Das jüdische Blatt
- Journal
- Das jüdische Blatt
- Volume
- IV (1913)
- Issue
- 27 (4.7.1913)
- Date
- 1913-07-04
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Das jüdische Klatt., Nr 21. wunderung für die edle Spenderin aus, indem er ausführte, sie haben den glücklichen Gedanken wahr gemacht, „daß es in diesem herrlichen Tal, wo die Lüfte milder wehen, wo lebensstärkende Quellen sprudeln, wo die Schönheit der Gottesnatur unvermittelt zu unserem Herzen spricht, nicht an einer Stätte fehlen darf, wo einer der Grundpfeiler der sittlichen Weltordnung nach jüdischer Auffassung, Gemilus Chasodim, werktätige Nächstenliebe zur äußeren Erscheinung kommt". Der Redner besprach dann in kurzen Worten die Geschichte des Vereins und seine bisherige Entwicklung, äußerte sich zum Zwecke des Heims und sprach die Hoffnung aus, daß aus den Räumen des Heimes Vielen Erholung und Gesundung ersprießen werde. Er schloß mit den Worten: „In unserer alten Bibel steht das Wort „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst". Einer der größten Lehrer Israels hat es festgelegt und verkündet, daß in diesem Spruche unserer Bibel das ganze Judentum mit all seinen Gesetzen und Vorschriften begriffen ist, daß dieses Wort die Grundlage unseres Glaubens ist und daß alles andere an Gesetzen und Gebräuchen nur Ausführung und Erläuterung zu diesem Grundwort der Religion darstellt. So wollen wir es versuchen, mit diesem Heime und mit dieser Anstalt von neuem das Grundwort des Glaubens zu künden und auszuführen in der Hoffnung, daß die Mitarbeit und die Anteilnahme der Erschienenen und weiter Kreise uns die Möglichkeit gibt, diese Anstalt immer weiter auszubauen zum Heile der Menschheit und zu ihrer ewigen Ehre. Das walte Gott!" Der zweite Vorsitzende, Herr Hoflieferant Julius Meyer, Baden-Baden, sprach in beredten Worten den herzlichen Dank aller, die an den Arbeiten des Vereins Mitwirken und die in Baden-Baden das schöne Heim ständig vor Augen haben dürfen, an Freifrau v. Rotschild aus. Er rühmte im weiteren Verlauf seiner ausgezeichneten Ansprache insbesondere die Verdienste des Ehrenmitgliedes des Vorstands, Herrn Michael M. Mainz, Frankfurt a. M., um den Ankauf und die Einrichtung des Heims, er dankte den Ehrendamen, Frau Mainz und Frau Dr. Stern, Baden-Baden, für die mühereiche Arbeit, mit der sie für das Wohl der Insassinnen und für die Einrichtung der einzelnen Räume gesorgt haben und schloß unter Bekanntgabe des Allerhöchsten Auftrags der Frau Großherzogin Luise von Baden, zu deren Ehren sich auf seine Aufforderung die Anwesenden von den Plätzen erhoben. Nachdem Herr Rechtsanwalt Dr. Herrmann noch die Anerkennung der Synagogengemeinde Baden-Lichtenthal und das Gelöbnis der Unterstützung des Heims abgelegt hatte,' ergriff das Mitglied des Verwaltungsausschusses, Herr Rabbiner Dr. Unna, Mannheim, das Wort zu einer kurzen Weiherede, mit der er das Heim dem göttlichen Schutz unter sinniger Auslegung eines Schriftverses anempfahl: er schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß die Herrlichkeit Gottes über dem Werk thronen und Gottes Seggen darüber ruhen möge. Nach kurzen Schlußworten des Vorsitzenden fand ein Rundgang durch das Heim und durch den prächtigen Park des Heims statt, an dem sich alle Erschienenen beteiligten. Nach einem Imbiß verabschiedeten sich die Besucher des Heims und überließen Garten und Heim wieder den erholungsbedürftigen Insassinnen, die den Segen und die Ruhe der Anstalt bereits seit Beginn dieses Monats genießen. Es ist zu hoffen daß die Anteilnahme weiter Kreise der