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Das jüdische Blatt · 1913-07-11 · 28 (11.7.1913) · p. Seite 8

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
28 (11.7.1913)
Date
1913-07-11
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Das jüdische Klatt. Nr. 28. t h u r M o ch führt. Unser vor wenigen Jahren verstorbener Mitbürger, dessen Wohltätigkeitsbestrebungen sich weit über die Grenzen unserer Stadt erstreckten, hat bei Lebzeiten auch jenem edlen Werke der Bekämpfung der Tuberkulose seine weitgehende Unterstützung angedeihen lassen, weshalb seinem Andenken nun die genannte Ehrung zuteil wird. Bekanntlich ist der Docteur S. Bernheim in Paris, welcher im Kampfe gegen die Tuberkulose in Frankreich eine führende Stellung einnimmt, der Schwiegersohn des also Geehrten. — Herr Fernand Mach hat am letzten Sonntag in Brumath einen ersten Preis im Einzelturnen errungen. M . W. hagenlhal. Unsere Gemeinde nimmt von Tag zu Tag ab. Diese Woche zieht abermals eine Familie von hier fort und in allernächster Zeit beabsichtigen noch einige Familien uns zu verlassen. Um so schmerzlicher empfinden wir die Verluste, die der Tod uns bringt. Vergangenen Mittwoch starb plötzlich, nachdem er eben von einer schweren Krankheit wieder genesen zu sein schien, unser Beamter Herr B. N o r d m a n n, der unserer Gemeinde lange Jahre treue Dienste geleistet als Synagogendiener und als nbcn Es wird für unsere Gemeinde sehr schwer sein, einen Nachfolger zu finden, der, wie er, in allen die Liturgie betreffenden Dinim und Minhagim bewandert ist. Hegenheim. Hier wurde heute Frau Dreyfus-Picard zur letzten Ruhe bestattet. Die Verstorbene, ein Hegenheimer Kind, war erst vor einigen Jahren mit ihrer Familie nach Basel gezogen. 41 Jahre lang hatte sie in glücklicher Ehe mit ihrem Manne gelebt, der lange Jahre Vorsteher der Gemeinde und bis zu seinem Wegzuge Präsident der Friedhofsverwaltung war. Vierzehn Kinder hatte sie ihm geschenkt, zehn beweinen heute mit dem Vater den Tod der Mutter. Die Armen verlieren in ihr eine edle Wohltäterin, sowohl die Armen von Hegenheim, Juden wie Christen, als auch unsere unglücklichen wandernden Brüder, die in ihrem Hause stets freundliche Aufnahme fanden und gastlich bewirtet wurden. Die Verstorbene hat ein Alter von nur 65 Jahren erreicht, doch erlöste sie der Tod von einem langjährigen Leiden, das noch kurz vor ihrem Tode eine Operation erforderlich gemacht hatte. Einen Beweis ihrer hohen Wertschätzung gab das große Geleite, das dem Leichenwagen von Basel aus folgte; in Hegenheim hatte sich ein großer Teil der Bevölkerung angeschlossen. Im Trauerhause beklagte den Verlust der Familie Herr Rabb. Dr. C o h n, auf dem Friedhofe schilderte die Vorzüge der Verblichenen Herr Rabb. Dr. Schüler. TNüttersholz. Ein schweres Geschick traf die hiesige Familie Camille Wolfs. Herr Wolfs lag schwer krank darnieder an Lungenentzündung, und seine junge Gattin pflegte ihn auf beste. Da ergriff eine Lungenentzündung die junge, blühende Frau Wolfs und raffte sie in kaum zwei Tagen im Alter von 37 Jahren weg. von ihrem kranken Gatten und zwei jungen, blühenden Mädchen. Zum Glück für die kleinen Kinder hat der kranke Vater sich wieder erholt. Osthofen. Unsere kleine Gemeinde, die vor Jahren mehr als 40 Mitglieder zählte, nimmt zusehends ab. So haben wir diese Woche den Nestor unserer Gemeinde, Hirsch Dreyfuß, im Alter von 88 Jahren zu Grabe getragen. Dieser sympathische Greis, der sich bis ins hohe Alter vollster Geistesfrische erfreuen durfte, sah sein höchstes Glück in treuer Erfüllung unserer Mitzwos. Hirsch Dreyfuß war ein Bruder des durch seine Frömmigkeit und Gelehrsamkeit bekannten Schmuel Leib. Rabbiner Dr. Eugenheim-Westhosen hielt ihm einen herzlichen