Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 28 (11.7.1913)
- Date
- 1913-07-11
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28. Das jüdische Statt 7 Nun ist der neue Balkankrieg ausgebrochen, die jetzigen Gegner bekämpfen sich viel heftiger als die früheren, ein schrecklicher Krieg droht die 200 000 Juden zu zermalmen, die ohne Brot und ohne Dach zwischen den Schlachtfeldern leben. Die Kriegsgeißel fährt auf dem ganzen Gebiet darnieder von Saloniki bis B u k a r e ft. Infolge der fürchterlichen Straßenkämpfe in Saloniki jGriechen und Bulgaren haben etwa 716 wohlhabende jüdische Familien Saloniki verlassen und sich nach Konstantinopel begeben. Dadurch wird die Hilflosigkeit der zurückbleibenden ärmeren Bevölkerung außerordentlich vermehrt und das bedeutet in diesen Kriegszeiten einen bemitleidenswerten Zustand. An dem anderen äußersten Ende des Kriegsschauplatzes in Rumänien haben sich die Juden an patriotischem Eifer überboten. Der Verein Rumänischer Juden hat einen patriotischen Aufruf erlassen und die Jugend aufgefordert, dem Vaterlande mit Hingebung zu dienen. Sämtliche jüdischen Spitäler sind der Kriegsverwaltung zur Verfügung gestellt worden. Die Regierung behandelt sie als Fremde, die Juden aber beweisen den feurigsten patriotischen Eifer. Palästina. Eine neue jüdische Kolonie in Palästina. Auf dem zirka 4800 Dunam umfassenden, an der Jaffa-Jerusalemer Bahn gelegenen Terrain Kasr-Urieh, das im vergangenen Winter von der „Palästina-Land-Development- C o. L t d.", gemeinsam mit der „G e u l a h" erworben wurde, wird demnächst eine neue jüdische Kolonie entstehen. Der Boden ist nämlich mit Hilfe eines von dem Finanzinstitut der A. I. K. O., der „Orient C o l o n i s i n g C o. L t d", gewährten langfristigen Agrarkredits von Frcs. 118 000 in den Besitz einer Kolonistengruppe von 30 Familien übergegangen, um deren Zusammenstellung sich in erster Linie die Gründer und Leiter der Bialystocker Landerwerbsgesellschaft, die Herren Moses M. Manassewitz und A. Horodiscz, verdient gemacht haben. Von diesen 30 Familien sollen 10 demnächst übersiedeln, die anderen 20 Parzellen-Jnhaber werden einstweilen ihre Parzellen auf Grund einer besonderen Abmachung durch Funktionäre der Orient Colonising Co. Ltd. bewirtschaften lassen und erst nach Fertigstellung der Pflanzungen sich in der Kolonie ansiedeln. Die unlängst in Bialystok veranstaltete konstituierende Versammlung der Kolonisten hat eine ganze Reihe von Bestimmungen bezüglich der Anfangsarbeiten und der Verteilung des Bodens ausgearbeitet und ein Komitee zur Führung der Geschäfte der neuen Ansiedelung eingesetzt. Der genaue Bewirtschaftungsplan soll jedoch erst später an Ort und Stelle von den Funktionären der O. C. C. gemeinsam mit dem Komitee der Kolonie ausgearbeitet werden. Freudige Stimmung erregte in der Versammlung die Mitteilung, daß Herr Moses M. M a n a s s e w i tz, der als Parzellen- Jnhaber an der Kolonie beteiligt ist, eine namhafte Stift u ng errichte, aus der die Kosten der öffentlichen Institutionen, wie Synagoge, Schule, rituelles Bad usw., bestritten werden sollen. Die Versammlung beschloß daraufhin, in Anerkennung der großen Verdienste des hochherzigen Stifters um die Bialystoker L. E. G. überhaupt und die neue Kolonie insbesondere, ihm zu Ehren die neue Kolonie „Kiriath Mosche" (die Stadt Mosis) zu nennen. Eine Paläslina-Kolonisalions-Sliflung. Auf Anregung der „Allgemeinen Jüdischen Kolonisations- Organisation" in Berlin und in Angliederung