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Das jüdische Blatt · 1913-07-11 · 28 (11.7.1913) · p. Seite 5

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
28 (11.7.1913)
Date
1913-07-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 28. Das jüdische Blatt r> Deutschland. Berlin. Herr Professor Dr. Kalischer sendet uns folgende Berichtigung: „Es ist nicht wahr, daß die in Nr. 26 des „Jüdischen Blatts" angeführte Aeußerung des Herrn Moritz A. Loeb im „Hamburger Familienblatt", auf die sich meine Widerklage stützt, lautet: „Was das Herrenhaus für das Judentum geleistet habe, könne sich — in bezug auf die jüdischen Volksschulen — ruhig neben dem sehen lassen, was der Vorstand der jüdischen Gemeinde in dieser Beziehung geleistet habe." Wahr ist vielmehr, daß die Aeußerung des Herrn Moritz A. Loeb lautet: „Im übrigen darf man ruhig sagen, daß das, was das preußische Herrenhaus für die Erhaltung des Judentums tut, sich ruhig neben dem sehen lassen kann, was der Vorstand der jüdischen Gemeinde Berlin nach dieser Richtung hin leistet." Es ist demnach wahr, daß, abgesehen von sonstigen Ungenauigkeiten des Zitates, die Worte „— in bezug auf die jüdischen Volksschulen —" eingeschoben worden sind. Die Einweihung der höheren israelitischen Schule in Leipzig. Nach kaum einjährigem Bestehen erhält die höhere israelitische Schule in Leipzig ihr eignes Heim, einen prächtigen dreistöckigen Bau, inmitten einer waldreichen Vorstadt der immer ungeheurer erwachsenden Metropole des westlichen Mitteldeutschlands. Die staatlichen und städtischen Schulbehörden hatten ihre Vertreter entsandt, und alle sprachen sie einmütig ihre Hochachtung und Bewunderung aus für die von echter Glaubenstreue errichtete Anstalt. Die Feier gestaltete sich wie folgt: Am Mittwochnachmittag wurde in Anwesenheit von Vertretern staatlicher und städtischer sowie Schulbehörden die neuerrichtete Höhere israelitische Schule in der Gustav-Adolf-Straße in feierlicher Weise eingeweiht. Gesang des Liedes: „Brüder, reicht die Hand zum Bunde" vom Schülerchor leitete die Feier ein. Nach einem alsdann von dem Schüler Ignatz Rosenak vorgetragenen Prolog nahm Rabbiner Dr. Hildesheimer-Berlin als Vertreter des Kuratoriums das Wort, um die zahlreichen Teilnehmer mit herzlichen Worten zu begrüßen und ihnen für die Teilnahme an der Weihe des Hauses und die Freundschaft, die sie damit der Schule bezeigen, zu danken, vor allem aber auch den Staats- und städtischen Behörden, die ein weit über das gewöhnliche Maß hinausgehendes Entgegenkommen der Schule bewiesen, und allen Freunden, die durch tatkräftige Hilfe den Bau der Schule ermöglicht haben. Das Ziel der Schule fei, das alte Judentum wieder aufzubauen und zu erhalten. Er schloß mit dem Wunsche: So möge denn einziehen in diese Schule die Heranwachsende Jugend, um später an Kenntnissen bereichert hinauszutreten in das Leben zur Ehre des Judentums, zum Heil unserer Stadt, zur Freude unseres geliebten Vaterlandes, zum eigenen Wohl und zum Wohl der jüdischen Zukunft. Oberschulrat Professor Dr. Müller von der Bezirksschulinspektion Leipzig I bezeichnete als Ziel der Schule, dem Ganzen treu und frei zu dienen. Wenn diese neue, staatliche Schule diesen Spruch ihrer Tätigkeit voranstelle, so werde die neue Gründung von Segen sein, nicht nur für die Jugend selbst, sondern auch für die ganze Stadtgemeinde. Es könnte wohl mancher im Zweifel fein, ob es richtig sei, in die große Reihe der Schulen noch eine neue einzufügen, aber die G r o ßstadt mit ihren verschiedenen Zielen sei eine Stätte der Differenzierung. Er schloß mit dem Wunsche, daß die neue Schule immer eine Stätte sein möge, von der sich der Blick hinausrichte immer auf das Ganze, daß immer hier ein gemütvoller Ton walte, der die Herzen emporziehe und zusammenschmiede und daß die Freiheit des Geistes wie die Treue zur Religion hier eine festgegründete Stätte finden möge. Alsdann übermittelte Studienrat Prof. Dr. v. Brause die Glückwünsche der fünf Leipziger Realschulen und verband damit den Wunsch, daß alle die Kinder, die in die Schule einziehen, heranwachsen möchten sich selbst zum Segen und ihren Eltern zur Freude. Mit bewegten Worten führte Rabbiner Dr. Carlebach- Lübeck, der Vater