Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 27 (4.7.1913)
- Date
- 1913-07-04
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 Das jüdische Klatt. Nr. 27. Kindern nach dem Gehöft von Berner spielen gegangen. Da sei Beilis mit zwei Juden gekommen und habe die Kinder ergreifen wollen. Alle hätten sich retten können, nur Schenja und Juschtschinski feien ergriffen worden. Schenja habe aber dach noch entkommen können, und so sei Juschtschinski allein zuin Ziegelofen geschleppt worden. Ein anderes Mädchen, Jewdokia Nakonietfchnaja, erinnert sich nicht, daß Beilis ihr nachgestellt hätte. Beilis erklärt, weder Schenja noch Juschtschinski gekannt zu haben: die Mutter des letzteren habe er gekannt. Er habe oft Kinder, die auf dein Fabrikhof spielten, weggejagt. Juden in ungewöhnlichen Gewändern seien niemals zu ihm gekommen. Sein Bater war zwar „Ehassid", er selber aber sei nicht fromm und arbeite auch Samstags. Vor fünf Jahren habe er einmal an Verwandte des Fabrikbesitzers Saizew Osterbrote (Mazzen) verteilt. Den Brief an seilte Frau habe er wirklich Kosatschenko übergeben, dem er aber itiemals angesonnen habe, jemanden zu vergiften oder zu bestechen. inneren Land esangelegen Heiken der A g uda in Polen durch die einheimischen rabbi- Nischen und weltlichen Führe r." Mit der Ausführung der Resolution wurde ein Ausschuß betraut. Damit hat die bedeutsame Versammlung, die auch eine Reihe bemerkenswerter Beschlüsse auf ökonomischem Gebiete faßte, die Verwirklichung des „Agudas-Jsroel"-Gedankens im Osten ein gutes Stück weitergefördert. Ist ja die von der Versammlung gewünschte Autonomie der Landesorganisationen in allen inneren Angelegenheiten von vornherein als Grlindgesetz der „Agudas Israel" betont und auch in dem jetzt vorbereiteten Satzungsentwurfe zu präzisem organisatorischem Ausdruck gebracht worden. Türkei. Auf Grund dieser verschiedenen Angaben wird Beilis also a n - geklagt, nach Verständigung mit unbekannt gebliebenen Personen, vorsätzlich aus Gründen religiösen Fanatismus zu rituellen Zwecken, um den zwölfjährigen Knaben Andrej Juschtschinski zu ermorden, am 12. März 1911 im Hof der Ziegelfabrik Saizew den dort mit Kameraden spielenden Juschtschinski ergriffen und ihn nach der Fabrikanlage geschleppt zu haben, wo sodann seine (Beilis') Mittäter mit seinem Vorwissen und Einverständnis, nachdem sie dem Juschtschinski die Hände zusammengebunden und den Mund mit einem Knebel verschlossen halten, ihn ermordeten, indem sie ihm vierzig Wunden an Kopf, Hals und Rumpf beibrachten, wodurch sie Verletzungen von Blutgefäßen und innren Organen verursachten, die schwere, langdauernde Qualen und schließlich die vollständige Ausblutung des Körpers herbeiführten. Eine bedeutsame Kundgebung aus Rußland für die Agudas-Jfroel-Bewegung. Am Montag und Dienstag voriger Woche fand in dem Kurort G o r b a t k a (Gouvernement Radom) eine seit langem vorbereitete Versammlung der führenden chassidischen Kreise Polens statt, an der die bekanntesten Chassidimrebbes, insbesondere diejenigen aus Gor, Radsin, Pilitza, Grodisk, Ostrowietz, Sokolow, So ch ätsche w, Lublin, Lukow, Jwangorod, Kölbel, Kosenice, Bialobczeg, Osrow, Radom u. a., sowie hervorragende Persönlichkeiten aus Warschau und Lodz teilnahmen. Gegenstand der