an dieselbe hat ein hochherziger Philantrop, Herr Markus Przedborski aus Lenczyca in Russisch-Polen sich entschlossen, eine Palästina-Kolonisations-Stiftung in der Höhe von 80 000 Frs. (30 000 Rubel) zu errichten. In dem an den Ehrenpräsidenten der A.J.K.O., Herrn Dr. Isidor G i n s b e r g, gerichteten Brief schreibt der Stifter: „In Anbetracht der unsagbar traurigen Verhältnisse, unter denen unsere Glaubensgenossen in meinem Heimatlande zu leiden haben, glaube ich meiner Stiftung keine bessere Bestimmung verleihen zu können, als die Förderung der Palästina-Kolonisation durch rationell erteilten Kredit und durch Vorbereitung jüngerer Auswanderer zur Ausübung des landwirtschaftlichen oder gewerblichen Berufes in Palästina. Möge mein Beispiel die Wirkung haben, daß in jeder Gemeinde mehrere ähnlich denkende Männer sich finden, die einen Teil ihres Vermögens der dauernden Versorgung ihrer unglücklichen Glaubensgenossen widmen. Nur wenn jeder von uns dieser Pflicht nachkommt, kann das namenlose jüdische Elend beseitigt werden." Die A.J.K.O., der Herr Przedborski die Verwaltung seiner Stiftung anvertraut, hat bereits einen Plan ausgearbeitet, auf Grund dessen das Stiftungskapital unter Hinzuschlag der Zinsen in fruchtbringender Weise zur Verwendung gelangen wird. P Korrespondenzen. 11 MM - Glsast LoHrrinaerr. -- Slraßburg. Das Konsistorium des Unterelsaß hat ein Verzeichnis derjenigen Kantoren aufgestellt, die nach dem kürzlich veröffentlichten Beschlüsse verpflichtet sind, sich zur Prüfung als Religionslehrer vorzubereiten. Dieses Verzeichnis ist den Rabbinern zugeschickt worden mit dem Ersuchen, das weitere zu veranlassen und jeweils am Ende des Quartals dem Konsistorium näheren Bericht zugehen zu lassen. Slraßburg. In dem seit fast drei Jahren schwebenden Prozeß des Kaufmanns Aron D u r l a ch gegen den Bezirkspräsidenten Frhrn. v. G e m m i n g e n hat nun das Landgericht das Urteil gesprochen. Der Wagen des Herrn v. Gemmingen, der den Grafen v. Solms-Laubach gefahren hatte, hatte die Frau des Herrn Durlach verletzt und nach dessen Angaben ihn selbst dadurch finanziell geschädigt. Gleich zu Anfang hatte das Gericht entschieden, daß der als Fahrgast in Anspruch genommene Graf Solms überhaupt auszuscheiden habe. Schließlich wurde der Kutscher verurteilt, die Hälfte der tatsächlich entstandenen Arztkosten, die insgesamt 1200 Jl betrugen, zu zahlen, da nach Meinung des Gerichts auch die verunglückte Frau Durlach den Unfall mitverschuldet hatte. Schließlich hat nun die dritte Zivilkammer am 5. Juli dahin dahin entschieden, daß den weiter vom Privatkläger in Anspruch genommenen Frhrn. v. Gemmingen in keiner Weise irgend ein Verschulden an dem bedauerlichen Unfall treffe. Rechtsanwalt Mayer hat für den von ihm vertretenen Kutscher Berufung beim Oberlandesgericht eingereicht. Slraßburg. Der Ausflug des Jüdischen Turnvereins ist der Witterung halber auf Sonntag, den 13. Juli verlegt worden. Ausflug nach Münster—Felsenweg—Hohneck—Schlucht—Fischbödle. Abfahrt: 6 Uhr. Rückfahrt 9.56 oder 10.21. Sonntagskarte Metzeral: 3.20. Hagenau. Am letzten Samstag wurde in Paris, rue Severe 11, das Ilispensaire rintitnUerenlenx du 14 uh* Arrondissement, unter dem Vorsitz des Unterstaatssekretärs M o r e t eingeweiht, bei welcher Feierlichkeit die größten Künstler der wichtigsten Pariser Theater mitgewirkt haben. Die Angelegenheit bietet insofern ein besonderes Interesse für unsere Stadt, als die genannte Heilanstalt den Namen Fondation Ar-