des Leiters und Direktors der neuen Schule, in seiner Ansprache aus: „Ich hab's gewagt", so könnte man als Motto setzen über das schöne Gebäude, zu dessen feierlicher Weihe eine so hochansehnliche Versammlung erschienen sei. Der Bau der Schule sei ein Wagnis gewesen, aber die Liebe zu den Kindern habe über alle Schwierigkeiten hinweggeholfen. Er verkenne nicht, daß im Laufe der Jahre noch weitere große Mittel und Beihilfen nötig sein würden, aber er habe die Hoffnung, daß die neue Anstalt dauernd bestehen und wirken werde zum Wohle der Jugend, zur Freude der Stadt und zum Ruhme des Judentums. Er dankte schließlich den staatlichen und städtischen Behörden, die nicht mit Zurückhaltung, die ja begreiflich und erklärlich gewesen wäre, sondern mit Teilnahme und wohltuender Aufmunterung das Unternehmen begrüßt und gefördert hätten. Weiter überbrachte der Redner die Glückwünsche der beiden Rabbinerverbände. Es folgen weitere Ansprachen, so u. a. von Realschuldirektor Dr. Lang e-Frankfurt a. M. namens der Realschule der israelitischen Religionsgemeinschaft in Frankfurt a. M., von Rechtsanwalt Dr. Klee im Aufträge der Zionistischen Vereinigung in Deutschland, der hervorhob, daß die neue Gründung ein Beispiel sein soll, an dem sich alle diejenigen aufrichten könnten, die dahin streben, eine Renaissance des Judentums zu schaffen. Er wisse, daß aufrechte, zielbewußte, treue Juden die besten Bürger seien, die das Judentum dem Staate stellen könne. Man sei dankbar den Behörden, daß sie erkannt hätten, daß diejenigen Juden, die ihre Eigenart bewahren, und dem alten, vieltausendjährigen Volke die Treue halten, die besten Staatsbürger seien, weil man daraus folgern könne, daß sie auch die Treue halten, wenn das Vaterland und der König rufen. Möchte diese Anstalt die Mutter werden für eine Reihe ähnlicher Gründungen, zunächst für eine solche in Berlin. Weiter übermittelte Dozent Dr. Wohlgemuth unter schöner Deutung einer Erzählung des Talmud herzliche Glück- und Segenswünsche im Namen des Rabbinerseminars zu Berlin, Oberkantor Franke-Leipzig im Aufträge der Verbandes jüdischer Lehrervereine im Deutschen Reiche, Lehrer Sommerfeld-Chemnitz im Namen des Vereins jüdischer Lehrer sowie für die Konferenz jüdischer Lehrer im Königreich Sachsen und schließlich Professor Traut vom Lehrerkollegium der neuen Schule. Hierauf hielt der Leiter derselben, Direktor Dr. Carlebach, eine längere Ansprache, in der er u. a. ausführte: Der Staat verlange, wenn es sein müsse, von jedem die Bereitwilligkeit, Gut und Blut dem Wohle der Allgemeinheit zu opfern. Die Selbstentäußerung, das Zurückdrängen egoistischer Wünsche und Neigungen werde als eine schwere Bürde empfunden von den Menschen, die stets ihr eigenes Ich in den Mittelpunkt stellen. Der wahrhaft religiöse Mensch sehe in den Verpflichtungen, die ihm die Allgemeinheit, Staat und Gesellschaft auflegen, keine Bürde, sondern eine Würde. So sagt der Talmud: „Wer das Joch der Thora auf sich nimmt, der kennt nicht das Joch staatsbürgerlicher und sozialer Pflicht." Aber die Juden dürfen noch sagen, wir haben ein ganz besonderes Anrecht, unserer Religion eine durch nichts ersetzbare erzieherische Bedeutung beizumessen. Mit der Schule, deren Hausweihe vor sich gehe, solle die Erziehung der jüdischen Jugend zum wahrhaften sozialgebildeten Menschen auf der Basis der jüdischen Ethik versucht werden. Mit dem gleichen Ernst und der gleichen Hingabe sollten die großen Schätze der modernen Bildung gepflegt und versucht werden, zwischen Wissen und Glauben, zwischen Wissenschaft und Religion diejenige Harmonie herzustellen, welche in sich gefestigte, gute und zufriedene Menschen erziehe. Mit dem Chorgesang aus Iphigenie von Aulis „Freudenklänge, Festgesänge" erreichte die herrliche Feier ihr Ende. Es folgte dann ein Rundgang durch das stattliche viergeschossige Schulgebäude, das mit hellen luftigen Räumen, schönem Physikkabinett, Zeichen- und Gesangsaal einen vorzüglichen Eindruck macht. Daran schloß sich im großen Saal des Kristall-Palastes eine turnerische Schaustellung der Schüler der Anstalt, die einen hellen Sturm der Begeisterung bei allen Zuschauern auslöste, ein Gefühl,

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