Anstalt die Möglichkeit geben wird, ihre Tätigkeit nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter auf viele Jahre hinaus auszuüben. Anmeldungen zur Mitgliedschaft und Spenden können an die Verwaltung (Rechtsanwalt Horovitz, Frankfurt a. M., Hoflieferant Julius Meyer, Baden-Baden und Schatzmeister Bankier Willy Dreyfus, Frankfurt a. M., Alte Rothofstraße, oder das Heim selbst (Baden-Baden, Werderstraße 24) übermittelt werden. Antisemitismus im üonfirmationsunterricht. In der heutigen Tagung der Kreissynode Friedrichswerder II, die außer den westlichen Kirchengemeinden Berlins diejenigen von Schöneberg und Charlottenburg umfaßt, machte'zum Bericht der Charlottenburger Luisengemeinde der Syn. Erdmannsdörfer (Lib.) Mitteilungen über das antisemitische Gebaren des Pfarrers Luckan. Erdmannsdörfer bedauerte, daß der Pfarrer Luckan nicht anwesend sei, und berichtete: In einer Zeitung sei eine unwidersprochene Notiz erschienen, wonach Pfarrer Luckan im Konfirmationsunterricht wenig angenehme antisemitische Äußerungen gemacht haben soll. Er soll seinen Konfirmanten nahetzelegt haben, die Konfirmationskleider nicht bei Juden zu kaufen (Bravo! bei den Positiven) und daß, wenn sie sich für ihn photographieren lassen wollten, dieses ihn sehr erfreuen würde, daß er aber weniger erfreut sei, wenn er auf den Photographien Firmen wie Cohn, Silberstein oder Levy lesen muß. (Bravorufe rechts.) Es sei sehr bezeichnend, daß von der rechten Seite Bravo! gerufen werde. Seine Freunde halten es für unangemessen, daß ein evangelischer Geistlicher derartige Äußerungen macht, noch dazu im Konfirmationsunterricht. (Sehr wahr! links.) Es liege im Interesse des Ansehens der Luisengemeinde, daß Pfarrer Luckan sich recht bald zur Sache äußert. (Bravo links.) Pfarrer Kraatz (Lib.) führte weiter aus: Daß Pfarrer Luckan diese Äußerungen getan, stehe ziemlich fest. Er sei auf dem Bureau erschienen, und als der Rendant ihn auf den Zeitungsartikel aufmerksam machte, habe er die Finger in die Westentasche gesteckt und mit schriller Stimme höhnisch gerufen: „Weih geschrien!" Pfarrer Luckan sei bekannt als Antisemit ersten Ranges, was gegen das christliche Gebot der Nächstenliebe verstößt! (Beifall links.) Bemerkenswert ist, daß ein Mitglied der Synode, der Oberpfarrer 1). Riemann, den Pfarrer Luckan verteidigte, indem er meinte, wenn Pfarrer Luckan es nicht der Mühe für wert gehalten habe, auf einen solchen Zeitungsartikel zu antworten, so befinde er sich in guter Gesellschaft. — Um diese „gute Gesellschaft", die nicht den nötigen Mut aufzubringen vermag, um ihre Handlungen auch persönlich zu vertreten, wenn und wo sie deswegen interpelliert wird, braucht man wohl die Herren Riemann und Luckan nicht weiter beneiden. Rußland. Die ungeheuerliche Anklage auf Rilualmord. Weiter unten geben wir nach der „Franks. Ztg." einen Auszug aus der Anklageschrift wieder, in der der Staatsanwalt in Kiew gegen den jüdischen Ziegelarbeiter Mendel Beilis die Beschuldigung erhebt, er habe nach Verständigung mit unbekannt gebliebenen Personen vorsätzlich aus Gründen des religiösen Fanatismus einen Knaben zu rituellen Zwecken ermordet, indem er und seine Mitschuldigen ihm 40 Wunden an Kopf, Hals und Rumpf beibrachten, wodurch sie Verletzungen von Blutgefäßen und inneren Organen verursachten, die schwere langandauernde Qualen und schließlich die vollständige Ausblutung des Körpers herbeiführten. Es ist nicht das erste Mal, sagt die „Franks. < xV*.:?r ■;: is-' ’-r; In!:::: te iiii n:< J." ■TOlljfj jjfonr*- r; a;; ® »*»: { tz,■■ ■ ■ SK:<" K