Nachruf. In Nosenweiler, woselbst der Verblichene neben seiner vor drei Jahren verstorbenen Frau seine letzte Ruhestätte fand und wohin ihn noch eine stattliche Schar begleitet hatte, sprach noch Dr. Bloch-Oberehnheim Worte des Trostes und treuen Gedenkens. Püttlingen. Bald wird unsere Synagoge in herrlichster Beleuchtung erstrahlen, da das elektrische Licht eben eingeführt wird. Unser Tempel, der ohnehin einer der schönsten der Gegend ist, wird dadurch noch prächtiger, und vor allem Heller, da die bisherige Kerzenbeleuchtung gegen die neuen Lichtmittel nicht aufkommen kann. Regisheim. Von schwerem, langem Leiden wurde Herr Baruch Levy, Sohn von Jonas, im Alter von 60 Jahren durch den Tod befreit. Es ist hier Gebrauch, daß bei Beerdigungen die ganze Chevro mit auf das Beis-Aulom fährt. So schön diese Sitte ist, so häßlich wirkt es, wenn bei Ausübung dieser frommen Pflicht die Pflichten des Anstandes verletzt werden. Es genügt hoffentlich dieser Hinweis, um die Vermeidung solcher Aergernisse für die Zukunft zu bewirken. Saarburg. Der hiesige israelitische Wohltätigkeits und Krankenfürsorgeverein wird von durchreisenden Ausländern sehr stark in Anspruch genommen. In den letzten drei Jahren betrugen die Ausgaben für diese durchwandernden Armen 2400 dl. In Anbetracht dessen hat der G e - m e i n d e r a t dem Verein eine Beihilfe von 300 dl bewilligt. Saargemünd. Dienstag, den 1. Juli, hat sich unser langjähriger Schachet, Herr Koch, in den Ruhestand begeben und Herr Weil, bisher Kantor in Mutzig, hat seine Stelle angetreten. Samstag vorher während des Morgengottesdienstes nahm Herr Rabbiner Dr. Dreifus Veranlassung, dem scheidenden Beamten im Namen der Gemeinde den Dank und die Anerkennung derselben für die treuen und aufopfernden Dienste, die er während bald 30 Jahren der Gemeinde geleistet, in warmen Worten auszudrücken, Herr Koch dankte tiefgerührt. Herr Koch, der nach Straßburg verzogen ist, bezieht von der hiesigen Kultusgemeinde eine angemessene Pension. Saarunion. Der Gottesdienst ist für mehrere Wochen in das Schulgebäude verlegt worden, da die Jnnenräume unserer Synagoge einer umfassenden Renovierung unterzogen werden. Zu diesem Zweck ist das Jahresbudget um tausend Mark erhöht worden. Trotz der Bereitwilligkeit des Gesamtvorstandes, jeden Einspruch gegen Erhöhung mit Wohlwollen prüfen zu wollen, ist von keinem Mitglied der Gemeinde Protest erhoben worden. Auch der Frauenverein, dem leider noch einige Damen fern stehen, zeigte seine Opferwilligkeit durch einen Beitrag von 300 dl. Kayern. Nürnberg. In dem ehemaligen Schloß Vüg bei Fürth ist ein israelitisches Erholungsheim, errichtet durch Stiftung der hiesigen Eheleute Adolf und Julie Schwarz, seiner Bestimmung übergeben worden. Das Heim ist besonders für Schulkinder bestimmt. An der Spitze der Verwaltung steht satzungsgemäß der jeweilige hiesige Rabbiner. Nürnberg. Herr Dr. David Brader, Assistent an der Oberrealschule Ludwigshafen, früher Rabbiner in Recklinghausen, wurde zum Kgl. Reallehrer an der Kreisrealschule II dahier ernannt., Würzburg. Eine höchst anerkennenswerte Opferwilligkeit haben bayrische Offiziere bewiesen, um das Leben eines Soldaten zn retten. Aus Würzburg wird gemeldet: Der Soldat Frankfurter des 11. Feldartillerieregiments in Würzburg erkrankte auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg an Blutzersetzung, so daß eine Bluttransfusion notwendig wurde. Als der Oberst die Anfrage stellte, wer sich zu der Abzapfung von Blut für den Soldaten hergebe, meldeten sich 17 Offiziere, darunter ein Major. Leutnant Dittmar von der 6. Kompagnie des 9. Infanterie- Regiments stellte sich als erster zur Verfügung und ließ sich durch

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