenhaften Gesichte, trat vor. „Eure Vorratskammern dehnen sich wie zuvor vor Reichtum und Ueberfluß; denn der Tribut, den man nach Babel zahlt, lastet nur aus den Schultern des Volkes." „Bist Du es, Gedaljah, der so spricht?" „Ja, ich," fuhr der junge Fürst fort, „und ferner sage ich: Wenn die Fürsten und Großen Krieg wünschen, so ist es nur Uebermut, der sie dazu verleitet; nur das Volk hätte Recht dazu, das die vielen Lasten und Abgaben zu Boden drückt." „Heil dem Fürsten Gedaljah, der das Wort für die Armen und Gedrückten ergreift," riefen einige Stimmen aus dem Volke. „Das Volk will aber keinen Krieg," sprach Gedaljah weiter, „denn es weiß, der Druck und die Lasten würden bleiben, selbst wenn das syrische Joch abgeworfen wäre; es will keinen Krieg, denn es mag nicht feine Söhne und Brüder hingeopfert sehen und seine Heimat mit Tod und

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