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Das jüdische Blatt · 1913-06-27 · 26 (27.6.1913) · p. Seite 9

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Journal
Das jüdische Blatt
Volume
IV (1913)
Issue
26 (27.6.1913)
Date
1913-06-27
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 26. Das jüdische Statt. Mission befand sich ein Jude Samuel Effendi, früher Polizeipräfekt des Enropäerviertels von Pero. Bei der Erstürmung des Forts Ehablol, wo sich die Mörderbande verschanzt hatten, drang Sainuel Effendi unter einem Kugelhagel in die Feste und fiel inehrfach verwundet zu Boden. Die Mörder hielten ihn für tot und stellten das Feuer ein. Einige Augenblicke später mußten sie vor der Übermacht weichen und sich ergeben. Samuel Effendi wurde in das Französische Hospital verbracht und einer Operation unterzogen. Man hofft ihn zu retten. Die französische und türkische Presse ist voll Lobes über sein tapferes Verhalten und hohe Persönlichkeiten erkundigten sich persönlich nach seinem Befinden. Korrespondenzen. - Glsaß-Kothrtngen. Straßburg. Der Feier in der Synagoge am 14. Juni d. I. aus Anlaß des 25jährigen Regierungsjubilänms S. M. des Kaisers, hat auch Herr Ministerialrat Dr. L a u ch e r beigewohnt. Straßburg. Der Jüdische Jugendbund Straßburg hat auf seiner letzten Generalversammlung beschlossen, in der schönen Jahreszeit in ausgiebigerer Weise als bisher dem Wandersport zu huldigen. In Verbindung mit dem Jüdischen Turnverein veranstaltet er alle Sonntage Ausflüge in die Berge und so besteht nun auch die Absicht Ausflüge zu veranstalten, an welche sich abends an den Ausflugsorten, in denen jüdische Gemeinden bestehen, ein gemütliches Beisammensein mit Rezitationen usw., anschließen soll. Nächsten Mittwoch, den 2. Juli veranstaltet der Jugendbund einen Abendspaziergong nach Wolfisheim in das Lokal „Zum Tramway". (Abfahrt 8 bzw. 6 Hauptbahnhof), woselbst alsdann ein Rezitationsabend stattfindet, zu dem die Gemeinde Wolfisheim herzlich vom Jugendbund eingeladen ist. Straßburg. Der Jüdische Turnverein und der Jüdische Jugendbund Straßburg veranstalten Sonntag, den 29. Juni einen gemeinschaftlichen Ausflug nach Urnmtt—Mutzigfelsen— Donon—Schirmeck. Abfahrt 6 6\ Rückkehr 9 4S. Sountagsbillet Schirmeck 1.55 dl. Mundvorrat ist mitzunehmen. Colmar. Das Konsistorium hat in seiner letzten Sitzung die Wahl des Herrn Wurmser, Kantor zu Mülheim zum Ober-Kantor von Colmar bestätigt. Hagenau. Die provisorische Ortsgruppe Hagenau des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hatte auf den 17. Juni im Hotel „zur Traube" eine Versammlung anberaumt. Als Referenten waren die Herren Erich Kehr, Rechtsanwalt in Kaiserslautern und Dr. Bruno W e i 11, Rechtsanwalt in Straßb u r g, gewonnen. Es wurde referiert über: 1. Der politische, wirtschaftliche und soziale Antisemitismus in Deutschland. 2. Unser Kampf ums Recht und der Zentralverein. Beide Herren haben mit ihren Ausführungen auf die Anwesenden großen Eindruck geinacht, so daß sich viele derselben als Mitglieder des Zentralvereins Unterzeichneten. W. hayingen. Endlich hat mau es auch in Hayingen gewagt, )as jüdische Publikum ruit den Zeit- und Streitfragen bekannt R machen. Es war ein sinniger, glücklicher Gedanke des Vorstands der jüdischen Gemeinde, den in weiten Kreisen belebten Redner kaiid. med. Löw aus Straßburg für einen Vortrag zu gewiniieii. Mit größter Sachlichkeit uii ruhe; referierte der Gast anderthalb Stuiiden lang über das aktuelle Thema: „Moderiie Versuche zur Lösung der Judenfrage". Er beleuchtete scharf den Unterschied vom früheren Radauantiseniitismils und heutigen viel verfeinerten Antisemitismus. Verjudung ist das Schlagwort der Universitätsprofessoren, der Würdenträger im Rate der Gesetzgebung. Bis zu den Stufen des Thrones flüstert man dieses vielsagende Wort; Verjudung des Theaters, des Advokatenstandes, des Handels, der Aerzte, Verjudung — in erster Linie — der Presse! Beim deutschen Direktor, beim deutschen Professor löst sich ein Gefühl der Unlust aus, oder vielmehr sie schämen sich, daß die Juden, die etwa 1 % der Bevölkerung bilden, in allen höheren Berufszweigen einen dominierenden Einfluß ausüben. Es hilft nicht, den Kopf gleich dem Vogel Strauß unter die Flügel zu stecken und diese in die Augen springenden Tatsachen nicht einzusehen oder nicht einsehen zu wollen. Alle Versuche zur Lösung der Judenfrage scheiterten zum großen Teil an den falschen Prämissen über den eigentlichen Antisemitismus. Im Zionismus erblickte der Redner, sich hinaushebend über gegenteilige Ansichten, die einzige Lösung der Judenfrage zu finden. Spontaner Beifall lösten die Ausführungen des Redners aus. Er fesselte das Publikum bis zum letzten Augenblick. Die Wirkung der Versammlung dürfte nachhaltig sein. pfastatt. Der Vorsteher unserer Gemeinde, Herr Camille Haas, wurde gelegentlich der Ergänzungswahlen letzte Woche in den Gemeinderat gewählt, und vereinigte die größte Stimmenzahl auf seinen Namen. Preußen. Berlin. Der D. I. G. B. läßt soeben Nr. 83 seiner „M i t - t e i 1 u n g e n" erscheinen. Dieselben haben folgenden Inhalt: Uebergang der Geschäftsleitung (von Prof. Dr. M. Philippson auf Prof. Dr. S. Kalischer). — Vermächtnisse (Marcus und Selima Adler-Stiftung und Legat von Frl. Jda Rathenau). — Der Vertrag mit der „Viktoria" erneuert. — Neue Grundverfassung für den D. I. G. B. Delegiertentag. — Sitzung der gemischten Kommission zur Beratung der Verhältniswahlen. — Personalien und kleine Mitteilungen. — Beamtenfürsorge: A. Rechtsstellung der jüdischeil Gemeindebeamten: u) Schiedsgerichte; 1>) Norinalvertrag. li. Der D. I. G. B. und die wirtschaftliche Lage der jüdischen Beamten: a) Angestellten-Versicherungsgesetz; b) Gemeindebeamten nnd Beiträge zur Angestelltenversicherung: <st Teuerungszulage für Beamte iu kleinen Gemeinden; Neubau unserer Fürsorgeerziehungs- Anstalt für israelitische Mädcheil. — Spendenliste. — Erziehungskonferenz. — Handbuch der jüdischen Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege. — Schulgartenbau und Handfertigkeitsunterricht. — Kassenrevision. — Rechnungsablage pro 1912/13: a) für die Fonds des D. I. G. B.; b) die ihm nahestehenden Institute. — Mitglieder des D. I. G. B.. Berlin. Die Israel. Synagogengemein de Adaß Israel in Berlin beging am Sabbat, 14. Juni das Kaiserjubiläum durch eine aus Predfgt, Gebet und Chorgesang bestehende gottesdienstliche Feier in dem reichgeschmückten und festlich erleuchteten Gotteshause. Von der hiesigen Garnison war eine größere Anzahl jüdischer Mannschaften bei der eindrucksvollen Feier anwesend. Die Gemeindekörperschaften errichteten aus Anlaß des Kaiserjubiläums eine j K a i s e r - W i 1 h e m 1 1. - I u b i 1 ä u m s st i f t u n g z n r! B e g r ü il d u n g einer 211 Og e m e i n s ch u 1 e mit einem > Grundkapital von dl 2 0 0 0 0. Diese Stiftung soll dazu dienen, einen Appell zur Begründung einer jüdischen Schule

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