Beratung war — neben dem durch deu Boykott hervorgerufenen wirtschaftlichen Notstand in Polen — die gemeinsame Stellungnahme zur „Agudas Israel". Nach griindlicher Aussprache wurde, wie das Sekretariat der Versammlung dem Bureau der „Agudas Israel" mitteilt, einstimmig folgende Resolution beschlossen: Der Gruildgedanke der „Agudas Israel" entspricht il n s e r e n Wünschen und B e d ü rf - nisse n, und seine Verwirklichung ist von zwingender Notwendigkeit für die Gesamtheit in allen Ländern der Zerstreuung. Es ist Pflicht, an dieser Vereinigung al l e r z u Ehren des einzigen Gottes m i t z u w i r k e n und die V e r f a m in e l t e n erklären sich bereit, ihre Anhän ger dahin zu beeinflussen, daß sie sich mit aller Kraft an derArbeit der Aguda beteiligen. Voraussetzung ist hierbei die regierungsseitige Legalisation, sowie diesta tutarische Gewährleistung selbständiger Führung aller König Konstantin und die Familie Modiano. König Konstantin von Griechenland ist, wie aus Saloniki berichtet wird, in der Villa Modiano abgestiegen, wo er und sein Gefolge während des ganzen Salonikier Sejours wohnen wird. Türkische und bulgarische Blätter machen sich darüber lustig, daß die 30 000 Griechen von Saloniki nicht ein Haus besitzen, das würdig wäre, ihrem König als Absteigquartier zu dienen, so daß er gezwungen ist, die Gastfreundschaft eines Juden in Anspruch zu nehmen. Diese Blätter scheinen nicht zu wissen, daß zwischen König Konstantin und dem Chef des Hauses Modiano eine Freundschaft besteht, die noch aus der Zeit datiert, da König Konstantin Kronprinz war. Es ist auch nicht das erste Mal, daß Konstantin XI I. der Gast der Modiano ist, denn vor einigen Monaten schon hat der Generalissimus der griechischen Streitkräfte sein Hauptquartier auf der Besitzung Topsin der Familie Modiano in der Nähe von Saloniki aufgeschlagen. Die griechischen Blätter beuten natürlich auch diesen Umstand aus, um zu beweisen, daß die Juden von Saloniki nur unter griechischer Herrschaft sich wohl fühlen würden. Korrespondenzen. Elsaß-Lothringen. - Der Jüdische Turnverein und Jugendbund veranstalten Sonntag, Straßburg. der Jüdische den 6. Juli, einen gemeinschaftlichen Ausflug nach Münster— Felsenweg—Schlucht—Hohneck—Fischbödle—Metzeral. Abfahrt 6 Uhr. Rückkehr 8,50 Uhr oder 9,40 Uhr abends. Sonntagsfahrkarte Metzeral 3,20 dl. In Anbetracht dieser herrlichen Tour wird um zahlreichen Besuch gebeten. Dieuze. Am Sonntag, den 29. Juni, wurde in festlich geschmückter, fast überfüllter Synagoge das Jubiläum einer 40jähriaen hiesigen Tätigkeit des Herrn Kantors Mantoux gefeiert. Die Feier sollte sich auf den engsten Freundeskreis beschränken, weshalb nach auswärts nichts davon bekannt gegeben wurde. Das Wirken des Jubilanten wurde von Herrn Oberrabbiner Dr. Nette r-Metz und von Herrn Rabbiner D r e y f u s-Mörchingen gewürdigt. Von den vielen christlichen Teilnehmern an der Feier seien erwähnt: der Bürgermeister und der Stadtrat, zwei geistliche Herren, der Postdirektor, ein Offizier; schriftlich gratulierten u. a.: der General-Major, der Oberst (auch im Namen der Garnison) und der katholische Erzpriester. An vielen kleinen Aufmerksamkeiten zum Zeichen der Hochachtung hat es natiirlid) nicht gefehlt; hervorzuheben sind die der Männer- und der Frauen-